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WISSENSCHAFT

Kroatisches Gen könnte für dreimal so schweren Corona-Verlauf sorgen

Symbolbilder (FOTOS: iStock)

Schwedische Forscher fanden heraus, dass eine Genvariante eines Neandertalers aus Kroatien das Risiko für einen schweren Corona-Verlauf erhöht. Denn rund zwei Prozent der Gene heutiger Menschen stammen vom Neandertaler.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, bei einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 künstlich beatmet werden müssen, ist etwa dreimal höher“, erklärte Studienautor Hugo Zeberg vom Karolinska-Institut in Stockholm.

Die kroatische Neandertaler-Genvariante ist also ein weiterer Risikofaktor, der den Verlauf des Coronavirus beeinflussen kann – zusätzlich zu vielen schon länger bekannten wie Alter und manchen Vorerkrankungen. In ihrer Studie untersuchten Zeberg und sein Kollege Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig (MPI EVA) einen Gencluster, der für ein höheres Risiko zuständig sein soll und verglichen diesen gezielt mit dem Erbgut von Neandertalern und Denisova-Urmenschen. Dabei zeigte sich ein interessantes Ergebnis!

Zeberg und Pääbo fanden heraus, dass die untersuchte menschliche DNA-Sequenz, die für ein höheres Risiko sorgt, einer DNA-Sequenzen sehr stark ähnelt, die zu einem etwa 50.000 Jahre alten Neandertaler aus Kroatien gehört, erläutern sie im Fachjournal „Nature“.

„Es hat sich herausgestellt, dass moderne Menschen diese Genvariante von den Neandertalern geerbt haben, als sie sich vor etwa 60.000 Jahren miteinander vermischten“, so Zeberg.

Zusammenhang unklar
Hinsichtlich der regionalen Verbreitung des kroatischen Neandertaler-Gens gibt es erhebliche Unterschiede. So ist es – wie man vielleicht vermuten würde – nicht am häufigsten in Europa zu finden. Am häufigsten kommt es bei Menschen in Südasien vor, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung das Gen in sich trägt. In Europa habe etwa einer von sechs Menschen (rund 16 Prozent) die DNA-Sequent geerbt. In Afrika und Ostasien komme die Variante hingegen so gut wie gar nicht vor.

Eine Erklärung dafür, warum Menschen mit der Genvariante ein höheres Risiko haben, gebe es bisher aber nicht: „Es ist erschreckend, dass das genetische Erbe der Neandertaler während der aktuellen Pandemie so tragische Auswirkungen hat“, sagte Pääbo. „Warum das so ist, muss jetzt so schnell wie möglich erforscht werden.“