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Radikal

Kündigungswelle bei Lieferando: Zusteller bekommen fette Abfindung

Kündigungswelle bei Lieferando: Zusteller bekommen fette Abfindung
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2 Min. Lesezeit |

Lieferando entlässt hundert Angestellte und setzt künftig auf freie Dienstnehmer. Den Betroffenen winken Abfindungen, während das Unternehmen bereits neue Zusteller sucht.

Der Essenslieferdienst Lieferando vollzieht einen tiefgreifenden Wandel in seinem Geschäftsmodell: Rund hundert Angestellte verlieren ihren Job, da das Unternehmen auf freie Dienstnehmer umstellt. Zuvor beschäftigte der Lieferdienst etwa 850 Zusteller in einem festen Arbeitsverhältnis. Den betroffenen Mitarbeitern bietet das Unternehmen finanzielle Unterstützung an.

Der ausgearbeitete Sozialplan beinhaltet freiwillige Abfindungen sowie weitere Hilfsmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 1,7 Millionen Euro, wobei 400.000 Euro in einen speziellen Härtefallfonds fließen. Die Fahrer haben noch bis zum 20. Mai Zeit, sich für diesen Sozialplan zu entscheiden – eine Option, die bereits 90 Prozent der Betroffenen wahrgenommen haben, wie Lieferando auf Nachfrage der APA bekannt gab.

Nach Angaben der Gewerkschaft vida werden selbst Mitarbeiter mit längeren Kündigungsfristen spätestens im August das Unternehmen verlassen müssen.

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Wirtschaftlicher Druck

Der Konzern begründet diesen Strategiewechsel mit dem wirtschaftlichen Druck durch Konkurrenten wie Foodora und Wolt, die von Anfang an mit selbständigen Fahrern operiert haben. Trotz der laufenden Kündigungswelle sucht Lieferando aktiv nach neuen Zustellern.

Als zusätzlichen Anreiz verspricht das Unternehmen zwischen dem 16. April und dem 30. Juni einen Bonus von zwei Euro für jede erfolgreich abgeschlossene Lieferung.

Protest und Unmut unter Zustellern

Die Umstellung auf freie Dienstverträge sorgt für erheblichen Unmut in der Belegschaft. Am 1. April haben Lieferando-Zusteller in Wien gegen die Kündigung der gesamten Belegschaft demonstriert. Während das Unternehmen von rund 600 betroffenen Fahrern spricht, geht die gewerkschaftliche Initiative Riders Collective von 966 angestellten Fahrern aus, die ihre Anstellung verlieren werden.

Betriebsrat Andreas Zechner beschreibt die Stimmung unter den Mitarbeitern als „miserabel“. Einigen Zustellern werde „täglich schlecht, wenn sie den Rucksack anziehen“ – ein deutliches Zeichen für die psychische Belastung durch die Umstrukturierung.

Politische Reaktion

Die Umstrukturierung bei Lieferando hat auch eine politische Dimension angenommen. Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat bereits im April angekündigt, dass sie dem Thema Plattformarbeit und Scheinselbständigkeit verstärkte Aufmerksamkeit widmen will.

Sie strebt die baldige Implementierung eines entsprechenden rechtlichen Rahmens an. Auf EU-Ebene wurde bereits im Vorjahr eine Richtlinie zur Regulierung von Plattformarbeit verabschiedet. Allerdings könnte es noch ein Jahr dauern, bis entsprechende nationale Gesetze in Kraft treten.

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KO KOSMO-Redaktion
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