Während die Sommerferien zu Ende gehen, kämpft Wien mit einem massiven Lehrermangel. Trotz Sommerausschreibung und Direktoren-Engagement bleiben hunderte Stellen unbesetzt.
Kurz vor Schulbeginn in Wien am 1. September fehlen noch immer zahlreiche Lehrkräfte im System. Bereits Ende Juni räumte Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs ein, dass die Personalsuche noch nicht abgeschlossen sei, zeigte sich aber optimistisch für den Schulstart. Zu diesem Zeitpunkt waren noch rund 1.000 Lehrerstellen unbesetzt. Während des Hauptbewerbungszeitraums von Ende April bis Anfang Mai konnten etwa 1.000 Pädagogen rekrutiert werden. „Für alle Schulen in Wien haben wir ungefähr 1.000 Neueinstellungen vorgenommen und den Schulen zugeteilt und wir brauchen noch einmal so viele“, erklärte Fuchs damals im „Wien heute“-Studio.
Als Reaktion auf den anhaltenden Personalbedarf wurde erstmals eine Sommerausschreibung eingerichtet, die allerdings nur knapp eine Woche – vom 11. bis 16. August – läuft. Die Bildungsdirektion versichert dennoch: „Jede Schülerin und jeder Schüler in Wien wird ab dem ersten Schultag Unterricht bekommen. Wir arbeiten bis zum letzten Ferientag daran, für jede Klasse die beste Besetzung zu finden. Auch kurzfristige Änderungen seitens des Lehrpersonals wie beispielsweise Karenzierungen kommen zum Tragen.“
Wien führt im Bundesländer-Ranking
Der Personalmangel in der Hauptstadt ist kein Einzelfall, aber besonders dramatisch. Österreichweit werden für das kommende Schuljahr rund 6.100 Pädagogen gesucht. Wien teilt sich mit rund 1.000 fehlenden Lehrkräften den Spitzenplatz mit Niederösterreich und Tirol, die ebenfalls jeweils etwa 1.000 Stellen zu besetzen haben. In Oberösterreich sind es knapp 650 offene Positionen. Der Lehrermangel führt bereits zu drastischen Maßnahmen: In einzelnen Regionen werden Schulstunden gekürzt, um den Unterrichtsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Kritische Mangelfächer
Besonders angespannt ist die Situation bei Sportlehrerinnen für Mädchen sowie im Bereich Deutsch und Deutsch als Fremdsprache, wie Lehrergewerkschafter Thomas Krebs (fcg) bestätigt. „Zudem haben wir auch einen akuten Mangel bei naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik und in der Volksschule – bei Kollegen, die klassenführend arbeiten wollen. Und das Manko in der Sonderpädagogik ist eh schon lange bekannt.“ Diese Fächerverteilung spiegelt sich in allen Bundesländern wider, wo ebenfalls Deutsch, Mathematik, Englisch sowie Naturwissenschaften und Bewegung und Sport zu den kritischsten Mangelbereichen zählen.
Gegenüber der kurzfristigen Sommerausschreibung äußert sich Krebs skeptisch: „Der Output ist hier enden wollend. Gott sei Dank gibt es Direktoren, die in Eigenregie Bewerber lukrieren. Es ist diesem Engagement der Schulleitungen zu verdanken, dass sie den Lehrermangel abfedern. Eigentlich wäre das die Aufgabe der Bildungsdirektion.“
Personelle Herausforderungen
Der Gewerkschafter weist zudem auf weitere Unsicherheitsfaktoren hin: „Es reicht ja, wenn in einer Schule eine Klasse nicht besetzt ist. Außerdem gibt es rund 70 Dienstauflösungen – die Abwanderung geht also munter weiter. Wir verlieren qualifiziertes, engagiertes Personal und es bleibt die Frage: Wer kommt nach?“
An einer Volksschule in Wien-Floridsdorf stellt sich die Situation weniger dramatisch dar. Die dortige Direktorin berichtet: „Uns fehlen noch ein Team-Lehrer und jemand für die Deutsch-Förderklasse.“ Sie blickt jedoch zuversichtlich auf den Schulstart: „Es wird sich, glaube ich, bis zum Schulbeginn noch gut ausgehen.
Es gibt derzeit weniger Quereinsteiger, dafür aber mehr Kollegen, die jetzt mit dem Studium fertig geworden sind und noch nicht in der Schule gearbeitet haben.“