Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Badeunglück

Leichnam zwei Stunden am Wörthersee – Badebetrieb läuft einfach weiter

Leichnam zwei Stunden am Wörthersee – Badebetrieb läuft einfach weiter
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Ein Todesfall am Wörthersee, Sichtschutzwände auf dem Steg – und ringsum geht das Badevergnügen weiter.

Ein tragischer Todesfall im Strandbad Klagenfurt am Wörthersee bewegt auch Tage nach dem Ereignis noch viele Menschen. Der Vorfall trug sich am Pfingstmontag zu – bei hochsommerlichen Temperaturen und entsprechend starkem Besucherandrang. Badegäste entdeckten den Mann im Wasser und brachten ihn an Land.

Umgehend begannen Ersthelfer mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Wasserretter, anwesende Ärzte und Rettungskräfte kämpften gemeinsam um das Leben des 66-Jährigen – ohne Erfolg. Nachdem der Mann leblos aus dem Wörthersee geborgen worden war, lag sein Leichnam für rund zwei Stunden, abgeschirmt durch Sichtschutzwände und bewacht von Polizeibeamten, auf einem Badesteg – während der Badebetrieb in unmittelbarer Umgebung unvermindert weiterging.

Gesetzliche Abläufe

„Es war ein medizinischer Notfall“, erklärt Polizeisprecher Werner Pucher gegenüber der „Kleinen Zeitung“. Nach dem Tod des Mannes errichteten die Einsatzkräfte Sichtschutzwände rund um den Bereich auf dem Steg. Ein Polizeiarzt sowie Beamte blieben vor Ort.

Den Grund dafür, warum ein Toter nach einer Bergung häufig für längere Zeit am Einsatzort verbleiben muss, erläutert Pucher mit Verweis auf gesetzlich vorgeschriebene Abläufe. Bei Todesfällen im öffentlichen Raum müsse eine Kommission tätig werden. Kriminalisten, Juristen, Amtsarzt und Polizei seien eingebunden – zudem müssten Identität und persönliche Gegenstände gesichert, Angehörige verständigt und Fremdverschulden ausgeschlossen werden.

Erst nachdem die Staatsanwaltschaft informiert wurde und keine weiteren Ermittlungsmaßnahmen erforderlich waren, konnte der Leichnam freigegeben werden. Anschließend brachte ein Bestattungsunternehmen den Verstorbenen vom Strandbad weg. „Pietät zu wahren, liegt in so einem Fall immer an jedem Einzelnen“, betont Pucher.

Reaktionen der Zeugen

Genau dieser Umstand sorgt laut „Kleine Zeitung“ nun für Gesprächsstoff. Unter den Besuchern kam die Frage auf, weshalb der betroffene Bereich nicht abgesperrt oder geräumt worden sei. Die Einsatzkräfte verwiesen darauf, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahrenlage bestanden habe und auch sogenannte Gaffer nicht in Erscheinung getreten seien.

Eine Absperrung des Stegs sei in der Regel nur dann vorgesehen, wenn ein Rettungshubschrauber landen müsse. Ein Polizist verlagert die Verantwortung dabei auf die Badegäste selbst: „Bevor man uns fragt, warum der Badesteg nicht abgesperrt wurde, muss man aber fragen, warum die Leute im Umfeld des Leichnams liegen geblieben sind?“, heißt es in der Tageszeitung

Die Reaktionen auf das Geschehene sind vielschichtig. „Es war befremdlich, aber das muss jeder für sich entscheiden, ob er in dem Bereich bleiben will oder nicht“, meint ein Anwesender gegenüber der „Kleinen Zeitung“. Ein weiterer Beobachter sagt: „Vielleicht gehört der Tod einfach zum Leben dazu oder die Leute haben nicht richtig mitbekommen, was vorgefallen ist.“

Besonders bewegt zeigte sich eine Zeugin des Vorfalls. „Es waren Polizei und Rettung da und ein Sichtschutz, ich wusste, dort liegt ein toter Mensch und habe mir gedacht, da kann man doch nicht einfach so tun, als ob nichts wäre und liegen bleiben. Einige Leute sind aber einfach liegen geblieben, einige wenige haben sich umgelegt oder sind woanders hingegangen, so wie ich“, erklärt die Frau gegenüber der Tageszeitung. „Ich habe gesehen, wie schnell und mit wie viel Entschlossenheit die Wasserretter zu dem Mann gelaufen sind und wie sie später mit gesenktem Kopf zurückgekehrt sind. Das war sehr berührend“, wird die Zeugin in der „Kleinen Zeitung“ zitiert.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen