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LEGENDE

Marijan Matijevic: Die Geschichte eines Helden

(FOTO: Printscreen/ Yotube, gsom7)

Es waren die schier übermenschlichen Kräfte, die ihn zu einer Legende machten: Marijan Matijevic, der Mann aus Lika (Kroatien), dessen Namen die Bühnen der Welt kannten. Geboren 1878 im kleinen Ort Duboki Dol nahe Gracac, prägte Marijan mit seiner unglaublichen Stärke und Furchtlosigkeit die Annalen des Sports. Dies ist die Geschichte eines Helden, dessen Taten noch lange erzählt werden.

Der Weg zum Ruhm: Vom Arbeiter zum Weltstar

Als junger Mann verließ Marijan Matijevic sein Heimatdorf, um Arbeit zu finden. Er verrichtete harte körperliche Arbeit in Lika, war in den Minen tätig, bevor sich sein Leben grundlegend ändern sollte: Mit 21 Jahren gelangte er nach Deutschland, um dort Eisenbahntrassen zu reparieren. Ein Zeitungsinserat sollte seinen Weg bestimmen: Darin forderte der Zirkus-Champion Hugo Veber Unbesiegbare heraus, versprach 500 Goldmark (umgerechnet etwa 2500 Euro) für den, der ihn im Ring bezwingen könnte. Matijevic trat an, hob Veber über seinen Kopf und warf ihn zu Boden. Er hatte nichts zu verlieren und gewann alles: Ruhm, Ehre und einen neuen Job.

Die Erfolge: Ein Unbesiegbarer in Aktion

Sein physisches Erscheinungsbild täuschte: Matijevic war nicht der typische Athlet – mit gerade einmal 170 Zentimetern Körpergröße und einem Gewicht von unter 100 Kilogramm. Doch seine Taten sprachen eine andere Sprache. So besiegte er 1904 in Ankara den damaligen Boxweltmeister, den italienischen Riesen Primo Carnera, der mit zwei Metern und über 120 Kilogramm einen beeindruckenden Gegner darstellte. Mühelos hob Matijevic den Champion und schleuderte ihn über die Ringseile in die Zuschauermenge. Seine Stärke war legendär – er verbog Eisenstangen, zerknackte Pferdehufeisen mit bloßen Händen und hielt mit seinen Zähnen ein 50 Kilogramm schweres Fass, während er gleichzeitig ein weiteres hob.

Legenden und Wahrheiten: Das Geheimnis seiner Kraft

Über Matijevic kursierten viele Geschichten, unter anderem die, dass er in New York zwei Schiffe mit einem Seil zog und sogar ein startendes Flugzeug aufhielt. In Amerika offenbarte ein Röntgenbild nach einer Show in Chicago das Geheimnis seiner Kraft: Er besaß doppeltes Knochengerüst an Armen, Brustkorb und Hals. Seine Mahlzeiten waren ebenso legendär – vier Kilogramm Fleisch pro Sitzung waren keine Seltenheit.

Begegnungen der besonderen Art: Marijan und die Wissenschaft

In Amerika traf Matijevic auf den serbischen Wissenschaftler Nikola Tesla. Bei einem von Tesla organisierten Abendessen im Jahr 1927 unterhielt Matijevic die Gäste, indem er einen Topf mit den Händen brach. Ein Stück nahm der Wissenschaftler Mihajlo Pupin als Erinnerung mit. Bekannt war Matijevic auch für seine Großzügigkeit: Er unterstützte Freunde und finanzierte angeblich sogar die Forschungsarbeiten Teslas.

Die Verehrung: Im Kreis von Tito

Marijans Humanität brachte ihm die Achtung vieler ein, darunter auch des jugoslawischen Präsidenten Tito. Bekannt ist die Anekdote, dass Matijevic stets bewaffnet zu seinen Besuchen beim Präsidenten erschien – niemand wagte es, ihm den Zutritt zu verwehren. Seine Enkelin Irena bestätigte die Erzählungen um Marijans Besuche bei Tito und die Respektbezeugungen, die ihm entgegengebracht wurden.

Der Abschied eines Giganten

Bis zu seinem Lebensende blieb Matijevic aktiv – seine letzte Schau fand lediglich eine Woche vor seinem Tod statt. 1951 verstarb er im Alter von 74 Jahren in Zagreb an einer schweren Lungenentzündung. Sein Vermächtnis als einer der stärksten Männer der Welt wird fortbestehen, auch wenn Kroatien ihm bis heute kein posthumes Denkmal setzte. Marijan Matijevic – der „Herkules mit dem goldenen Herz“ – bleibt ein Unvergessener, ein wahrer Held aus Lika.