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Überwachungsskandal

Millionen Frauen heimlich gefilmt: Smart Glasses machen Tätern das Leben leicht

Millionen Frauen heimlich gefilmt: Smart Glasses machen Tätern das Leben leicht
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Unauffällig, tragbar, vernetzt – Metas Smart Glasses werden zum Werkzeug für Belästigung und Bloßstellung im großen Stil.

Metas mit Kameras und künstlicher Intelligenz ausgerüstete Smart Glasses geraten erneut in den Fokus massiver Datenschutzkritik. Eine aktuelle Untersuchung belegt, dass Männer die Brillen gezielt einsetzen, um Frauen und teils minderjährige Mädchen im öffentlichen Raum ohne ihr Wissen zu filmen, zu belästigen und anschließend auf Instagram vor einem Millionenpublikum bloßzustellen. Die Plattform „Oligarch Watch“ stieß dabei auf Hunderte entsprechende Videos, die auf Metas eigenen Diensten kursieren.

Zu sehen sind selbst ernannte Dating-Coaches und sogenannte Pickup-Artists, die fremde Frauen auf Straßen, in Einkaufszentren oder Cafés ansprechen. Die Betroffenen ahnen dabei häufig nicht, dass sie gefilmt werden, während die Männer sexuelle oder abwertende Kommentare abgeben, gezielt Körperteile ins Bild rücken oder Aussehen und Gewicht der Frauen verspotten.

Metas Versprechen

Besonders pikant ist dabei der Zeitpunkt: Meta hatte erst kürzlich angekündigt, entschiedener gegen solche Inhalte vorzugehen. Instagram-Chef Adam Mosseri stellte in Aussicht, Videos zu entfernen, in denen Personen heimlich aufgenommen, ausgenutzt oder belästigt werden. Einige große Accounts wurden in der Folge tatsächlich gesperrt.

Die Untersuchung macht jedoch deutlich, dass eine erhebliche Zahl vergleichbarer Profile nach wie vor aktiv ist. Offenbar trägt auch der Empfehlungsalgorithmus von Instagram zur Verbreitung der Aufnahmen bei: Einem eigens für den Test angelegten Konto wurden nach der Suche nach Begriffen rund um Meta-Brillen und Dating-Videos innerhalb kurzer Zeit mehrere einschlägige Clips vorgeschlagen.

Unter den dokumentierten Fällen befindet sich etwa ein Video, in dem ein Mann eine Frau beim Kaffeekauf gezielt von hinten filmte und sie danach wiederholt dazu drängte, ihm ihre Kontaktdaten zu geben. Andere Nutzer beleidigten Frauen wegen ihres Körpergewichts oder veröffentlichten Begegnungen mit Mädchen, die angaben, erst 16 oder 17 Jahre alt zu sein. Hinter einem Teil der Videos steckt offenbar auch ein handfestes Geschäftsmodell: Mehrere der beteiligten Accounts bewerben in ihren Aufnahmen Online-Casinos und Glücksspielplattformen.

Die Belästigung fremder Frauen dient damit nicht allein der Reichweitensteigerung, sondern wird durch Werbeeinnahmen und Sponsorings zusätzlich kommerziell verwertet.

Strukturelles Problem

Meta betont, die Brillen seien von Anfang an mit Sicherheits- und Datenschutzfunktionen ausgestattet worden. Eine kleine LED-Leuchte an der Vorderseite des Geräts soll signalisieren, wenn die Kamera in Betrieb ist. Im Internet kursieren jedoch zahlreiche Anleitungen und passendes Zubehör, mit dem die Anzeige verdeckt oder außer Kraft gesetzt werden kann.

Die Kontroverse verweist auf ein strukturelles Problem der Technologie: Anders als ein Smartphone, das zum Filmen sichtbar in der Hand gehalten werden muss, ist eine Kamerabrille von außen kaum von einer gewöhnlichen Sonnenbrille zu unterscheiden. Für Unbeteiligte ist es daher in der Regel nicht erkennbar, ob sie gerade aufgenommen werden.

In Europa drohen für solche Aufnahmen auch rechtliche Konsequenzen. Werden Personen gezielt gefilmt, in identifizierbarer Form veröffentlicht oder für kommerzielle Inhalte verwendet, können Persönlichkeits- und Datenschutzrechte verletzt worden sein. Dass Meta einzelne Accounts erst nach entsprechenden Medienberichten sperrt, reicht Kritikern deshalb nicht aus.

Sie verlangen wirksamere technische Schutzmaßnahmen sowie eine konsequentere und proaktivere Kontrolle der auf der Plattform verbreiteten Inhalte.

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KO KOSMO-Redaktion
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