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Notlösung

Mit 85 zurück in der Praxis: Pensionist springt wegen Ärztemangel ein

Mit 85 zurück in der Praxis: Pensionist springt wegen Ärztemangel ein
Symbolbild Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

Mit 85 Jahren kehrt ein Pensionierter in seine alte Praxis zurück – nicht aus Nostalgie, sondern aus einer schlichten Notwendigkeit.

Mit 85 Jahren tritt Michael Krötlinger erneut hinter den Arzttresen seiner alten Praxis in Traisen – weil sich schlicht kein anderer fand, der es tun wollte. Nachdem sein Nachfolger in den Ruhestand gegangen ist und die Suche nach einem neuen Kassenarzt erfolglos blieb, übernahm der Pensionist kurzerhand wieder die medizinische Versorgung der Gemeinde.

Krötlinger hatte die Praxis in Traisen selbst bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2006 geführt, ehe ein anderer Arzt die Stelle übernahm. Nun, da auch dieser in den Ruhestand getreten ist, steht der 85-Jährige wieder am Anfang – oder vielmehr: wieder mittendrin.

Strukturelles Problem

Der Fall Traisen im Bezirk Lilienfeld steht stellvertretend für eine Entwicklung, die das niederösterreichische Gesundheitswesen zunehmend unter Druck setzt. Derzeit sind in Niederösterreich 23 Allgemeinarztstellen und 39 Facharztstellen unbesetzt. Bundesweit ist die Dimension noch größer: Nach Angaben der Österreichischen Gesundheitskasse waren Ende Dezember 2023 österreichweit 333 Kassenplanstellen länger als ein Quartal offen und unbesetzt. Die Ärztekammer verweist in diesem Zusammenhang auf eine strukturelle Schwachstelle: Kassenärztliche Verträge enden automatisch mit dem 70. Geburtstag des Arztes – eine Regelung, die nach Ansicht der Standesvertretung dringend überdacht werden müsste.

Persönliche Motivation

Krötlinger selbst sieht seine Rückkehr weniger als Opfer denn als persönliche Bereicherung. Im Gespräch mit dem ORF erklärte er: „Ich bin doppelter Witwer und das fällt einem irgendwann auf den Kopf. Und dann freut man sich, wenn man wieder mit Menschen zu tun hat.“ Er wolle weitermachen, solange seine Gesundheit es zulasse – und hofft dabei auf einen baldigen Nachfolger, der die Praxis langfristig übernimmt.

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KO KOSMO-Redaktion
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