Ein britischer Kommentator sorgt mit einer kuriosen Aussage über Kroatiens ESC-Teilnehmer Marko Bošnjak für Aufsehen. Der junge Sänger kämpft derweil mit anderen Herausforderungen.
„Er ist die erste homosexuelle Person in Kroatien“, verkündete der britische Kommentator Scott Mills während des ersten Eurovision-Halbfinales über Marko Bošnjak. Eine Aussage, die in den sozialen Netzwerken umgehend für Spott und Häme sorgte. Besonders auf der Plattform X verbreitete sich Mills‘ unfreiwillig komischer Fauxpas wie ein Lauffeuer und avancierte binnen kürzester Zeit zum meistdiskutierten Thema.
Vermutlich wollte Mills zum Ausdruck bringen, dass Bosnjak zu den ersten öffentlich homosexuellen Prominenten Kroatiens zählt. Der 21-jährige Sänger spricht tatsächlich seit Beginn seiner Karriere offen über seine sexuelle Orientierung. „Ich bin stolz auf das, was ich bin“, erklärte Bosnjak in der Sendung RTL Direkt.
Mills‘ Kommentar zu Bošnjak ist übrigens nicht der einzige bemerkenswerte Moment des BBC-Kommentators während des Wettbewerbs. In der Übertragung sprach er auch über Migration als wiederkehrendes Thema beim diesjährigen ESC und verwies dabei auf Teilnehmer wie den niederländischen Vertreter Claude, der als Flüchtling aus dem Kongo stammt, sowie Portugals NAPA, der über das Verlassen seiner Heimat Madeira singt.
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Kampf gegen Engstirnigkeit
„Viele Menschen in Kroatien sind nach wie vor von Engstirnigkeit geprägt. Ich nehme es ihnen nicht übel und denke, sie sollten sich auf die christliche Nächstenliebe besinnen, die sie predigen, gegen die sie aber gleichzeitig ankämpfen. Diese Widersprüchlichkeit, diese ganze Hetze voller Paradoxa – das finde ich mittlerweile sogar unterhaltsam.„
„Mir ist bewusst, in welchem Umfeld wir leben. Es überrascht mich nicht, aber es stimmt mich traurig, dass ausgerechnet ich derjenige sein musste, der als Erster diese Last trägt“, führte der Sänger weiter aus.
Stolze Identität
„Ich wiederhole: Ich bin stolz auf meine Identität und möchte offen leben, ohne mich zu verstecken. Darauf lege ich Wert, denn es gibt keinen Grund für ein unaufrichtiges Leben. Man sollte authentisch und aus vollen Zügen leben.“
Bei einer Eurovision-Veranstaltung in London brach es schließlich aus Bosnjak heraus.
Unter Tränen gestand er, dass man ihn „in Kroatien seit seinem Coming-out nicht mehr unterstützt“.
Der enorme Druck, der auf ESC-Teilnehmern lastet, ist auch Mills bewusst. In einem aktuellen Interview betonte er: „Man hat nur eine Chance, drei Minuten, und es ist viel Druck. Es gibt keine Möglichkeit zu erklären, wie viel Druck es bedeutet, ein Eurovision-Teilnehmer zu sein, wenn man es nicht selbst erlebt hat.“ Für jemanden wie Bosnjak, der zusätzlich mit gesellschaftlichen Vorurteilen kämpft, dürfte diese Belastung noch um einiges größer sein.
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