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Trittbrettfahrer

Morgen Amoklauf“: Snapchat-Scherz bringt Teenager in U-Haft

Morgen Amoklauf“: Snapchat-Scherz bringt Teenager in U-Haft
Symbolbild FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Ein Snapchat-Bild mit einer Waffe und einer Amoklauf-Drohung brachte einen 16-Jährigen vor Gericht. Was als vermeintlicher Scherz begann, endete mit Polizeieinsatz und U-Haft.

Der 16-jährige Angeklagte betritt in Begleitung eines Justizwachebeamten den Saal im Wiener Landesgericht. Seine Familie – Mutter, Stiefvater, Stiefbruder und Schwester – verfolgt das Geschehen angespannt von der ersten Reihe aus. Der bislang unbescholtene Jugendliche muss sich wegen einer mutmaßlichen Drohung vom 12. Juni 2025 verantworten.

Der Vorfall ereignete sich nur 48 Stunden nach einem Amoklauf in Graz. Der Schüler hatte über Snapchat ein Bild an vier Klassenkameraden gesendet: Es zeigte eine Waffe, versehen mit der geschmacklosen Nachricht: „Morgen Amoklauf in unserer Schule.“

„Ich habe die Verhandlung sehr kurzfristig einberufen“, eröffnet der Richter die Sitzung. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Jugendliche bereits zwei Wochen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Wien hatte den Strafantrag mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit gestellt.

Polizeieinsatz folgte

Auf die Frage des Richters nach dem Hergang erklärt der Angeklagte: „Es war wirklich ein Fehler von mir.“ Er schildert, wie er an jenem Tag die Gaspistole aus dem Schrank genommen und damit hantiert habe. „Ich frage mich, was ich mir dabei gedacht habe.“ Seither quälen ihn Schuldgefühle und Sorgen um seine Mutter.

Die Reaktion der Plattform ließ nicht lange auf sich warten: „Nach einer halben Stunde wurde mein Snapchat-Account gesperrt. Und irgendwann am Abend kam die Wega (Wiener Eliteeinheit der Polizei) rein.“ Der Jugendliche räumt ein, vom Grazer Amoklauf gewusst zu haben, da dieser in der Schule thematisiert worden war.

Laut Bedrohungsanalyse handelte es sich um eine „nicht umsetzungsorientierte Ankündigung“. Der Beschuldigte wird als guter Schüler mit Freunden und angemessenem Verhalten beschrieben.

⇢ Nächster Schock nach Massaker: Neue Amokdrohung an Schule

Freispruch folgt

„War ihnen bewusst, dass das möglicherweise ihre Freunde verängstigen könnte?“, will der Staatsanwalt wissen. Der Jugendliche entgegnet: „Ich dachte mir, wir sind eh alle Freunde. Ich hab das als Spaß gesehen.“

Inzwischen bezeichnet er seine Handlung als „riesigen Blödsinn“ – eine Einschätzung, die sein Anwalt teilt. Da die Drohung nicht ernsthaft gemeint war und sich nur an Freunde richtete, sieht das Gericht den Tatbestand der gefährlichen Drohung als nicht erfüllt an. Beim Freispruch bricht die Mutter in Tränen aus.

Der Teenager zeigt tiefe Reue: „Die zwei Wochen im Gefängnis sind mir eine Lehre.“

Mehrere Trittbrettfahrer nach Grazer Amoklauf

Der Fall des 16-Jährigen steht nicht allein. Nach dem Amoklauf in Graz am 10. Juni 2025 verzeichneten die Behörden in mehreren österreichischen Bundesländern eine Häufung von Trittbrettfahrer-Drohungen. Jugendliche kündigten über soziale Medien oder per E-Mail ähnliche Taten an ihren Schulen an, was zu erheblichen Belastungen für Sicherheitsbehörden und Bildungseinrichtungen führte.

Die Polizei reagierte mit verstärkten Ermittlungen und IT-Forensik. In einem Fall musste eine Mittelschule in Niederösterreich evakuiert werden, nachdem eine anonyme Drohung eingegangen war. Die Exekutive warnte öffentlich vor den strafrechtlichen Konsequenzen solcher „Scherze“, die als schwere Straftaten verfolgt werden können.

Präventionsmaßnahmen an Schulen

Als Reaktion auf den Grazer Amoklauf und die folgenden Drohungen haben Schulbehörden und Polizei die Sicherheitsmaßnahmen deutlich ausgeweitet. Neben verstärkter Polizeipräsenz an Schulen wurden Kriseninterventionsteams aktiviert und sowohl Lehrkräfte als auch Schüler über das richtige Verhalten bei Bedrohungslagen informiert.

Die Bildungsdirektion Niederösterreich etwa reagierte unmittelbar auf Drohungen mit Alarmierung der Polizei und Evakuierung betroffener Schulen. Auch die Meldewege für verdächtige Online-Postings wurden geschärft, um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen.

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KO KOSMO-Redaktion
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