Nach der Blockade ihres Gaza-Segelschiffs durch israelische Behörden befinden sich die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und drei weitere Personen auf dem Rückweg in ihre Heimatländer. Dies teilte das israelische Außenministerium mit.
Die übrigen acht Besatzungsmitglieder der „Madleen“, darunter die französische EU-Abgeordnete palästinensischer Abstammung Rima Hassan, verweigerten die Unterzeichnung ihrer Abschiebungsdokumente und werden nun einer Justizbehörde vorgeführt. Hassan steht wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber Israels Palästinenserpolitik bereits auf einer Einreiseverbotsliste.
Die Freedom Flotilla Coalition, Organisatorin der Aktion, hatte zuvor bekannt gegeben, dass alle zwölf Aktivistinnen und Aktivisten in israelischen Gewahrsam überführt worden seien. Laut der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ kritisierten die Aktivisten unter anderem, dass die israelischen Einsatzkräfte nach dem Betreten der Jacht stundenlang nicht mit der Besatzung kommuniziert hätten.
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Das israelische Außenministerium bezeichnete das Schiff in einer Mitteilung als „‚Selfie-Jacht‘ der ‚Promis'“ und erklärte, dass es nach dem Stopp durch die israelische Marine nun in einem israelischen Hafen vor Anker liege. „Die winzige Menge an Hilfsgütern auf der Jacht, die nicht von den ‚Promis‘ aufgebraucht wurde, wird nun über echte Hilfskanäle in den Gazastreifen gebracht“, hieß es vonseiten des Außenministeriums wörtlich weiter. In einem vom Ministerium veröffentlichten Videomaterial sind die Aktivisten mit orangefarbenen Rettungswesten zu sehen.
Hintergrund der Aktion
Das Segelschiff war etwa eine Woche zuvor von Sizilien aus in Richtung Gazastreifen aufgebrochen. Thunberg und ihre Mitstreiter beabsichtigten, mit der medienwirksamen Aktion Hilfsgüter durch die israelische Seeblockade zu transportieren und auf die humanitäre Notlage der Zivilbevölkerung in Gaza aufmerksam zu machen. Die schwedische Aktivistin hatte sich bereits in der Vergangenheit mehrfach an propalästinensischen Demonstrationen beteiligt.
Israel unterhält unabhängig vom aktuellen Kriegsgeschehen eine strikte Seeblockade des Gazastreifens. Diese Sicherheitsmaßnahme wurde 2007 nach der Machtübernahme der Hamas eingeführt und wird offiziell auch von Ägypten mitgetragen, das im Süden an das Palästinensergebiet grenzt. Die Blockade dient nach israelischer Darstellung der Verhinderung von Waffenlieferungen an die Hamas.
Weitere Solidaritätsaktionen
Parallel zu diesen Ereignissen startete in Tunis ein weiterer Solidaritätskonvoi mit rund 1.700 Aktivistinnen und Aktivisten, darunter etwa 200 aus Algerien, wie die tunesische Staatsagentur TAP berichtete. Die Teilnehmer wollen zum ägyptischen Grenzübergang Rafah fahren, der in den Gazastreifen führt, um dort auf die humanitäre Krise aufmerksam zu machen.
Der Konvoi richtet sich nach eigenen Angaben auch gegen das israelische Vorgehen im Gaza-Krieg. „Die Zeit der Solidarität am Bildschirm ist um. Wir bewegen uns jetzt mit friedlichen Konvois, die die Stimmen der Menschen weltweit tragen“, erklärte Yahya Sarri, Koordinator der Aktion für Algerien, gegenüber der dpa. Sprecher Wael Nawar rief „alle freien Menschen weltweit“ dazu auf, sich für die Rechte der Palästinenser einzusetzen.
Die Route des Konvois führt durch mehrere tunesische Städte und anschließend über Libyen entlang der Mittelmeerküste nach Ägypten bis zum Grenzübergang Rafah. Dieser liegt mehr als 3.000 Kilometer von Tunis entfernt und ist der einzige nicht von Israel kontrollierte Grenzübergang des Gazastreifens. Derzeit ist der Übergang geschlossen.
Die Aktion findet zeitgleich zu einer weiteren geplanten Protestaktion statt: Internationale Aktivisten wollen sich diese Woche in Ägypten versammeln, nach einem Treffen in Kairo am Freitag vom Küstenort al-Arisch aus etwa 50 Kilometer zu Fuß zum Grenzübergang Rafah marschieren und dort ab Sonntag mehrere Tage demonstrieren. Ob die ägyptischen Behörden diese Aktion genehmigen werden, bleibt unklar.
Der Gaza-Krieg wurde durch den Großangriff der Hamas und verbündeter Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst, bei dem nach israelischen Angaben rund 1.200 Menschen getötet wurden. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Nach Angaben der Hamas-Gesundheitsbehörde wurden in Gaza mehr als 54.700 Menschen getötet, wobei keine Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten vorgenommen wird. Israel bestreitet die von der Hamas angegebene Höhe der zivilen Opfer.