Neapolitaner-Waffeln – schädlicher als Zigaretten?

TRANSFETTE

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Neapolitaner-Waffeln – schädlicher als Zigaretten?

Zigaretten
FOTO: iStockphoto

TRANSFETTE. Neapolitaner, Kekse, Croissants, Waffeln, Kuchen, Pita, Salzstangen, Krapfen, Chips, Popcorn, Bratkartoffeln, Margarine. Sie alle sind eine mögliche Quelle von Transfetten, die unseren Cholesterinspiegel in die Höhe katapultieren.

Heute gibt es auf der ganzen Welt keine einzige Studie, die zeigen würde, dass industrielle Transfette für die menschliche Gesundheit förderlich sind. Es gibt lediglich solche, die ihre Schädlichkeit beweisen. Zum Vergleich: Gesättigte Fettsäuren, z.B. diejenigen im Schweinefett, erhöhen das schlechte Cholesterin (LDL) im Blut ebenso wie auch das gute Cholesterin (HDL), aber in erheblich geringerem Maße. Ungesättigte Fettsäuren, Nussfrüchte oder Samen, vermindern sowohl das schlechte als auch das gute Cholesterin. Und Transfette? Die erhöhen das schlechte Cholesterin sehr stark und vermindern das gute. Die denkbar schlechteste Kombination! Experten betonen, dass Transfette erheblich zur Verbreitung von Herzkreislauferkrankungen beitragen. Nicht nur, dass sie die Venen verengen, die Immunabwehr senken und Fettleibigkeit fördern, sondern sie werden auch zu den Karzinogenen gerechnet. Nach den Daten des österreichischen Gesundheitsministeriums sind Herzkreislauferkrankungen die häufigste Todesursache im Land, denn sie sind für 40 Prozent aller Todesfälle verantwortlich.

Schlüsselwort Hydrogenisierung

Einfach gesagt ist das der Prozess, bei dem die industriellen Transfette entstehen. Resultat dieses Prozesses sind langlebige Fette, die länger haltbar sind, schwerer schmelzen und darum besser für die Herstellung von Süßspeisen und Keksen geeignet sind. Die in Lebensmitteln enthaltene Menge hat sich im vergangenen Jahrhundert erheblich erhöht, seitdem die Lebensmittelindustrie begonnen hat, harte tierische Fette durch hydrogenierte Pflanzenfette zu ersetzen. Wenn diese jedoch gesundheitsschädlich sind, warum werden sie dann überhaupt in Lebensmitteln verwendet? Die Antwort liegt nach Meinung der Experten natürlich beim Preis. Die Produzenten von Fetten und Transfetten verraten offiziell weder die Preise der einen noch der anderen Sorte, aber inoffiziell ist Margarine mit einem hohen Gehalt an Transfetten von einem Hersteller mit Sitz in Osteuropa um ein Drittel billiger als jede andere mit wenig oder ganz ohne Transfette. Und der Nutzen ist natürlich mehrfach. Wenn der Rohstoff billiger ist, ist auch das Endprodukt billiger. Für weniger finanzkräftige Konsumenten ist das natürlich sehr wichtig.

Prof. Stender
Prof. Stender: „Transfette sind für die Produzenten interessant, weil sie billiger, haltbarer und schwerer schmelzend sind.“ (FOTO: Facebook Screenshot)

Wie kann sich der Konsument informieren? Schwer!

Auf den Etiketten gibt es keine Kennzeichnung. Experten warnen: Es handelt sich um verborgene Fette! Sie verbergen sich hinter der Deklaration hydrogenierter oder teilweise hydrogenierter Fette. Der dänische Professor Dr. Steen Stender, einer der wichtigsten Experten für Transfette, sagt es deutlich: „Fünf Gramm konsumierte Transfette täglich haben den gleichen Einfluss auf kardiovaskuläre Erkrankungen, als hätten Sie 10 Zigaretten geraucht.“ Und wie ist es in der Praxis? In den Regalen der Geschäfte sind Produkte mit Transfetten keine Seltenheit. Bestandsanalysen wurden in den vergangenen zehn Jahren in fast allen europäischen Ländern durchgeführt. In dieser Zeit wurden die schlechtesten Resultate in den Staaten des ehemaligen Jugoslawien und einigen osteuropäischen Ländern verzeichnet. Im Jahre 2012 hatten in Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Nordmazedonien und Montenegro ca. 10, 20 Produkte hohe Transfettwerte. Zwei Jahre später, als Stender erneut nachforschte, gab es sogar noch mehr derartige Erzeugnisse. Allein in Belgrad wurden 82 gefunden, in Zagreb 53 und auch in Ljubljana war die Situation ähnlich. „Die Lebensmittelfirmen aus dem ehemaligen Jugoslawien verwendeten in der Produktion überwiegend die billigeren Transfette. Die Menschen haben diese Produkte über einen langen Zeitraum gegessen und da sind natürlich Schäden entstanden“, kritisiert Professor Stender heute.

Die Lebensmittelfirmen aus dem ehemaligen Jugoslawien verwendeten in der Produktion die billigeren Transfette.

Unsere Lieblingsprodukte

Die für den Menschen zulässige Grenze, die erstmals in Dänemark festgesetzt wurde, beträgt 2 Gramm Transfette (TF) pro 100 Gramm aller Fette in einem Produkt. Nach Stenders Analyse von 2014 enthielten die Neapolitaner Karat der Firma Koestlin 14,2 g TF auf 100 g Fett. Vier Gramm mehr, genauer gesagt 17,9 g TF fand Stender in den Fruity-Neapolitanern von Podravka. Fünfzehnmal mehr TF als den Grenzwert, den Dänemark festgesetzt hat, enthielten die Munchmallow-Kekse von Jaffa Crvenka. Diese Ergebnisse schockierten Stender: „Ein Keks mit Schaumfüllung von diesem serbischen Hersteller war für das Herzkreislaufsystem genauso gefährlich wie eine Zigarette.“ Aber der Rekordhalter war in diesem Jahr Frondi, ein Waffelprodukt von Mira aus Prijedor, ein Tochterunternehmen des kroatischen Kraš. Bei einer Laboranalyse fand Stender in dieser Süßspeise 40 g TF auf 100 g aller Fette.

Ähnlich, aber weniger umfangreich, begann vor fünf Jahren auch die Österreichische Gesellschaft für Verbraucherschutz Produkte zu analysieren. Von „Ethno-Regal“ wurden in einer Zufallsprobe neun Produkte entnommen und bei dreien wurde ein zu hoher Anteil an Transfetten festgestellt: in den Waffeln Artek des moldawischen Herstellers Dovgan und in den Išler-Keksen und dem Eurocrem-Aufstrich des Herstellers Swisslion-Takovo. „Wenn wir für zwei Scheiben Brot 115 Gramm Eurocrem verwenden würden, würden wir die zulässige Tagesmenge an Transfetten um ganze 65 % überschreiten“, betonten die österreichischen Verbraucherschutzexperten damals.

Die Situation heute?
Besser, aber nicht überall!

Eine neue Studie, die Professor Stender im vergangenen Jahr durchführte, zeigte, dass sich die Situation inzwischen gebessert hat. Im Vergleich zu 2014 verwendeten dieselben Hersteller zwischen 40 und 80 Prozent weniger Transfette. Aber dennoch stehen noch immer Produkte in den Regalen, die mehr Transfette enthalten, als die Gesundheitsexperten erlauben: In Belgrad waren es 38, in Ljubljana 24 und in Zagreb 10. Und was sagen die Firmen dazu? Bei Kraš erklärt man, dass die ehemals kritischen Produkte Frondi und Fruity-Neapolitaner von Transfetten befreit wurden. Dasselbe hat auch Koestlin mit den Karat-Neapolitanern getan und Swisslion-Takovo mit der Eurocrem und der Schokolade Eurocrem Blok. Fast all diese Produkte stehen natürlich auch in den Geschäften in Österreich zum Verkauf, so auch Munchmallow von Jaffa Crvenka und Štrudle, ein haltbarer Kuchen mit Fruchtfüllung von Medela. Den Etiketten zufolge enthalten beide noch immer teilweise hydrogenierte Fette. Wie viel Prozent diese Transfette ausmachen, hat man uns in beiden Firmen nicht beantwortet.

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In einigen Ländern wie Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien empfehlen die Gesundheitsministerien den Herstellern, die Menge der Transfette ausdrücklich auf den Produkten anzugeben.

Den Herstellern von Transfetten drohen Haftstrafen

Wenn die Transfette so schädlich sind, warum sind sie dann noch immer erlaubt? Die Antwort darauf könnte ebenso im Lobbying der Lebensmittelindustrie zu finden sein wie in der Unkenntnis der Verbraucher. In Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Nordmazedonien schützt die nationale Gesetzgebung zum Beispiel nicht vor Transfetten. Vor einem Monat wurde in Slowenien eine gesetzliche Obergrenze für Transfette eingeführt. Aber diese ist in Dänemark bereits seit 15 Jahren in Kraft und Österreich erließ entsprechende Vorschriften vor zehn Jahren. In Wien wartete man nicht auf europäische Richtlinien, sondern der Gesetzentwurf kam vom Gesundheitsministerium und das Gesetz wurde innerhalb eines halben Jahres verabschiedet. Die Industrie leistete keine Lobbyarbeit dagegen. Bei dem größten österreichischen Hersteller von Keksen und Waffeln, dem Wiener Unternehmen Manner, sucht man Transfette vergeblich. Billigere Produktpreise durch Transfette hatten für Manner niemals Priorität.

STRAFEN. In Dänemark droht Herstellern kritischer Artikel eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren.

„Es gibt viele andere Alternativen. Natürlich sind pflanzliche Fette, die keine Transfette enthalten, teurer, aber wir haben uns entschieden, die Verbraucher zu schützen“, betont Alexandra Styrsky von der Firma Manner. Das österreichische Gesundheitsministerium hat in den letzten fünf Jahren 3027 Produkte untersucht und in fünfen erhöhte Transfett-Werte gefunden. Von den Zulieferern forderte es die Zurücknahme dieser Produkte. Um welche Produkte es sich handelte, will das Ministerium nicht verraten. Und Strafen? In Dänemark droht zum Beispiel den Vertreibern und Produzenten solch kritischer Artikel eine Haftstrafe von zwei, in Österreich von einem Jahr.

Lange Übergangsfristen

Die Europäische Kommission (EK) hat bereits 2015 in einem Sonderbericht festgestellt, dass Transfette eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. Aber die europäische Vorschrift, nach der der Verkauf von Lebensmitteln mit mehr als 2 g TF pro 100 g aller Fette verboten ist, wurde erst Ende des vergangenen Jahres erlassen. Warum die EK und das Parlament eine Beschränkung bis jetzt hinausgezögert haben, verwundert fast das gesamte Gesundheitswesen. Die Verblüffung ist noch größer, da die Hersteller und Vertreiber ihre Produkte mit einem erhöhten Anteil an Transfetten dort, wo das durch die nationale Gesetzgebung noch nicht verboten ist, noch in den kommenden beiden Jahren verkaufen dürfen. Das Verbot der Transfette tritt in der Europäischen Union erst am 1.4.2021 in Kraft.

Produkte, die Prof. Dr. Steen Stender analysiert hat
Nach Stenders Analyse von 2014 enthielten viele bekannte Produkte enorme Mengen an Transfetten, die bis heute um 40 bis 80 Prozent vermindert wurden.

  2014 2018
Karat, Koestlin 4,2 g TF Ohne TF
Napolitanke, Kraš 17,9 g TF Ohne TF
Munchmallow, Jaffa 30,4 g TF ?
Nougat Frondi, Mira 35 – 40 g TF Ohne TF

Autor: Borut Janc

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