Transparenz oder Überraschungseffekt? Zwei oberösterreichische Städte verfolgen bei Radarkontrollen völlig gegensätzliche Strategien – mit erstaunlichen Resultaten.
Die Bezirkshauptstadt Ried im Innkreis geht bei der Geschwindigkeitsüberwachung einen ungewöhnlich transparenten Weg. Ab Mittwoch werden die drei mobilen Messfahrzeuge – darunter ein weißer Fiat Doblo und ein silberner VW Golf – an neuen Standorten positioniert. Auf der städtischen Website informiert die Gemeinde ihre Bürger vorab: „Die Standorte der mobilen Messeinheiten sind ab Anfang Jänner 2025 Kasernstraße, Gartenstraße und Kränzlstraße.“
Mit dieser offenen Kommunikationsstrategie bleibt die 13.000-Einwohner-Stadt ihrer bisherigen Linie treu. Anders als viele Kommunen veröffentlicht Ried im Innkreis monatlich die genauen Messpunkte. Stadtpolizei-Leiter Thomas Zeilinger begründete diese Praxis gegenüber „Heute“: „Ried will sich nicht verstecken, um nicht dem Vorwurf der Abzocke ausgesetzt zu sein.“ Derzeit verfügt die Stadt über zwei mobile Radar- bzw. Lasergeräte, die im Fahrzeugheck installiert sind und durch die Heckscheibe messen.
Diese transparente Strategie ist durchaus erfolgreich: Im Vorjahr erzielte Ried durch Strafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen und andere Verkehrsübertretungen Einnahmen von rund 1,2 Millionen Euro. In den Jahren zuvor waren es sogar bis zu 1,8 Millionen Euro. Die Bußgelder werden künftig nicht mehr fix im Budget eingeplant, sondern zusätzlich für den Straßenbau verwendet.
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Trauns geheime Blitzer
Einen konträren Ansatz verfolgt hingegen Traun. Dort bleibt der Standort des weißen VW Caddy, der für die Geschwindigkeitsmessungen eingesetzt wird, geheim. Bürgermeister Karl-Heinz Koll (ÖVP) erläuterte: „Die Standorte werden aufgrund der Erfahrungen der Polizei und auf Basis von Anrainerbeschwerden ausgewählt.“
Das seit Herbst 2023 im Einsatz befindliche Messgerät wechselt regelmäßig seinen Standort und blitzt unbemerkt. Die ersten Ergebnisse dieser Strategie bezeichnete Koll als „katastrophal“: Innerhalb von nur vier Wochen wurden fast 8.000 Temposünder erfasst. Der Bürgermeister zeigte sich damals im Gespräch mit „Heute“ besonders alarmiert: „Es kommt zu zahlreichen und vor allem drastischen Überschreitungen, teilweise sogar um das Dreifache der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, und das mitten in unserem Ortsgebiet.“
Gegensätzliche Philosophien
Die unterschiedlichen Strategien der beiden oberösterreichischen Städte spiegeln zwei grundsätzliche Philosophien in der Verkehrsüberwachung wider. Während Ried im Innkreis durch Offenlegung der Messstellen das Vertrauen der Bevölkerung stärken und Abzocke-Vorwürfe vermeiden möchte, setzt Traun auf den Überraschungseffekt, um Verkehrssünder zu ertappen und die Sicherheit zu erhöhen.
Beide Konzepte verfolgen dasselbe Ziel – die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen – wählen jedoch diametral entgegengesetzte Wege dorthin.