Grün für gesund, rot für bedenklich – der Nutri-Score erobert europäische Supermarktregale. In Österreich bleibt die Lebensmittelampel umstritten, trotz überraschender Vorteile.
Der Nutri-Score hat sich in Ländern wie Deutschland und Italien bereits als fester Bestandteil auf zahlreichen Lebensmittelverpackungen etabliert. Diese Kennzeichnung, die von A (grün) bis E (rot) reicht, bietet Verbrauchern eine vereinfachte Übersicht zur Nährwertqualität der Produkte, insbesondere hinsichtlich des Zucker- und Fettgehalts. In Österreich haben einzelne Handelsketten wie Lidl bereits die Initiative ergriffen und diese Kennzeichnung auf ihren Eigenmarken implementiert. Dies geschieht nicht ohne Grund: Das aktuelle Regierungsprogramm sieht zwar die Einführung des Nutri-Scores vor, allerdings auf freiwilliger Basis.
Wissenschaftliche Belege
Vertreter aus dem Gesundheitssektor sowie Konsumentenschutzorganisationen plädieren hingegen für eine verpflichtende Einführung dieser Kennzeichnung. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen laut den Befürwortern, dass der Nutri-Score Konsumenten zu gesundheitsbewussteren Kaufentscheidungen verhilft. Eine kürzlich von „Footwatch“ durchgeführte Einkaufskorb-Analyse untermauert diese Position: Waren mit besseren Nutri-Score-Bewertungen enthielten deutlich weniger Kalorien, Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren, dafür aber mehr Proteine.
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Bemerkenswert war zudem, dass der Warenkorb mit den besser bewerteten Produkten preislich sogar günstiger ausfiel als jener mit schlechteren Bewertungen. Der Vorteil für Verbraucher liegt auf der Hand: Mit einem Blick könnten sie fundierte Entscheidungen treffen, ohne zeitaufwendig die Kleinschrift auf den Produktrückseiten studieren zu müssen.
Es gibt jedoch auch kritische Stimmen: Die Handelskette Spar betrachtet die Ampelkennzeichnung als zu starke Vereinfachung komplexer Nährwertinformationen, wie Ö1 berichtet.
Aktualisierter Algorithmus und konkrete Umsetzung
Seit Ende 2023 wird der Nutri-Score nach einem überarbeiteten Algorithmus berechnet, der kritische Inhaltsstoffe wie Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren strenger bewertet und gesundheitsfördernde Komponenten wie Ballaststoffe sowie pflanzliche Inhaltsstoffe stärker gewichtet. Diese Anpassung spiegelt aktuelle ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse wider und ermöglicht eine präzisere Bewertung der Nährwertqualität, was insbesondere beim Vergleich ähnlicher Produkte innerhalb einer Kategorie für Konsumenten von Vorteil ist.
In Österreich geht Lidl nun konkrete Schritte: Der Lebensmittelhändler bereitet die umfassende Einführung des Nutri-Scores auf seinen Eigenmarkenprodukten vor und startet mit dauerhaft gelisteten Produkten wie „Alpengut“, „Wiesentaler“ und der Bio-Eigenmarke „Ein gutes Stück Heimat“. Lidl sieht im Nutri-Score das derzeit am besten entwickelte Modell zur Nährwertkennzeichnung und betont die Dringlichkeit einer raschen Umsetzung, um Verbrauchern eine einfache und verständliche Orientierung beim Einkauf zu bieten.