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WISSENSCHAFTLICHES MODELL

Omikron: Warum kann es trotz mildem Verlauf tausende Tote geben?

(FOTOS: iStockphotos)

Laut ersten Daten aus Südafrika scheint die Omikron-Variante zu milderen Covid-Verläufen zu führen als Delta. Dennoch ist sie gefährlich und könnte zigtausende Tote fordern. Wir erklären euch warum.

Die Omikron-Variante verbreitet sich derzeit in rasantem Tempo auf der ganzen Welt. Die Fälle nehmen nicht nur im Ursprungsland Südafrika enorm zu, sondern auch in Großbritannien und Dänemark. Zwar deuten erste Daten aus Südafrika darauf hin, dass Omikron im Vergleich zu Delta mildere Verläufe auslöst, doch das ist keineswegs ein Grund zur Erleichterung. Eine Erklärgrafik zeigt nämlich, wieso Corona-Varianten, die viel ansteckender sind, deutlich mehr Menschen töten als tödlichere Varianten, die sich nicht so schnell ausbreiten.

Die kanadische Biologin Malgorzata Gasperowicz erstellte eine Modellrechnung, die vier verschieden Ansteckungsszenarien anhand von vier verschiedenen „Modell-Varianten“ zeigt. Gasperowicz wollte damit der Rate der Todesfälle anhand der unterschiedlichen Varianten zeigen. Diese Grafik wurde bereits von mehreren renommierten Medizinern und Epidemiologen auf Twitter geteilt.

Die Grafik zeigt beispielhaft folgende Varianten: Die „Grund-Variante“ wird mit der grauen Linie dargestellt. Sie hat einen R-Wert von 1,1 (d.h. eine Person steckt in der Regel etwas mehr als eine weitere Person an) und eine Infektionssterblichkeit von 0,8 Prozent. Die rote Linie stellt eine „schnelle und normale“ Variante dar. Diese ist doppelt so ansteckend wie die Grund-Variante. Die „schnelle und milde“ Variante wird durch die grüne Linie gezeigt. Sie ist ebenfalls doppelt so infektiös wie die Grund-Variante, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, an der Erkrankung zu sterben, nur um ein Zehntel geringer. Zum Schluss noch die blaue Linie: Sie stellt eine „langsame und schwerwiegenden“ Variante dar. Bei dieser ist die Sterbewahrscheinlichkeit doppelt so hoch, wie bei der Grund-Variante.

Modell zeigt: Selbst bei milder Variante kann es viele Todesfälle geben
Anhand der Grafik ist deutlich zu sehen, dass die Todesfälle sowohl bei der roten, als auch bei der grünen Variante mit der Zeit stark ansteigen. Zwar dauert es bei der grünen, der „schnellen und milden“ Variante etwas länger, bis der dramatische Punkt erreicht ist, jedoch gibt es auch bei dieser nach 40 Tagen über 4.000 Tote (bei rot ist dies bereits nach 20 Tagen der Fall).

Allerdings zeigt die Grafik auch deutlich, dass die „schnelle und milde“ Variante wesentlich mehr Tote fordert, als die „langsame und schwerwiegende“ Variante, hier sind es nach 40 Tagen unter 500 Tote. Der Grund: Die blaue Variante, welche zwar eher schwere Verläufe verursacht, tötet aber eher linear. Die Varianten mit hoher Ansteckung tötet hingegen exponentiell.

Hinweis: Es handelt sich hier lediglich um eine Modellrechnung, die Varianten gelten nur als Beispiele und beziehen sich nicht direkt auf Omikron. Die Werte beziehen sich auf ein Zeitintervall von jeweils fünf Tagen.

Dennoch lässt sich auch für Omikron anhand dieser Modellrechnung etwas ableiten, und zwar: Die Infektiosität der Virus-Variante macht sie so gefährlich! Denn die Omikron-Variante ist ersten Daten zufolge ebenfalls deutlich infektiöser als die Ursprungsvariante und zudem circa um das Dreifache infektiöser als Delta. Damit wäre Omikron also sogar noch infektiöser, als die im Modell beispielhaft dargestellte grüne Variante.

Das verdeutlicht, dass Omikron in den kommenden Monaten durchaus gefährlich werden könnte. Denn selbst dann, wenn die Variante sich tatsächlich als milder herausstellt, wird sie weiterhin viele Menschen infizieren und somit auch Todesfälle verursachen.

Quellen und Links:

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