37 Jahre Priesterdienst, eine geheime Liebe – und dann ein offener Brief, der alles verändert.
Ein 63-jähriger katholischer Priester aus Hessen hat nach 37 Dienstjahren seine Pfarrei niedergelegt, um eine langjährige Beziehung öffentlich zu machen und zu heiraten. Andreas Unfried, der in Oberursel im Taunus und Steinbach am Taunus tätig war, wandte sich in einem offenen Brief an seine Gemeinde. „Der Grund ist, dass ich heiraten werde“, schrieb er darin.
In dem Schreiben widmet Unfried seiner Partnerin besondere Worte. Ohne ihre Unterstützung, so der Geistliche, hätte er die vergangenen 37 Jahre im kirchlichen Dienst kaum bewältigt. Während sie sich bereits im Ruhestand befindet, rückte auch für ihn das Ende des Berufslebens näher – ein Umstand, der ihn zur Neuordnung seiner Prioritäten bewogen habe.
„Sie hat lange auf mich gewartet“, schreibt Unfried über seine Partnerin. Für ihn sei nun der Moment gekommen, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
Zölibat & Konsequenzen
Die Unvereinbarkeit seiner Entscheidung mit dem Zölibat war Unfried dabei durchaus bewusst. Er habe versucht, die entsprechenden Vorgaben zu respektieren, erklärt er – kommt jedoch zu dem persönlichen Schluss, dass ihm die Gabe für ein zölibatäres Leben letztlich gefehlt habe. Am Sonntag erklärte er in der Pfarrei St. Ursula öffentlich seinen Verzicht auf das Priesteramt.
Die kirchenrechtliche Konsequenz folgte unmittelbar: Unfried wurde vom priesterlichen Dienst suspendiert. Nach Angaben des Bistums hatte Bätzing zuvor keine Kenntnis von der langjährigen Beziehung gehabt.
Für die Gläubigen kam die Ankündigung ohne Vorwarnung. Eigentlich hätte Unfried an jenem Sonntag einen Gottesdienst in der Liebfrauenkirche in Oberursel im Taunus leiten sollen. Stattdessen informierte Diakon Mathias Wolf die Anwesenden darüber, dass der Pfarrer auf seine Pfarrei verzichtet habe.
Abschied & Neuanfang
Unfried selbst hält sich vorerst aus der Öffentlichkeit heraus. In seinem Abschiedsbrief bittet er darum, in dieser Zeit weder per E-Mail noch telefonisch kontaktiert zu werden. Ein persönlicher Abschied von der Gemeinde soll jedoch zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich sein.
Trotz des aufsehenerregenden Endes seiner Laufbahn enthält sich Unfried jeder Abrechnung mit der Institution Kirche. Im Gegenteil: Er betont, wie prägend die Kirche für seinen Lebensweg gewesen sei.
Den Kern seiner Entscheidung fasst der ehemalige Pfarrer in einem bemerkenswerten Satz zusammen: Die Liebe rufe ihn nun zu der Frau, mit der er bereits lange sein Leben teile.