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Wirtschaftskrise

Pleite-Tsunami: Um dieses Bundesland steht es ganz schlecht

Pleite-Tsunami: Um dieses Bundesland steht es ganz schlecht
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Salzburgs Wirtschaft im Krisenmodus: 421 Unternehmen meldeten 2025 Insolvenz an. Die Zahl der betroffenen Gläubiger stieg um 50 Prozent, während bei vielen Firmen nicht einmal Geld für ein Verfahren blieb.

Salzburg steht im Jahr 2025 an der Spitze der österreichischen Insolvenzstatistik. Insgesamt mussten 421 Unternehmen im Bundesland ihre Zahlungsunfähigkeit erklären, wie aus den aktuellen Daten des Kreditschutzverbandes KSV1870 hervorgeht. Die Aussichten für das kommende Jahr bleiben angespannt. Für 2026 rechnen die Experten mit einem ähnlich hohen Insolvenzaufkommen, sofern keine Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eintritt. Wirtschaftsfachleute betonen die Notwendigkeit gezielter Impulse – insbesondere durch Förderungen in den Bereichen Digitalisierung, Energieeffizienz und Personalentwicklung.

Die Salzburger Wirtschaft durchlebte ein außergewöhnlich schwieriges Jahr. Mit 236 eröffneten Insolvenzverfahren verzeichnete das Bundesland einen Anstieg um 12,9 Prozent. Besonders beunruhigend entwickelte sich die Zahl der betroffenen Gläubiger, die um 50 Prozent auf 4.800 anwuchs. Einen dramatischen Zuwachs gab es bei nicht eröffneten Verfahren: Bei 185 Unternehmen – ein Plus von 38 Prozent – fehlten die erforderlichen 4.000 Euro für die Verfahrenskosten.

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Die KSV1870-Regionalleiterin Petra Wögerbauer warnt: „Gläubiger und Steuerzahler tragen die Kosten. Oftmals auch die Schuldner selbst, die ohne ordnungsgemäße Abwicklung weitere Schulden anhäufen.“ Rechtswidriges Verhalten bleibt oft verborgen, da kein Insolvenzverwalter eingesetzt ist.

Wirtschaftliche Ursachen

Die regionale Wirtschaft leidet unter mehreren Faktoren gleichzeitig: einem hohen Kostenniveau, der anhaltenden Rezession und einer schwachen Binnennachfrage. Anders als etwa Oberösterreich weist Salzburg eine geringere Exportabhängigkeit auf. Lichtblicke bieten weiterhin die Tourismus- und Kulturbranche. Trotz der steigenden Fallzahlen sanken die vorläufigen Verbindlichkeiten der insolventen Firmen um 47,3 Prozent auf etwa 201 Millionen Euro.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer zeigt sich bei den Großinsolvenzen: Während 2024 noch neun Unternehmen mit Passiva über 10 Millionen Euro in die Pleite schlitterten, waren es im laufenden Jahr nur zwei. Zu diesen beiden Großinsolvenzen zählen die BoutiqueHomes GmbH des ehemaligen Red-Bull-Managers Norbert Kraihammer aus Mattsee sowie die WEISS GmbH aus Flachau.

„Über den Holzhändler WEISS GmbH war bereits 2024 ein Verfahren anhängig. Die Sanierung scheiterte und es musste neuerlich Insolvenz angemeldet werden“, erläutert Ines Kurz, Insolvenzexpertin beim KSV1870.

Betroffene Branchen

Im Branchenvergleich führt der Handel mit 79 Insolvenzen die Statistik an, gefolgt vom Baugewerbe mit 57 und der Gastronomie mit 50 Fällen. Wögerbauer erklärt die Ursachen: „Hohe Kosten, sinkende Nachfrage, Online-Konkurrenz und Bürokratie bilden eine gefährliche Mischung.“ Die Baubranche kämpft zusätzlich mit einer schwachen Auftragslage, steigenden Kosten und Personalmangel – häufig löst eine Insolvenz dort eine Kettenreaktion aus, wie im Fall der Oberreiter und Hausbacher Gruppe.

Im bundesweiten Vergleich verzeichnen Salzburg und Oberösterreich den stärksten prozentualen Anstieg.

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Mit 421 Insolvenzfällen belegt Salzburg den fünften Platz im Länderranking, knapp vor Tirol, das 417 Fälle und einen Anstieg von 14,9 Prozent verbucht.