Kriegsschiffe, Drohnen, 15.000 Soldaten – Washington setzt ein massives Zeichen in einer der wichtigsten Meerengen der Welt.
Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass die US-Marine ab Montag damit beginnen werde, in der Straße von Hormus festsitzende Schiffe zu geleiten. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump am Sonntag, „Länder aus aller Welt“ hätten um diesen Einsatz gebeten, der unter dem Namen „Projekt Freiheit“ läuft. Der Iran reagierte mit einer Warnung: Jede amerikanische Einmischung in der Meerenge werde als Bruch der Waffenruhe gewertet.
Vor Ausbruch des Krieges transportierten Tanker durch die Straße von Hormus rund ein Fünftel der weltweit gehandelten Öl- und Flüssiggasmengen. Der Iran-Krieg begann am 28. Februar 2026. Seit Kriegsbeginn kontrolliert der Iran die Meerenge und hat den Schiffsverkehr durch Drohungen und gezielte Angriffe weitgehend lahmgelegt. Die USA verhängten ihrerseits eine Seeblockade gegen Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen.
Projekt Freiheit
Über die konkreten Modalitäten der Initiative, die am Vormittag Ortszeit beginnen sollte, ließ Trump viele Fragen offen. Dem Vernehmen nach soll das Vorhaben Schiffe aus Regionen betreffen, die nicht in den Iran-Krieg involviert sind. Er bezeichnete die Aktion auch als „humanitäre Geste“ und verwies darauf, dass vielen Schiffen die Lebensmittelvorräte sowie andere für Gesundheit und Hygiene an Bord notwendige Güter ausgingen.
Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom erklärte auf der Plattform X, die Streitkräfte würden Trumps Initiative unterstützen. Konkret sollen Lenkwaffenzerstörer, mehr als 100 Fluggeräte, unbemannte Plattformen sowie 15.000 Soldatinnen und Soldaten für das „Projekt Freiheit“ bereitstehen. Über deren genaue Aufgaben wurde keine Auskunft gegeben.
Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf zwei hochrangige US-Beamte berichtete, soll das Projekt die Einrichtung einer Koordinierungsstelle zur Regelung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge umfassen. Demnach sei derzeit nicht vorgesehen, dass Kriegsschiffe der US-Marine Handelsschiffe durch die Straße von Hormus eskortieren. Trumps Plan ziele vielmehr darauf ab, Minen zu orten und diese Informationen an Schiffe weiterzuleiten, damit sie entsprechende Gefahrenstellen umgehen können.
Der Iran wies jegliche amerikanische Aktivität in der Meerenge entschieden zurück. Der Leiter der Sicherheitskommission im Parlament, Ibrahim Asisi, schrieb auf X, eine solche Einmischung werde als Verstoß gegen die Waffenruhe betrachtet. Die Straße von Hormus und der Persische Golf würden nicht durch „Trumps wahnhafte Beiträge gesteuert“.
Irans Verhandlungsposition
In demselben Posting äußerte sich Trump auch zu den laufenden Verhandlungen mit Teheran. Dabei hatte er sich noch keine 24 Stunden zuvor deutlich skeptischer über den Stand der Gespräche geäußert. Der Iran hatte zuletzt einen neuen Vorschlag zur Beendigung des Krieges übermittelt, den Trump in einer ersten Reaktion als kaum akzeptabel bezeichnete.
Nach Angaben des iranischen Außenministeriums haben die USA inzwischen auf den iranischen Vorschlag geantwortet. Man prüfe diese Antwort derzeit, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai iranischen Medien zufolge. Baghai erklärte zudem, dass der iranische 14-Punkte-Plan für ein Kriegsende die Nuklearfrage ausklammere – ein Thema, das Teheran berichten zufolge erst in einem späteren Verhandlungsstadium ansprechen will.
In den Gesprächen mit dem Iran drängen die USA seit geraumer Zeit auf eine Öffnung der weitgehend blockierten Meerenge – bislang ohne Ergebnis. Noch am Sonntag meldete die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO erneute Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus. Der Kapitän eines nordwärts fahrenden Massengutfrachters habe einen Angriff mehrerer kleiner Boote gemeldet, teilte die Behörde auf X mit.
Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete hingegen, ein Schiff sei auf Anordnung der iranischen Marine gestoppt worden, um Dokumente zu überprüfen. Diese Maßnahme sei im Rahmen regulärer Überwachungsverfahren erfolgt. Von einem Angriff war in dem Bericht keine Rede.
Später meldete UKMTO, abermals sei ein Schiff in der Meerenge angegriffen und von unbekannten Projektilen getroffen worden. Der Vorfall ereignete sich demnach am Sonntagabend rund 145 Kilometer nördlich von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Bei beiden Vorfällen seien die Besatzungen in Sicherheit, Umweltschäden wurden nicht gemeldet.