Russland verschärft seinen Kurs gegen die Erotikbranche – mit Konsequenzen, die selbst Betroffene nicht erwartet hätten.
Im Zuge seiner Politik zur Durchsetzung sogenannter „traditioneller Werte“ geht Russlands Präsident Wladimir Putin (73) gezielt gegen die wachsende heimische Erotikbranche vor. Für russische Darsteller und Darstellerinnen bedeutet das zunehmend ernsthafte rechtliche Konsequenzen.
Die russischen Strafverfolgungsbehörden stützen das Vorgehen rechtlich auf Artikel 242 des russischen Strafgesetzbuches, der die illegale Herstellung und Verbreitung pornografischer Materialien unter Strafe stellt. Bei Taten im Rahmen einer organisierten Gruppe sieht das Gesetz Freiheitsstrafen von zwei bis sechs Jahren vor.
Geldstrafe statt Straflager
Vergleichsweise glimpflich kam dabei die 21-jährige OnlyFans-Darstellerin Sofya Vershinina davon, die unter dem Künstlernamen „Sonya Marmeladova“ bekannt ist. Ein Moskauer Gericht verurteilte sie, wie das Portal The U.S. Sun berichtet, „wegen der Herstellung und Verbreitung pornografischer Online-Videos“ zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 53.000 Euro. Zusätzlich wurde ihr für drei Jahre die Nutzung des Internets sowie jede öffentliche Präsenz darin untersagt.
Ihr goldfarbenes iPhone 16 Pro Max wurde beschlagnahmt. Vershinina hatte ihre Inhalte vorwiegend über OnlyFans und Telegram verbreitet. Zum Prozess erschien sie in einem weißen Mercedes und soll nach übereinstimmenden Berichten mit einer Freiheitsstrafe gerechnet haben.
Da sie Reue zeigte, scheiterte die Staatsanwaltschaft mit ihrer Forderung nach dreieinhalb Jahren Straflager. Laut Anklagebehörde soll die Darstellerin mit dem Verkauf ihrer Inhalte bislang rund 350.000 Euro erwirtschaftet haben – genug, um in einem Penthouse eines Moskauer Hochhauses zu wohnen.
Weitere Verhaftungen
Vershininas Fall ist kein Einzelfall. Die Influencerin und Model Diana Shurygina (27) befindet sich wegen ihrer OnlyFans-Aktivitäten in Untersuchungshaft. Dasselbe Schicksal traf Anastasia Ovsyannikova (24), die unter dem Künstlernamen „Nastya Kholod“ auftritt.
Darüber hinaus soll auch ein deutscher Produzent von Erwachsenenfilmen in Russland festgenommen worden sein.
Rechtsexperten zufolge handelt es sich bei diesen Fällen lediglich um die Spitze des Eisbergs.