RAF Camora: „Ich bin und bleibe ein Westwiener!“

INTERVIEW

RAF Camora: „Ich bin und bleibe ein Westwiener!“

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Raf Camora Interview
FOTO: Farido Davis

RAF Camora – ein Name, der längst keiner Vorstellung mehr bedarf. Der Gold- und Platin Rapper und das Wiener Aushängeschild aus Fünfhaus zählt für viele mittlerweile zum größten österreichischen Artist seit Falco.

Von wegen „Sky is the limit!“ – RAF Camora bewies Durchhaltevermögen, und durchstreifte den Orbit! Heute feiert er einen Mega-Erfolg nach dem anderen, und wird mit Platin- und Goldauszeichnungen nur so überhäuft.

Uns wurde – als eines der wenigen österreichischen Medien, denen der Künstler noch Interviews gibt, die Ehre zuteil, Raphael Ragucci – den Mann hinter dem großen Namen kennenzulernen – und zwar so, wie er leibt und lebt. Wir sprachen mit dem Westwiener so privat, wie man ihn eigentlich nur aus seinen autobiografischen Texten kennt – über die Karriere, die Verbundenheit zum Balkan, Frauen, seine Einstellung zu Drogen und auch sonst alles, was ihr schon immer über RAF Camora wissen wolltet!

„Du kannst es schaffen, wenn du willst Mann, ich verkörper‘ die Chance“
(Corleone)

Wir haben seine Textzeilen „Scheiß auf Wikipedia – Willst du wissen, wer ich bin Bruder, dann komm vorbei“ beherzigt, und luden den Musiker und Geschäftsmann zum exklusiven Gespräch ins Restaurant Galaxie ein. Unserer Einladung leistete er Folge und erschien pünktlich auf die Minute zum Interview.

Gleich zu Beginn stellt er eines klar, nachdem wir uns bei ihm für seine Zeit bedanken: „Diese Geschichte mit KOSMO wird viel echter, als sie es jemals mit dem ORF oder einem ähnlichen Medium sein könnte. So erreiche ich meine wahren Fans – die Leute, die meine Musik hören und schätzen. Rudi und Gitti aus dem Heurigen kennen größtenteils meine Arbeit nicht  – wen sollte ich dann versuchen, dort zu erreichen? Es ist mir nicht wichtig, bekannter zu werden, weil ich meine Zielgruppe und meine Zuhörer bereits kenne!“

„Aufgewachsen West-Wien in den Neunziger-Jahren.
Zwischen serbischen Zeichen von Krieg an den Häuserfassaden…“

(Alles probiert, Anthrazit)

Der Smalltalk-Teil unserer Unterhaltung hält sich kurz – viel zu viel gibt es, das wir den Künstler fragen wollen. Und er fackelt auch nicht lange. In unserem Gespräch, erzählt er uns die Geschichte von RAF Camora, die im 15. Wiener Gemeindebezirk ihren Anfang nahm und noch lange kein Ende in Sicht hat.

Aber spulen wir mal kurz vor: „2016 – alles zerfetzt!“ – Raf gelingt der langersehnte Durchbruch. Doch der Vollblutmusiker schien seinen Erfolg bereits im Jahre 2010 vorhergesehen zu haben. In seinem Track „Schwarzer Rabe“ prophezeit der damals 26-Jährige seinen heutigen Erfolg haargenau:

„Und ich sehe Bilder von ausverkauften Hallen, Bilder von Chais
(…)Bilder von Geld, Bilder von Gold… Platten
(…)Bilder von Kindern die mich erkennen in meiner Stadt…“
(Schwarzer Rabe, Therapie nach dem Album)

Wie der Text weitergeht, möchten wir euch lieber nicht verraten, aber eines steht fest – der Rabe blieb! Als Markenzeichen und treuer Begleiter wandert er – mal in Schwarz und mal in Anthrazit – von einem Track zum nächsten.

Rabe, er gab mir Erfolg – Zeit, dass ich dafür bezahle. #Serenade

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„Raben im Rücken reißt alles in Stücke, la omertà“
(Primo, Anthrazit)

So richtig bekannt wurde der heute 33-Jährige aber trotz über eines Jahrzehnts an harter Arbeit als Produzent und Rapper, erst vor etwa zwei Jahren. Als er sich mit dem deutschen Rapper und Dancehall-Musiker Bonez MC zusammenschloss, und das Album „Palmen aus Plastik“ herausbrachte, das einschlug wie eine Bombe, und sich sehr schnell als absoluter Sensationserfolg entpuppte. Die Single „Ohne mein Team“ sollte den Stein ins Rollen bringen, und die beiden Pioniere des deutschsprachigen Dancehall wenig später auf den absoluten Rap-Zenit katapultieren.

Danke Bruder Bonez für die letzten 1 1/2 Jahre!!Und Euch für 500.000 Follower ? brennt

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„Camora war ein Ghøst, meine Mucke wurde eingemauert“
(Anthrazit, Anthrazit)

„Meine Musik ähnelte der von heute zwar schon immer, aber es fehlte etwas – und das war definitiv die Kombi mit Bonez. Wenn die Fusion mit ihm nicht gewesen wäre, hätte es mit mir schlimm enden können. Bist du nämlich mit Leib und Seele Musiker, und hast dein ganzes Leben dieser Materie verschrieben, siehst aber keine Früchte deiner Arbeit, dann fühlt es sich so an, als könntest du nicht das tun, wofür du geboren wurdest. Umso dankbarer bin ich für jeden Tag, an dem ich meinen Traum leben darf“, zeigt sich Raf privat wie auch in seinen Texten demütig.

Kurz und knapp
Wen oder was hast du immer dabei?
Meine Ekipa!

Bist du jemals alleine unterwegs – oder gilt stets die Devise
„Nie ohne mein Team“?

Sehr, sehr selten. Meistens nur wenn ich irgendwo hinfliege.

Wie nennen dich Freunde und Familie?
Raf oder Raphael

Ob es ihn enttäuscht, dass nur wenige seiner heutigen Fans, Songs aus seinen früheren Alben kennen bzw. der Durchbruch so lange auf sich warten ließ? Weit gefehlt – der Musiker ist froh, dass der Erfolg erst mit Anfang Dreißig kam: „Ich bin heute viel vernünftiger, als ich es noch vor zehn Jahren – zu Beginn meiner Karriere – war. Damals habe ich alle möglichen Drogen konsumiert, und hätte dem Erfolg nicht gerecht werden können. Mittlerweile bin ich nicht nur Künstler, sondern auch Geschäftsmann, und weiß daher genau, was ich tue.“

„Camora ist endlich lebendig“
(Palmen aus Plastik, Palmen aus Plastik)

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