Rekordwert, Moschee-Anschlag, Mord mit rassistischem Motiv: Der neue Antimuslimismus-Report zeichnet ein alarmierendes Bild.
Der 11. Antimuslimische Rassismus Report dokumentiert für das vergangene Jahr 1.684 registrierte Fälle antimuslimischen Rassismus in Österreich – ein Höchstwert, der nach Einschätzung der zuständigen Stelle ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht hat. Die Dokustelle richtet damit verbunden konkrete Forderungen an die Politik, darunter die Erarbeitung eines Aktionsplans gegen Rassismus.
Knapp zwei Drittel der erfassten Fälle ereigneten sich im digitalen Raum. Bei den Offline-Vorfällen entfiel mit 63 Prozent der größte Anteil auf die Kategorie „Verbreitung von Hass“, gefolgt von Beleidigungen mit elf Prozent. Physische Übergriffe machten ebenfalls elf Prozent aus – ein im Vergleich zu früheren Erhebungen deutlich gesunkener Wert.
Politische Forderungen
Als vorrangige politische Forderung nennt die Dokustelle die Verabschiedung eines Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus. Das Ausbleiben eines solchen Plans sei „mehr als ein politisches Versäumnis, es ist ein Signal“, dass der Kampf gegen Rassismus keinen hohen Stellenwert genieße, urteilte Dur-Kwieder. Darüber hinaus werden unter anderem ein verbesserter Schutz vor sekundärer Viktimisierung in Strafverfahren sowie unabhängige Kontrollinstanzen für die Exekutive gefordert.
Dunia Khalil, Leiterin der Rechtsberatung der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit & antimuslimischer Rassismus (Dokustelle Österreich), betonte einleitend, dass der Report lediglich eine Momentaufnahme darstelle und die tatsächliche Dunkelziffer erheblich höher liegen dürfte. Zugleich verwies sie auf einen erkennbaren Zusammenhang zwischen politischen Debatten und der Häufigkeit gemeldeter Fälle: Die Diskussion um das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren habe gegen Jahresende zu einer spürbaren Häufung von Meldungen geführt.
Hervorgehoben wurde überdies, dass Betroffene antimuslimischen Rassismus häufig von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind – besonders ausgeprägt bei Frauen. So seien etwa Fälle dokumentiert worden, in denen Lehrpersonal Schülerinnen bereits vor dem Inkrafttreten des Kopftuchverbots aufgefordert habe, das Kopftuch abzunehmen. Dass institutionelle Diskriminierung kein Einzelphänomen ist, belegten zudem zwei Studien aus den Bereichen Gesundheit und Justiz.
Täter & Vorfälle
Gestiegen ist der Anteil jener Fälle, die auf Journalistinnen und Journalisten (zwölf Prozent) sowie auf Politikerinnen und Politiker (zehn Prozent) zurückzuführen sind. Die Mehrheit der Täterinnen und Täter sind dennoch Einzelpersonen, auf die 71 Prozent der Fälle entfallen. In der Gesamtbetrachtung weist der Report Medien und Politik gemeinsam die Verantwortung für rund 60 Prozent aller erfassten Vorfälle zu.
Als besonders schwerwiegend wurden zwei Vorfälle eingestuft: In Niederösterreich wurden Schüsse auf eine Moschee abgefeuert. Im zweiten Fall liegt laut dem Report im Zusammenhang mit einem Mord in Wien-Donaustadt ein antimuslimischer Tatverdacht vor. Im Oktober 2025 erschoss ein 50-Jähriger in Wien-Donaustadt seinen Nachbarn – „Ich habe die iranische Sau umgeschossen“ – und wurde Monate später wegen Mordes zu 19 Jahren Haft verurteilt.