Bildungsminister Christoph Wiederkehr und Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn haben ein Maßnahmenpaket zur Entbürokratisierung an österreichischen Schulen vorgestellt. Das Zehn-Punkte-Programm soll ab Frühjahr 2026 greifen und verspricht spürbare Entlastungen für Lehrpersonal und Schulleitungen.
Wiederkehr betonte, dass bereits Ende August 80 Prozent der ministeriellen Rundschreiben aufgehoben wurden. Künftig setzt das Bildungsministerium auf schlankere und vereinfachte Kommunikationswege mit den Schulen. Ein wesentlicher Fortschritt wird das neue digitale System „Teachers Direkt“ sein, das administrative Vorgänge revolutionieren soll. Schwangerschaften, Karenzierungen und ähnliche Meldungen, die bisher einen komplexen Papierweg durchlaufen mussten, können ab dem kommenden Frühjahr direkt digital eingereicht werden.
Eine grundlegende Überarbeitung steht auch für das Schulverwaltungsprogramm „Sokrates“ an. Es soll vereinheitlicht und benutzerfreundlicher gestaltet werden. Wiederkehr verwies zudem auf die neue Autonomie der Schulen bei der Gestaltung des Deutschunterrichts – jede Einrichtung kann künftig selbst entscheiden, ob sie Deutschförderklassen oder alternative pädagogische Konzepte einsetzt.
Die verpflichtenden Sprachstandserhebungen werden ab 2026 auf eine jährliche Testung reduziert, was den Lehrkräften erheblichen Aufwand erspart. Schulen, die zusätzliche Testungen für sinnvoll erachten, können diese eigenverantwortlich durchführen.
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Bürokratische Erleichterungen
Eine weitere Erleichterung betrifft die Vorwissenschaftlichen Arbeiten. Die bisherige Pflicht zur Online-Dokumentation der Themen durch Schulleitungen entfällt. „Im Einzelfall mussten Schulleitungen bis zu 100 Themen einzeln freigeben“, erklärte Wiederkehr. Diese bürokratische Hürde wird nun beseitigt, und die Schulen entscheiden selbst über die Nutzung des entsprechenden Portals.
Auch die „Individuelle Kompetenzmessung plus“ (IKM plus) zur Erhebung der Kernkompetenzen in Hauptfächern wird vereinfacht. Das Privatschulgesetz aus dem Jahr 1962 soll modernisiert werden, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und überholte Vorschriften zu eliminieren. So soll etwa eine Adressänderung einer bereits genehmigten Privatschule nicht mehr zu einer vollständigen Neuprüfung der schulrechtlichen Genehmigungen führen.
Digitale Lösungen
Für Beschwerden von Eltern oder Lehrkräften wird ein einheitliches digitales System bei den Bildungsdirektionen eingerichtet. Dieses Ticketsystem soll nicht nur für eine geordnete Bearbeitung sorgen, sondern auch tagesaktuelle Rückmeldungen gewährleisten.
Die gesetzliche Verpflichtung, Zeugnisse 60 Jahre lang in Papierform aufzubewahren, soll durch eine digitale Archivlösung ersetzt werden. Dies entlastet die Schulen von enormem Archivierungsaufwand und erleichtert Bürgern den Zugang zu benötigten Dokumenten.
Laut Minister verbringen Schulleitungen derzeit 30 Prozent ihrer Arbeitszeit mit bürokratischen Aufgaben – ein Zustand, den die Regierung als deutlich zu hoch erachtet und mit den vorgestellten Maßnahmen korrigieren will.
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