Während Dänen künftig bis 74 arbeiten sollen, können türkische Frauen schon mit 49 in Rente gehen. Europas Pensionssysteme stehen vor einem drastischen Umbruch.
Die Lebenserwartung in Europa steigt kontinuierlich – und mit ihr die Zeit, die Menschen im Ruhestand verbringen. Als Reaktion darauf schrauben immer mehr Länder am gesetzlichen Pensionsantrittsalter. Besonders drastisch fällt die Anhebung in Dänemark aus, wo bereits beschlossen wurde, das Pensionsalter bis 2040 auf 70 Jahre anzuheben.
⇢ Schock-Beschluss: Pension erst mit 70 Jahren
Laut OECD-Prognosen wird das skandinavische Land bis 2060 sogar ein durchschnittliches Pensionsantrittsalter von 74 Jahren erreichen und damit europaweit an der Spitze stehen.
Derzeit bewegt sich das gesetzliche Pensionsantrittsalter für Männer in der EU zwischen 62 und 67 Jahren, für Frauen zwischen 60 und 67 Jahren. Bezieht man Großbritannien, die EFTA-Staaten (Europäische Freihandelsassoziation) und die Türkei mit ein, fällt besonders die Türkei mit ihren niedrigen Altersgrenzen auf: Dort können Frauen bereits mit 49 Jahren in den Ruhestand treten, Männer mit 52.
Die höchsten Pensionsantrittsalter weisen aktuell die nordischen Länder Dänemark, Norwegen und Island auf – jeweils 67 Jahre für beide Geschlechter. Über der 65-Jahres-Marke liegen auch die Niederlande (66,6), Großbritannien und Irland (je 66), Deutschland (65,8) sowie Portugal (65,6). In Österreich, Polen, Rumänien, Ungarn, Kroatien, der Schweiz, Belgien, Italien, Spanien und Zypern liegt die Altersgrenze bei 65 Jahren.
Aktuelle Altersgrenzen
Unter den fünf größten europäischen Volkswirtschaften hat Frankreich mit 64,8 Jahren die niedrigste Altersgrenze – wobei der Unterschied zu den anderen Ländern gering ausfällt. Der Alterungsbericht 2024 zeigt, dass Franzosen in Pension gehen können, sobald sie die Mindestaltersgrenze erreichen: 62 Jahre für vor 1960 Geborene und 64 Jahre für jene, die 1968 oder später geboren wurden.
Abgesehen von der Türkei weisen Griechenland, Luxemburg und Slowenien mit jeweils 62 Jahren die niedrigsten Altersgrenzen für Männer in der EU auf. Frauen dürfen in diesen Ländern ebenfalls mit 62 in den Ruhestand treten. Die niedrigste Altersgrenze für Frauen findet sich in Österreich und Polen – hier liegt sie bei 60 Jahren.
In 23 europäischen Ländern gehen Männer und Frauen im gleichen Alter in Pension, was auf eine geschlechtergerechte Regelung hindeutet. In den übrigen neun Staaten müssen Männer länger arbeiten.
Die größten Unterschiede bestehen in Österreich und Polen, wo Männer fünf Jahre später als Frauen in Pension gehen dürfen. Auch in Rumänien, Ungarn und der Türkei beträgt der Unterschied drei Jahre oder mehr. EU-weit liegt die geschlechtsspezifische Differenz beim Pensionsantrittsalter bei durchschnittlich 0,9 Jahren.
Zukünftige Entwicklung
Die OECD prognostiziert auf Basis der Verknüpfung von Pensionsantrittsalter und Lebenserwartung, dass das Pensionsalter in 20 Ländern für Männer und in 24 Ländern für Frauen von insgesamt 32 analysierten europäischen Staaten steigen wird. Einige dieser Änderungen sind bereits gesetzlich verankert.
Für Berufseinsteiger des Jahres 2022 wird das Pensionsantrittsalter bis 2060 voraussichtlich zwischen 62 und 74 Jahren für Männer bzw. zwischen 60 und 74 Jahren für Frauen liegen. Der EU-Durchschnitt wird dann bei 66,7 Jahren für Männer und 66,4 Jahren für Frauen erwartet.
Dänemark wird mit 74 Jahren für beide Geschlechter bis 2060 das höchste Pensionsantrittsalter aufweisen. Italien und Estland folgen mit 71 Jahren, während die Niederlande, Schweden und Zypern auf 70 Jahre kommen werden. Für Finnland und die Slowakei werden 69 Jahre prognostiziert, für Portugal 68.
In Großbritannien, Deutschland, Belgien, Norwegen und Island wird das Pensionsantrittsalter bei 67 Jahren liegen, in Irland und Griechenland bei 66.
Auffällig ist, dass alle nordischen Länder zu jenen mit dem höchsten Pensionsantrittsalter zählen werden – deutlich über dem EU-Durchschnitt.
Das Finnische Pensionszentrum verweist darauf, dass mehrere Länder ihre Altersgrenzen bereits angepasst haben und weitere Erhöhungen in naher Zukunft folgen werden. So wird Belgien das Pensionsantrittsalter bis 2030 auf 67 Jahre anheben, Dänemark bis 2035 auf 69 und Großbritannien bis 2046 auf 68 Jahre.
Slowenien und Luxemburg werden mit 62 Jahren das niedrigste Pensionsantrittsalter für Männer unter den Berufseinsteigern von 2022 beibehalten, während Polen mit 60 Jahren die niedrigste Altersgrenze für Frauen haben wird. In 14 Ländern wird das künftige Pensionsantrittsalter für Männer bei 65 Jahren liegen, wobei es in einigen dieser Staaten für Frauen niedriger ausfallen wird.
Bis 2060 werden die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Pensionsantrittsalter in Europa nahezu verschwinden und nur noch in Polen, Ungarn, Rumänien und der Türkei bestehen bleiben.
Im Vergleich zu den Pensionisten des Jahres 2022 wird die Türkei den größten Anstieg verzeichnen – um 13 Jahre für Männer und 14 Jahre für Frauen. In Dänemark wird die Erhöhung für beide Geschlechter sieben Jahre betragen.
Nach Daten aus dem Jahr 2021 liegt Dänemark EU-weit an zweiter Stelle bei den durchschnittlichen Pensionsausgaben pro Empfänger, sowohl in nominalen Beträgen als auch kaufkraftbereinigt. Auch für Estland, die Slowakei, Italien, Schweden und Zypern wird erwartet, dass sie das Pensionsantrittsalter bis 2060 um fünf Jahre oder mehr anheben werden.
Die tatsächlichen Altersgrenzen können für Personen variieren, die früher ins Berufsleben eingestiegen sind oder besondere Umstände geltend machen können.
Pensionen in der EU betragen durchschnittlich etwa 60 Prozent des letzten Einkommens, wobei dieser Wert in vielen europäischen Ländern unter 50 Prozent sinkt – was es für Pensionisten zunehmend schwieriger macht, ihren gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten.