Trotz gesetzlicher Verbote erleben Kinder in Österreich weiterhin Gewalt in der Erziehung. Eine aktuelle repräsentative Gallup-Umfrage mit 1.000 Personen ab 14 Jahren, durchgeführt im Auftrag der Kinderschutzorganisation „die möwe“, offenbart beunruhigende Einstellungen: Nur etwa zwei Drittel der Befragten betrachten gewaltfreie Erziehung als optimal. Mehr als 20 Prozent halten „leichte körperliche Strafen“ wie einen Klaps oder eine leichte Ohrfeige für vertretbar. Erschreckende 14 Prozent vertreten sogar die Ansicht, dass manchmal drastische Erziehungsmaßnahmen notwendig seien – obwohl Gewalt in der Erziehung in Österreich seit 35 Jahren verboten ist.
Die Erhebung zeigt, dass mehr als jeder Vierte in seiner Kindheit Gewalt erfahren hat – sei es körperlich, psychisch, sexuell oder durch Vernachlässigung. Während viele Eltern einen gelegentlichen Klaps auf den Po als harmlos abtun, warnen Fachleute vor lebenslangen seelischen Folgeschäden. Konkret gaben 27 Prozent der Befragten an, körperliche Gewalt erlitten zu haben, wobei ältere Generationen deutlich stärker betroffen sind: Bei den über 64-Jährigen berichteten 46 Prozent von solchen Erfahrungen, bei den 14- bis 29-Jährigen waren es nur 10 Prozent.
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Zudem berichteten 17 Prozent von psychischer Gewalt, 9 Prozent von Vernachlässigung und 4 Prozent von sexuellen Übergriffen. Besonders auffällig ist das unterschiedliche Verständnis davon, was überhaupt als Gewalt gilt. Während Beleidigungen, Beschimpfungen oder lautes Anschreien von vielen – aber nicht allen – als Gewaltform erkannt werden, stufen rund ein Drittel der Befragten Anschweigen oder die Drohung mit Liebesentzug nicht als Gewalt ein.