Vom Wald ins Meer: Kroatiens Küstenregionen erleben eine ungewöhnliche Invasion. Wildschweine durchqueren in Gruppen die Adria, erobern Strände und zeigen dabei erstaunliche Ausdauer.
Wildschweine erobern die Adria – ein Phänomen, das mittlerweile zum Alltag in mehreren kroatischen Küstenregionen gehört. Was früher eine Seltenheit war, entwickelt sich zunehmend zur regelrechten Plage. Die Tiere durchqueren in Gruppen das Meer, dringen in Wohngebiete vor und versetzen sowohl Urlauber als auch Einheimische in Alarmbereitschaft.
Ein Bewohner aus Stara Mokošica bei Dubrovnik schilderte seine überraschende Begegnung mit einem Wildschwein. „Ich war schockiert, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass sie keine Angst vor Menschen haben“, berichtete er Morski.hr (kroatisches Nachrichtenportal). Seine Versuche, das Tier zu verscheuchen, blieben erfolglos: „Ich rief, aber die Wildsau verhielt sich, als wäre sie zu Hause.“
Vor der Küste des beliebten Ferienortes Mali Lošinj wurde kürzlich eine komplette Wildschweingruppe beobachtet, die zielstrebig in Richtung Land schwamm. Die Schwimmfähigkeiten dieser Tiere sind beeindruckend – sie können bis zu zwölf Stunden im Wasser bleiben und dabei Strecken von mehr als 25 Kilometern zurücklegen.
Touristen in Rabac auf der Halbinsel Istrien dokumentierten die ungewöhnlichen Meeresbewohner mit ihren Kameras. In sozialen Netzwerken reichten die Reaktionen von Bewunderung bis Besorgnis. „Wie schön, dass sie sich an uns angepasst haben – nie gab es mehr Wildschweine in Istrien“, kommentierte ein Nutzer auf Facebook mit deutlichem Sarkasmus.
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Wachsende Bedrohung
Die Situation hat längst den Bereich des Kuriosen verlassen und wird zunehmend gefährlich: In Pula wurden Wildschweine bereits im Zentrum gesichtet, was die Stadtverwaltung zum Handeln zwang – eine Reduzierung des Bestands wurde angekündigt. Auf der Halbinsel Pelješac richteten die Tiere erheblichen Schaden in Weinbergen an, was eine Winzerin zu rechtlichen Schritten veranlasste. Die Bekämpfung stößt jedoch auf Hindernisse: Im Meer dürfen die Tiere nicht bejagt werden, da Gewässer rechtlich nicht als Jagdgebiet gelten – wer schwimmende Wildschweine entdeckt, darf nicht eingreifen.
Klimawandel-Effekt
Die Verbindung zwischen Klimawandel und dem Anstieg der Wildschweinpopulation erklärt die aktuelle Situation in Kroatien. Mildere Winter erhöhen die Überlebensraten durch weniger Frosttage. Verlängerte Vegetationsperioden sorgen für ein größeres Nahrungsangebot und begünstigen die Vermehrung. Starke Regenfälle treiben die Tiere in besiedelte Gebiete, während der Rückgang natürlicher Fressfeinde das ökologische Gleichgewicht stört.
Kroatische Wildtierforscher verzeichnen eine Verdreifachung der Wildschweinpopulation in den vergangenen zwei Jahrzehnten – ein Trend, der laut Untersuchungen der Universität Zagreb eindeutig mit höheren Temperaturen, reichlich vorhandener Nahrung und ausbleibenden Winterverlusten korreliert.