Start Gesundheit Sind wir nach einer Corona-Infektion immun?
SARS-COV-2

Sind wir nach einer Corona-Infektion immun?

(FOTO: iStockphoto)

In den Medien wird immer wieder von Menschen berichtet, die sich mehrmals mit dem Coronavirus angesteckt haben. Aber ist das überhaupt möglich? Oder sind wir nach einer Infektion immun?

Schon relativ früh während der Pandemie berichteten erste Medien darüber, dass sich Personen in Japan oder Südkorea bereits ein zweites Mal mit dem Coronavirus infiziert hätten. Mittlerweile wurden auch erste neuerliche Infektionen nachgewiesen. Doch was bedeutet das jetzt genau? Ist man nach einer Infektion doch nicht immun? Wir versuchen im Folgenden die wichtigsten Fragen mit dem aktuellen Wissensstand so gut wie möglich zu beantworten.

Haben sich Menschen bereits mehrfach infiziert?
Ja. Mitte September vergangen Jahres waren fünf Fälle bekannt, bei denen definitiv eine Zweitinfektion nachgewiesen werden konnte. Bei den Personen wurden verschiedene Virenstämme festgestellt – und damit tatsächlich eine erneute Infektion. Wie oft Zweitinfektionen auftreten, lässt sich im Moment schlecht abschätzen, da bisher nur wenige Fälle bekannt wurden. Es könnte sich also auch um seltene Ereignisse handeln.

Doch was bedeuten diese Fälle für die Immunität? Und was für die Impfung? Wird diese uns dauerhaft schützen? Beim Thema Impfen bleiben viele derweil optimistisch. „Die Fähigkeit zur erneuten Infektion bedeutet nicht, dass ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 nicht wirksam sein kann“, sagt etwa Richard Malley vom Boston Children’s Hospital in Massachusetts.

Bleibt man immun – und wenn ja, wie lange?
Derzeit kursiert ja bereits die zweite Version von SARS-CoV und sorgt weltweit für eine Pandemie. Beim ersten SARS-Virus galt: Wer sich infiziert hat, der ist eine Zeit lang vor einer neuen Infektion geschützt. Bei schweren SARS-Erkrankungen konnten Forscher die Immunität sogar noch nach zwölf Jahren nachweisen. Doch bei Grippe- und Erkältungsviren hält der Schutz etwa nicht so lange an. Und wie sieht es mit SARS-CoV-2 aus?

Wochen, Monate oder Jahre immun?
Zu Beginn der Pandemie rätselten Wissenschaftler, ob überhaupt eine Immunität besteht. Und wenn ja, ob diese Wochen, Monate oder gar Jahre andauert. Aber das Problem bei der Beantwortung dieser Frage ist: Gerade, um Letzteres nachzuweisen, braucht es Zeit! Derzeit deuten aktuelle Studien darauf hin, dass Infizierte rund fünf Monate lang immun sind. Aber: Das Immunsystem reagiert natürlich nicht bei jedem gleich. So haben beispielsweise Forscher herausgefunden, dass bei einigen Patienten, die mildere Verläufe hatten, die Antikörper gegen SARS-CoV-2 schon nach drei bis sieben Wochen komplett aus dem Blut verschwunden waren.

Wie reagiert das Immunsystem auf das Coronavirus?
Ein kurzer Crashkurs: Auch, wenn immer nur von Antikörpern gesprochen wird, machen diese bloß einen Teil der Immunantwort aus. In Wirklichkeit passiert im Körper noch weitaus mehr, wenn ein Virus eindringt: Grundsätzlich gibt es die weißen Blutkörperchen, darunter die sogenannten B-Zellen und T-Zellen. Die B-Zellen produzieren später die Antikörper, die Viren wie das Coronavirus gezielt erkennen und bekämpfen.

Forscher haben vor allem bei asymptomatischen Probanden jedoch weniger Antikörper gefunden, als vielmehr eine Immunreaktion über die T-Zellen nachgewiesen. In den bisherigen, teils unveröffentlichten Studien interpretieren die Forscher ihre Ergebnisse so: Antikörper werden nach einer schweren und langwierigen Infektion gebildet. In den ersten Tagen direkt nach der Infektion aber, also an der ersten Kampf-Front gegen das Virus, könnten die T-Zellen eine weitaus wichtigere Rolle bei der Virusabwehr spielen. Gleichzeitig stellten Forscher in einigen Untersuchungen fest, dass bei besonders langwierigen, schweren Verläufen weniger T-Zellen bei den Infizierten nachgewiesen wurden.

Was bedeutet das für die Testungen?
Bisher wissen die Forscher nicht, welche exakte Rolle die Bestandteile des Immunsystems bei einer Covid-19-Erkrankung einnehmen. Daher gilt es herauszufinden, ob Antikörper, B- oder T-Zellen letztlich mit einer kurz- oder langfristigen Immunität einhergehen und von welchen Faktoren sie abhängen. Wie lange genau Immunität nach einer Infektion besteht, kann man derzeit nicht klar beantworten.

Aus derzeitigem Wissensstand scheint es, dass Antikörper nur einen Teil der Immunantwort ausmachen – und das eher bei schwereren Krankheitsverläufen. Das bedeutet für viele Experten jedoch gleichzeitig: Die durch Antikörpertests ermittelte Zahl an bereits Infizierten könnte noch immer unter den tatsächlichen Infektionsraten liegen – weil die Antikörper schon wieder verschwunden sind oder andere Immunzellen die Infektion bekämpft hatten.

Quellen und Links: