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WISSENSWERT

So waren jugoslawische Architekten weltweit geschätzt

(FOTO: Archiv/architectuul)
(FOTO: Archiv/architectuul)

Von den 1950er bis Ende der 1980er Jahre entstanden in den Ländern Afrikas und des Nahen Ostens zahlreiche Bauten der Moderne, die zu den größten Errungenschaften der jugoslawischen Architektur zählen.

Es war damals eine sehr ungewöhnliche Situation, Balkanarchitekten konnten nicht legal von einem Ende Berlins zum anderen gehen, aber sie konnten deshalb um die Welt reisen und es rekonstruieren.

Ende der 1950er Jahre wurden zahlreiche Länder in Afrika und im Nahen Osten endgültig von der Kolonialherrschaft befreit. Aufgrund der politischen Verbindungen und des Einflusses, den Jugoslawien als Mitglied der Bewegung der Blockfreien Staaten erlangte, erhielten Architekten die Möglichkeit, ihre architektonischen Werke und ihre modernistische Ästhetik in viele Länder zu „exportieren“, die Teil dieser Bewegung waren. Nämlich eines der fünf Prinzipien der Bewegung der Blockfreien war gegenseitiger Nutzen. 

Daher haben zahlreiche Länder in Afrika und im Nahen Osten Fachleute und spezialisierte Firmen aus sozialistischen Ländern als Berater und Autoren großer und wichtiger Architekturprojekte eingesetzt. Sie galten als notwendiges Element für die Etablierung neuer nationaler Identitäten, d.h. sie stärkten die Unabhängigkeit durch wirtschaftliche Zusammenarbeit mit größeren Mitgliedern der von Jugoslawien angeführten Bewegung.

Die Sowjetunion konzentrierte sich mehr auf Infrastrukturprojekte wie Dämme, Böschungen, Häfen und dergleichen, während Jugoslawien mehr auf städtische Projekte ausgerichtet war.

Der Export architektonischer Talente aus Mitteleuropa befriedigte zwei Bedürfnisse: Einer war wirtschaftlicher, d.h. Sammeln von Finanzmitteln im Ausland, die nützlich sind, um verarmte Volkswirtschaften zu unterstützen; der andere ideologisch, also der Beitrag zum Sieg im Kontext des Kalten Krieges. 

In ganz Afrika bauten jugoslawische Architekten zahlreiche Konferenzzentren, Flughäfen, Ministerien, kommunale Gebäude, Universitäten, Postämter, Hotels und ganze Wohnviertel. Eines dieser großen Projekte ist der Konferenzpalast in der Hauptstadt der Kolonie Gabun, Libreville. Die Kolonie Gabun erklärte 1960 ihre Unabhängigkeit. Zehn Jahre später beauftragte sie das Energoprojekt mit dem Bau des Konferenzpalastes in der Hauptstadt. Der Palast nahm 12.000 Quadratmeter ein und sollte den 14. Kongress der Organisation für Afrikanische Einheit, dem Vorläufer der Afrikanischen Union, beherbergen.

Frankreich versuchte, den Einfluss in seiner ehemaligen Kolonie aufrechtzuerhalten, was zu Protesten und Unruhen im Land führte. Die Ankunft jugoslawischer Architekten und Energoprojekt bedeutete jedoch, dass sich die Kolonie vollständig vom französischen Einfluss löste.

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