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Forschung

Stoppt Viagra Krebs? Forscher entdecken verblüffende neue Wirkung

Stoppt Viagra Krebs? Forscher entdecken verblüffende neue Wirkung
FOTO: iStock/nito100
3 Min. Lesezeit |

Ein bekanntes Medikament, ein überraschender Befund: Sildenafil gerät wegen einer völlig neuen Eigenschaft ins Visier der Krebsforschung.

Jahrzehntelang war die kleine blaue Pille vor allem für ein einziges Anwendungsgebiet bekannt: die Behandlung von Erektionsstörungen. Doch der Wirkstoff Sildenafil, besser bekannt unter dem Markennamen Viagra, rückt nun aus einem völlig anderen Grund in den Fokus der Wissenschaft. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Medikament die Fähigkeit von Krebszellen, sich im Körper auszubreiten, möglicherweise einschränken könnte.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem vom Weizmann-Institut für Wissenschaft in Rehovot sowie vom US-amerikanischen National Cancer Institute haben untersucht, welche Wirkung sogenannte PDE5-Hemmer – zu denen Sildenafil zählt – auf Krebszellen entfalten. Im Zentrum der Untersuchung stand dabei weniger die Frage, ob Tumoren schrumpfen, sondern vielmehr, ob die Ausbreitung von Krebszellen im Organismus gehemmt werden kann.

Cholesterin als Schlüssel

Dabei stießen die Forschenden auf einen bislang kaum beachteten Mechanismus: Sildenafil beeinflusst in den untersuchten Zellen den Cholesterinstoffwechsel. Der Wirkstoff bewirkt, dass sich Cholesterin in bestimmten zellulären Strukturen – den sogenannten Lysosomen – anreichert und von dort aus schlechter weitertransportiert wird. Davon betroffen sind unter anderem jene Funktionen, die Krebszellen benötigen, um sich fortzubewegen und in neue Körperregionen einzudringen.

Dieser Vorgang der Streuung von Krebszellen wird in der Medizin als Metastasierung bezeichnet. In Experimenten mit menschlichen Krebszellen sowie in Tierversuchen mit Mäusen beobachteten die Forscher, dass Sildenafil sowohl die Wanderungsfähigkeit der Krebszellen als auch die Entstehung von Metastasen deutlich reduzierte. Untersucht wurden dabei unter anderem Modelle für Brust-, Lungen-, Dickdarm- und Prostatakrebs. Auf den ursprünglichen Tumor selbst war der Effekt hingegen deutlich schwächer ausgeprägt.

Darüber hinaus analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, was eine Kombination von Sildenafil mit Statinen bewirkt. Statine sind Medikamente, die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden. Während Sildenafil in den untersuchten Zellen den Abtransport von Cholesterin erschwert, hemmen Statine gleichzeitig dessen Neuproduktion. In den durchgeführten Experimenten zeigte diese Kombination einen verstärkten Effekt gegen die Ausbreitung der Krebszellen.

Millionen Patientendaten

Ergänzend zu den Labor- und Tierversuchen wertete das Forschungsteam Gesundheitsdaten von rund fünf Millionen Versicherten des israelischen Krankenversicherungsträgers Clalit aus. Darunter befanden sich etwa 40.000 Männer mit einer Krebserkrankung. Die Auswertung ergab: Krebspatienten, die Sildenafil eingenommen hatten, wiesen in den Daten bessere Überlebensraten auf – besonders ausgeprägt bei jenen Männern, die zusätzlich Statine einnahmen.

Dieser Befund bedarf jedoch einer wesentlichen Einschränkung: Bei dem beschriebenen Teil der Untersuchung handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Ein statistischer Zusammenhang ist kein Beweis für eine ursächliche Wirkung – andere Unterschiede zwischen den verglichenen Patientengruppen könnten die Ergebnisse ebenfalls erklären. Eine behördlich zugelassene Anwendung von Sildenafil zur Vorbeugung oder Behandlung von Metastasen existiert nicht.

Abgeschlossene großangelegte klinische Studien, die einen solchen Nutzen beim Menschen eindeutig belegen könnten, liegen bislang nicht vor. Die vorhandenen Erkenntnisse basieren auf Zell- und Tierversuchen sowie auf der Auswertung bereits erhobener Gesundheitsdaten. Bevor Sildenafil tatsächlich als Mittel gegen die Ausbreitung von Krebs in Betracht gezogen werden könnte, müssten klinische Studien zunächst klären, ob der beobachtete Effekt beim Menschen tatsächlich eintritt, für welche Patientengruppen er relevant wäre, welche Dosierung geeignet wäre und wie sich der Wirkstoff mit bestehenden Krebstherapien kombinieren ließe.

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KO KOSMO-Redaktion
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