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Todeszone

Tödlicher Hadsch: Der gefährlichste Pilgerweg der Welt

Tödlicher Hadsch: Der gefährlichste Pilgerweg der Welt
FOTO: iStock/afby71
4 Min. Lesezeit |

Unter glühender Wüstensonne und bei Temperaturen bis 50 Grad Celsius beginnt die Hadsch-Wallfahrt. Trotz tödlicher Risiken strömen Hunderttausende nach Mekka.

Bei Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius rüsten sich Hunderttausende Muslime für die bevorstehende Hadsch-Wallfahrt nach Mekka. Die Sommerhitze auf der arabischen Halbinsel stellt die Pilger vor extreme körperliche Herausforderungen.

In Mekka klettern die Temperaturen im Juni regelmäßig über 40 Grad, nicht selten sogar bis zur 50-Grad-Marke. Dennoch werden auch in diesem Jahr Hunderttausende Gläubige den Weg zu den heiligen Stätten des Islam antreten. Im Vorjahr versammelten sich rund 1,8 Millionen Menschen in Mekka und Medina, den beiden bedeutendsten Pilgerstätten des islamischen Glaubens.

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Die gesundheitlichen Risiken der Wallfahrt unter solchen Bedingungen zeigten sich im vergangenen Jahr auf tragische Weise: Mehr als 1.300 Menschen starben bei Temperaturen von über 50 Grad, weitere 2.700 erlitten einen Hitzschlag. Nach Angaben der saudischen Behörden handelte es sich bei den meisten Todesopfern um nicht registrierte Pilger, die keinen Zugang zu den offiziellen Transportmitteln, klimatisierten Unterkünften oder Wasserversorgungsstellen hatten. In dieser Umgebung kann bereits ein halbstündiger Fußmarsch in der Mittagshitze zur vollständigen Erschöpfung führen.

Persönliche Erfahrungen

Die Indonesierin Tifa Asrianti erinnert sich noch gut an ihren ersten Saudi-Arabien-Besuch vor zwei Jahrzehnten: „Der Austritt aus dem Hotel fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Meine Nase begann zu bluten und meine Lippen waren ausgetrocknet.“ Obwohl sie aus ihrer Heimat an hohe Temperaturen gewöhnt war, beschreibt sie die trockene Wüstenluft als „Schock“. Nun bereitet sie sich auf ihre Teilnahme am Hadsch vor, der am Mittwoch beginnt – diesmal mit besserer Vorbereitung, wie sie hofft.

Selbst offiziell zugelassene Teilnehmer mit entsprechender Ausrüstung blicken mit Sorge auf die bevorstehende Pilgerreise. Asrianti erwog sogar, ihre Wallfahrt auf das Jahr 2026 zu verschieben, wenn der Hadsch aufgrund des islamischen Mondkalenders etwa elf Tage früher stattfinden und somit in den etwas kühleren Mai fallen wird.

Doch viele Gläubige wollen nicht länger auf die Erfüllung einer der fünf Grundpflichten des Islam warten. „Die hohen Temperaturen sind mir bewusst“, erklärt der 61-jährige Ägypter Mansur Schihata aus Dakahlia. „Sollte ich dort sterben, wäre es ein Segen, an diesem heiligsten Ort der Welt mein Leben zu beenden.“ Er weiß um die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen: ausreichend Wasser trinken, Sonneneinstrahlung vermeiden und einen Sonnenschirm tragen.

Behördliche Maßnahmen

Die saudischen Behörden verstärken ihre Bemühungen gegen unregistrierte Pilger. Wer Muslime ohne offizielle Hadsch-Genehmigung zu den heiligen Stätten bringt, muss mit Geldstrafen von bis zu 23.000 Euro rechnen. Erstmals wurden auch spezielle Hadsch-Ausweise mit persönlichen Daten und Angaben zum Reiseveranstalter eingeführt. In den vergangenen Tagen wurde rund 270.000 Personen ohne offizielle Zulassung der Zugang nach Mekka verwehrt, zudem beschlagnahmten die Behörden 5.000 Fahrzeuge.

Der Verzicht auf die offizielle Anmeldung hat oft finanzielle Gründe. Während Einheimische für einige hundert Euro am Hadsch teilnehmen können, müssen ausländische Pilger bei Reiseveranstaltern mindestens 5.000 Euro, teilweise sogar mehr als 10.000 Euro bezahlen.

Für Saudi-Arabien bleibt die jährliche Wallfahrt nach dem Öl- und Gasgeschäft die wichtigste Einnahmequelle. Angesichts niedriger Ölpreise und kostspieliger Wirtschaftsreformen steht die Regierung unter Druck, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, um hohe Teilnehmerzahlen und Milliardeneinnahmen zu sichern. In der Vergangenheit kam es in Mekka bereits zu mehreren Katastrophen mit insgesamt tausenden Todesopfern, darunter eine Massenpanik, ein Brand in einem Zeltlager und der Einsturz eines Fußgängertunnels.

„Die Temperaturen stellen eine echte Herausforderung dar“, berichtet die bereits in Mekka eingetroffene Ägypterin Iman Chater. „Wir hoffen auf Gottes Hilfe, um damit zurechtzukommen.“ Wasservernebler, Trinkwasserstationen und klimatisierte Gebetsräume und Unterkünfte machten die Situation jedoch etwas erträglicher, fügt sie hinzu.

Dedeh Kurniasih, die seit mehreren Monaten in der saudischen Hauptstadt Riad lebt, kämpft noch immer mit der Anpassung an das Klima. „Meine Haut ist extrem trocken“, klagt sie. Die Hitze verursache ein brennendes Gefühl auf der Haut. Auch sie leidet unter Nasenbluten und vermisst die hohe Luftfeuchtigkeit ihrer indonesischen Heimat.

Dennoch möchte sie während der Wallfahrt einige Strecken zu Fuß zurücklegen. „Das Gehen erfüllt mich mit Freude“, erklärt sie. Als Schutzmaßnahmen gegen die Hitze setzt sie auf einen UV-abweisenden Sonnenschirm, täglich drei Liter Wasser und reichlich Sonnencreme. Größere Menschenansammlungen will sie nach Möglichkeit meiden.