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Digitalisierungswahn

Touristen empört: Urlaubsinsel verwaltet Strandliegen per App

Touristen empört: Urlaubsinsel verwaltet Strandliegen per App
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Mallorcas Strände im Griff der Digitalisierung: Ohne Online-Reservierung keine Liegegarantie. Der entspannte Strandtag auf Mallorca erfordert mittlerweile mehr Planung als nur das Einpacken von Sonnenschutz und Badetuch.

An zahlreichen Küstenabschnitten der Baleareninsel (spanische Inselgruppe) hat ein digitales Reservierungssystem Einzug gehalten, das besonders bei Spontanbesuchern und Einheimischen für Unmut sorgt. In beliebten Touristenhochburgen wie Calvia, Alcudia und Santa Ponca ist der direkte Zugang zu Strandliegen ohne vorherige Online-Buchung praktisch unmöglich geworden – wer keinen digitalen Platzhalter vorweisen kann, muss alternative Lösungen für seinen Strandaufenthalt finden.

Digitale Buchungsplattformen

Digitale Plattformen wie „Beach Manager“ ermöglichen es Urlaubern, ihre Strandplätze bereits lange vor der Anreise zu sichern. Die Nutzer wählen dabei nicht nur den gewünschten Tag, sondern auch Zeitfenster und exakte Position am Strand. Die reservierten Plätze werden mit roten Markierungsbändern gekennzeichnet und vom Strandpersonal überwacht – unberechtigte Nutzer werden konsequent weggewiesen.

Das Standardpaket aus zwei Liegen mit Sonnenschirm kostet durchschnittlich 18 Euro pro Tag. Darüber hinaus lockt das System mit Komfort-Upgrades: Premium-Liegen mit zusätzlichen Annehmlichkeiten wie speziellen Auflagen, Handtüchern oder Schließfächern stehen zur Auswahl – allerdings zu deutlich höheren Preisen von teilweise über 50 Euro täglich. Sämtliche Zahlungen werden direkt über die Anwendung abgewickelt.

Offiziell bestätigter Ausbau für 2025

Die Stadtverwaltung von Palma bestätigte im Juli 2024 offiziell die flächendeckende Einführung des digitalen Reservierungssystems ab 2025. Das Vorhaben ist Teil einer umfassenden Initiative für „intelligente Strände“, die auch kostenloses WLAN an allen Stränden vorsieht. Dieses soll die Nutzung der Buchungs-Apps erleichtern und den digitalen Ablauf gewährleisten.

Hoteliers bevorzugt

Für zusätzlichen Ärger sorgt die Praxis einiger Hotelanlagen in den Strandregionen. Diese sichern sich über die Buchungsportale strategisch die begehrtesten Plätze in den vorderen Reihen und bieten sie exklusiv ihren eigenen Gästen an. Obwohl der Preis formal identisch bleibt, sind diese Premium-Positionen für normale Strandbesucher kaum noch verfügbar.

Mehrere Gemeinden wie Calvià, Alcúdia und Santa Ponça bestätigten diese Praxis bereits offiziell. Die exklusive Vergabe der besten Strandplätze wird als besonders unfair empfunden, da öffentliche Strände als Allgemeingut gelten und allen Besuchern gleichermaßen zur Verfügung stehen sollten.

Die Situation verschärft sich durch die eingeschränkten Buchungszeiten – an manchen Stränden ist das Reservierungssystem nur zwischen 16 Uhr abends und 6 Uhr morgens geöffnet, was die Chancen auf einen Platz in den begehrten vorderen Reihen weiter minimiert.

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KO KOSMO-Redaktion
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