Während Raketen noch fliegen, verkündet Trump einen Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran. Die überraschende Friedensinitiative kommt inmitten anhaltender Kampfhandlungen.
US-Präsident Donald Trump verkündete überraschend einen „vollständigen und totalen Waffenstillstand“ zwischen Israel und dem Iran, während die militärischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten noch andauerten. Der von Trump skizzierte Plan sieht vor, dass zunächst der Iran für zwölf Stunden seine Angriffe einstellt, woraufhin Israel nachziehen soll. Nach dieser Sequenz solle der Konflikt, den Trump als „Zwölftagekrieg“ bezeichnete, als beendet gelten. Nach Angaben amerikanischer Medien war Katar maßgeblich an den Vermittlungsbemühungen beteiligt.
Eine offizielle Bestätigung des Waffenstillstands durch Israel steht bislang aus. Der israelische Fernsehsender Channel 12 berichtete jedoch, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe in einem Gespräch mit Trump einer Waffenruhe unter der Bedingung zugestimmt, dass der Iran seine Angriffe einstelle. Aus Teheran verlautete über den staatlichen Rundfunk, die Feuerpause sei dem „Feind aufgezwungen“ worden. Die iranische Regierung knüpft die Einstellung ihrer Militäraktionen an Bedingungen: Sollte Israel seine „illegale Aggression“ bis 4.00 Uhr Ortszeit beenden, werde der Iran seine Reaktion nicht fortsetzen, erklärte Regierungsvertreter Abbas Araktschi.
Bis zum frühen Dienstagmorgen setzten sich die gegenseitigen Angriffe fort. Das israelische Militär meldete seit Trumps Ankündigung fünf Raketenalarme aufgrund iranischer Geschosse. In der Nacht forderte ein iranischer Raketenangriff in Israel drei Todesopfer. Parallel dazu forderte Israel die Bewohner eines Teils von Teheran zur Evakuierung auf. Nach vier Uhr morgens wurden keine weiteren israelischen Angriffe auf iranisches Territorium gemeldet.
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Trumps Vermittlungsrolle
Vor seiner Waffenstillstandsankündigung hatte Trump dem Iran gedankt, dass die USA vor dem Angriff auf den US-Stützpunkt al-Udeid in Katar gewarnt worden seien. Bei diesem Angriff gab es keine Verletzten oder Todesopfer. Auf dem Stützpunkt sind etwa 10.000 US-Soldaten stationiert. Von den 14 abgefeuerten Raketen wurden nach amerikanischen Angaben 13 abgefangen, während die verbleibende Rakete auf einer ungefährlichen Flugbahn unterwegs war. Trump bezeichnete den iranischen Vergeltungsangriff als „sehr schwache Antwort“ auf die vorherigen US-Bombardements iranischer Atomanlagen.
Der iranische Angriff auf den US-Militärstützpunkt in Katar erfolgte als Vergeltungsmaßnahme. Militärexperte Nico Lange analysierte in einem ZIB2-Interview das strategische Vorgehen Teherans. Zuvor hatten US-Streitkräfte mit bunkerbrechenden Bomben die iranischen Urananreicherungsanlagen in Fordo und Natans attackiert. Zusätzlich wurden die Atomanlagen in Isfahan von einem U-Boot mit Marschflugkörpern beschossen, woraufhin der Iran Vergeltung ankündigte.
Interessanterweise zeigen jüngst bekannt gewordene diplomatische Aktivitäten, dass die USA und der Iran bereits am 12. April 2025 in Muscat, Oman, Gespräche führten, die beide Seiten als „positiv und konstruktiv“ bezeichneten. Diese Verhandlungen fanden parallel zur militärischen Eskalation statt und betrafen vor allem Irans Forderungen nach Sanktionslockerungen und die amerikanische Position zur Aufgabe des iranischen Atomprogramms. Trotz bestehender Differenzen vereinbarten beide Seiten weitere Gesprächsrunden, was auf parallele diplomatische Bemühungen hindeutet.
Regionale Reaktionen
Die Art des iranischen Gegenschlags deutet darauf hin, dass Teheran keine weitere Eskalation anstrebt. Die „New York Times“ berichtete, der Iran habe die katarischen Behörden im Vorfeld des Angriffs informiert. Teheran sah sich offenbar zu einer symbolischen Reaktion gezwungen, wollte jedoch allen Beteiligten einen gesichtswahrenden Ausweg ermöglichen.
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Saudi-Arabien verurteilte den Angriff auf den US-Stützpunkt als „eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht“ und bezeichnete das iranische Vorgehen als „unter keinen Umständen akzeptabel“. Jordanien forderte ein Ende der Eskalationsspirale und die Rückkehr zu Verhandlungen. Die Vereinigten Arabischen Emirate betonten, nur ein ernsthafter Dialog könne die regionalen Krisen überwinden.
Oman, das als Vermittler zwischen den Konfliktparteien agiert, bezeichnete die Attacke als inakzeptabel und drängte auf die Wiederaufnahme friedlicher Verhandlungen.
Wandel in Trumps Haltung
Regierungsquellen zufolge hatte Trump zunächst versucht, Israel von einem militärischen Vorgehen gegen den Iran abzuhalten und auf diplomatische Lösungen gesetzt. Nach Beginn der israelischen Offensive änderte der US-Präsident jedoch seine Position und unterstützte öffentlich das israelische Vorgehen. Beobachter deuten Trumps jetzige Vermittlungsbemühungen als Versuch, die Kontrolle über die Eskalation zurückzugewinnen und internationale Anerkennung als Friedensstifter zu erlangen.
US-Regierungsvertreter betonen, dass Washington zwar über die israelischen Angriffspläne informiert war, aber keine aktive Rolle bei deren Ausarbeitung gespielt habe. Die tatsächliche Wirksamkeit von Trumps Initiative wird von Diplomaten und Nahostexperten allerdings als begrenzt eingeschätzt, da sowohl Israel als auch der Iran bereits vor seiner Ankündigung Signale der Deeskalation ausgesendet hatten.