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Türkei: Handy-App wurden bosnischem Studenten zum Verhängnis

Seit dem 22. Mai ist der Student aus Bosnien-Herzegowina in der Türkei in Haft. (Foto: Facebook)

1000 Türken wurden verhaftet und 11.480 entlassen, weil ein Messengerdienst auf dem Smartphone angeblich ihre Nähe zu Putschisten beweist. Auch ein bosnischer Student sitzt wegen der App im Gefängnis.

Der Messengerdienst ByLock wird, laut türkischen Behörden, von Mitgliedern der Fetullahistischen Terrororganisation benutzt. Verhaftungen und Entlassungen waren die Konsequenzen zahlreiche türkische Staatsbürger. Auch ein Student aus Bosnien-Herzegowina wurde verhaftet. Selmir Mašetović sitzt seit einer Woche hinter Gittern, weil er die vermeintliche App nutzte. Mašetović ist einer der rund 1000 Smartphone-Besitzer, denen die Ermittler die Nutzung von ByLock vorwarfen.

Dem türkischen Geheimdienst Milli İstihbarat Teşkilatı (MIT) zufolge wird die App, die vor dem Putschversuch kaum in der Öffentlichkeit bekannt war, hauptsächlich von Mitgliedern der Gülen-Bewegung verwendet, berichtet „Focus“. ByLock soll verschlüsselte Kommunikation ermöglichen. Die Nutzung des Messengerdienstes gilt seit dem 15. Juli 2016 als Straftat.

Seit dem 22. Mai 2018 sitzt Selmir Mašetović, der zum Studieren in die Türkei gezogen ist, in einem Gefängnis. Seit 2014 studiert Mašetović im Ausland. Türkische Medien berichten, dass die Fetullahistischen Terrororganisation, ausländische Studenten beim Spracherwerb unterstützen, sie schulen und anschließend in ihre Heimatländer zurück schicken. Kommuniziert wurde mit den Studenten via ByLock. Als Gegenleistung erwarte sich die Organisation die Bereitschaft in den Heimatländern aktiv zu sein.

Selmir Mašetović wurden nach seiner Haft keine Besuche oder Telefonate gestattet. Der Vater des verhafteten Mašetović bat die türkische Botschaft in Sarajevo, ihm bei der Kontaktaufnahme zu seinem Sohn zu helfen, den er seit dem 21. Mai nicht mehr gehört habe. Seit Anfang Juni darf der 24-Jährige mit seinem Vater kommunizieren.

Auch der bosnische Botschafter in der Türkei reiste nach Usak (450 Kilometer von Istanbul entfernt), wo sich der junge Mann in Haft befindet. Die bosnische Botschaft habe die Eltern von Mašetović in die Informationen der zuständigen türkischen Staatsanwaltschaft eingeweiht. Selmir Mašetovićs Anwalt gab bekannt, dass bei seinem Mandanten weder gesundheitliche Probleme aufgetreten sind, noch dass hinsichtlich seiner Verhaftung Menschenrechte verletzt wurden. Noch ist unklar, wann der Bosnier entlassen wird.

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