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INTERVIEW

Ulli Sima: „Wien baut hier im großen Stil“

Ulli Sima: „Wien baut hier im großen Stil“
Fotos: © Stadt Wien/Schedl
6 Min. Lesezeit |

INTERVIEW: Ulli Sima, Wiens Stadträtin für Planung, Verkehr und Energie, spricht für KOSMO überlaufende Großbaustellen, die Zukunft der U-Bahn, erneuerbare Energieprojekte sowie Maßnahmen zur Verbesserung von Klimaschutz und Lebensqualität in der Stadt.

KOSMO: Viele der aktuellen und kommenden Bauarbeiten – etwa an S-Bahn und U-Bahn-Strecken – betreffen zahlreiche Pendler*innen. Welche Ziele verfolgt die Stadt mit diesen Projekten und wie möchten Sie die Bevölkerung währen der Bauzeit bestmöglich unterstützen?
Ulli Sima: Fahrgäste brauchen sich keine Sorgen machen. Für die Hauptsperre zwischen Wien Hauptbahnhof und Wien Praterstern von Ende September 2026 bis Ende Oktober 2027 arbeiten die ÖBB, die Stadt Wien und die Wiener Linien in enger Abstimmung an der Erstellung eines umfassenden Ersatzverkehrskonzeptes, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Eine wichtige Maßnahme dafür ist die Verlängerung der Linie 18. Der 18er wird um eine neue 3,1 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen U3 Schlachthausgasse und U2 Stadion verlängert. Damit bietet die Linie 18 eine zusätzliche Alternativstrecke für die S-Bahn, um eine großräumige Umfahrung zu ermöglichen und die S-Bahn St. Marx mit dem Osten Wiens zu verbinden.

Beim U5-Ausbau gab es zuletzt zeitliche Verschiebungen und budgetäre Anpassungen. Können Sie erläutern, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und wie die nächsten Schritte aussehen?
Ulli Sima: Das wichtigste zuerst: es gibt keinen Baustopp, wir bauen die nächsten 10 Jahre an der U2xU5 und werden dann damit 300 Mio zusätzliche Fahrgäste pro Jahr erreichen. Die U5-Station Frankhplatz wird 2026 fertig und dient dem Testbetrieb für den vollautomatischen Betrieb. Eine frühere Inbetriebnahme wird aus Budgetgründen nicht umgesetzt, da damit nur eine neue einzige Station, Frankhplatz, auf 630 Metern angebunden wäre. Noch einmal zur Klarstellung: Der Bereich ist durch die bestehende Strecke der U2 von Karlsplatz bis Rathaus sowie die Linien 43 und 44 sehr gut angebunden. Die Doppelführung von U2 und U5 zwischen Karlsplatz und Rathaus wäre teuer, komplex und störungsanfällig – daher startet der Betrieb der U5 wie die U2-Verlängerung im Jahr 2030.

FOTO: © Stadt Wien/Fürthner

Durch die spätere Inbetriebnahme werden rund 20 Mio. Euro eingespart und die U2 dient während der S-Bahn-Stammstreckensperre ab 2026 als stabile Ausweichroute. Die Bauarbeiten an der U2-Verlängerung sowie die Genehmigungen für die zweite Baustufe (U5 nach Hernals, U2 bis Wienerberg) laufen weiter; die Baustarts werden auf 2028 bzw. 2030 verschoben. Die Fertigstellung ist für Mitte der 2030er Jahre geplant.

„Ein Herzensprojekt für mich ist unsere Initiative ist ’Raus aus dem Asphalt’“.

Wien setzt umfassend auf erneuerbare Energien. Wir ordnen Sie den ImWind-Erwerb in die Gesamtstrategie ein, und welche Entwicklungen sind in diesem Bereich in den nächsten Jahren geplant?
Ulli Sima: Die Investition in den Ökostrompionier ImWind war ein echter Big Bang in der Energiewende der Stadt. Wien hat damit 52 Windkraft- und 4 PV-Anlagen zusätzlich zum Bestand erworben. Das war ein Meilenstein, um unabhängig von Gas zu werden und damit leistbare Preise zu sichern. Stand jetzt können wir alle Wiener Haushalte bis 2030 mit regionalem Ökostrom versorgen. Unser Ziel ist es mithilfe von Sonne, Wind und Wasser den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen zu schaffen. Das ist ein Akt der Befreiung vom unberechenbaren Markt und den Preisschwankungen.

Wien hat das Jahresziel beim Ausbau von Sonnenstrom übertroffen. Welche Fortschritte erwartet die Stadt beim Klimaziel 2040?
Ulli Sima:
Wien baut hier im großen Stil – Sie müssen sich vorstellen, allein die Wien Energie errichtet jede Woche Photovoltaikflächen in der Größe eines Fußballfeldes. Unsere Klimainitiative geht aber darüber hinaus. Wir haben in der Seestadt Aspern nach intensivem Suchen das lang ersehnte Heißwasser in 3.000 Metern Tiefe gefunden. Das ist ein Wärmeschatz, der mithilfe der Tiefengeothermie künftig im Vollausbau bis 2040 bis zu 200.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen kann.

In mehreren Bezirken werden Straßenräume neugestaltet und beruhigt. Welche Überlegungen stehen hinter diesen Maßnahmen, und wie sollen sie das tägliche Leben der Menschen verbessern?
Ulli Sima: Ein Herzensprojekt für mich und zentrale Maßnahme zur Verbesserung der Lebensqualität ist unsere Initiative ist „Raus aus dem Asphalt“. Diese Maßnahme spüren die Wienerinnen und Wiener ganz unmittelbar vor ihrer Haustüre. Wir haben damit in den letzten fünf Jahren eine Rekordbegrünung gestartet mit über 344 Projekten in allen 23 Bezirken. Wir haben Straßen und Plätze entsiegelt, begrünt und gekühlt! Wir haben fast 86.000 Quadratmeter Straßenraum in grüne Aufenthaltsoasen verwandelt, wir haben im Straßenraum und auf Plätzen über 3.316 Bäume gepflanzt. Das ist ein enormer Gewinn in einer Millionenmetropole. Allein der Klimaboulevard Thaliastraße ist ein Vorzeigebeispiel der auf 2,8 Kilometern Länge mit Bäumen und Gräsern begrünt wurde. Mit all unseren Projekte können sie eine Sonderausgabe von Kosmo füllen! Geben Sie Bescheid, ich bin bereit!

In vielen Grätzeln mit starkem Bezug zur Balkan-Diaspora laufen derzeit unterschiedliche Stadtentwicklungs- und Mobilitätsprojekte. Welche Schwerpunkte setzt die Stadt dort, um die Lebensqualität weiter zu stärken?
Ulli Sima: Unser Zugang ist Aufenthaltsqualität und Abkühlung zu schaffen. Das ist wesentlich, um die heißen Sommermonate in der Stadt auszuhalten. Schauen Sie sich die Favoritenstraße an: Bislang war das ein Hitzehotspot ohne Begrünung. Wir verpassen der Straße gerade ein klimafittes Facelift mit 100 neuen Bäumen und Sträuchern, Trinkbrunnen und Sitzgelegenheiten, und zwar auf den gesamten 1,3 Kilometern Länge, so dass sich die Menschen gerne dort aufhalten.

Der erste Abschnitt ist fast fertig und dann folgt der zweite bis zum Reumannplatz – Sie werden die Fußgängerzone nicht wiedererkennen!

FOTO: © Stadt Wien/Fuchs

Der Umstieg auf klimafreundliche Mobilität betrifft Menschen sehr unterschiedlich. Wie stellt die Stadt sicher, dass neue Maßnahmen für alle Bevölkerungsgruppen gut nachvollziehbar und leistbar bleiben?
Ulli Sima: Die Maßnahmen werden erfreulicherweise bereits sehr gut angenommen: insgesamt sind die Wienerinnen sehr umweltfreundlich unterwegs. Drei Viertel fahren mit den Öffis, mit dem Rad oder gehen zu Fuß. Das ist bequem, günstig, flexibel und rasch. Und was die Öffi-Tickets betrifft, so erweitern die Wiener Linien ab dem 1.Jänner 2026 auch ihr Angebot an ermäßigten Jahreskarten: Neben der bestehenden Senior*innenkarte ab 65 Jahren, gibt es künftig auch die Jahreskarte Jugend für alle unter 26 sowie die Jahreskarte Spezial für Menschen mit Behinderungen. Alle drei Tickets kosten jeweils digital 294 Euro pro Jahr – das bedeutet rund 81 Cent pro Tag durch das gesamte Netz der Stadt. Die ermäßigten JK bieten damit leistbare Mobilität für jene, die sie besonders brauchen.

Die Jahreskarte Jugend ist für alle jungen Menschen erhältlich, unabhängig davon, ob sie studieren, in Ausbildung sind oder arbeiten. Die Jahreskarte Spezial richtet sich an Menschen mit einem Behinderungsgrad ab 70% und schafft neue Teilhabechancen im Alltag.

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KO KOSMO-Redaktion
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