Dreiste Forderungen, unentschuldigtes Fernbleiben und kulturelle Konflikte – eine Wiener Unternehmerin packt über ihre erschütternden Erfahrungen mit Jobsuchenden aus.
Eine Wiener Unternehmerin schildert ihre Erfahrungen mit problematischen Bewerbern. Seit fast zwei Jahrzehnten führt sie erfolgreich ein Dienstleistungsunternehmen, doch die Begegnungen mit manchen Jobsuchenden bringen sie zur Verzweiflung. „Ich habe schon alles erlebt“, berichtet sie im Gespräch mit „Heute“ und beschreibt einen besonders dreisten Fall: Ein syrischer Bewerber verlangte während des Vorstellungsgesprächs eine geringfügige Anmeldung, während der Restbetrag „schwarz“ ausgezahlt werden sollte – mit der Begründung, seine Sozialhilfe behalten zu wollen. Als die Geschäftsführerin dies ablehnte, wurde sie mit den Worten „Du bist eine Frau, du hast mir gar nichts zu sagen“ konfrontiert.
Die Liste ungewöhnlicher Bewerberreaktionen setzt sich fort. Eine AMS-Bezieherin antwortete auf die Einladung zum Vorstellungsgespräch: „Ich genieße gerade meinen Urlaub und bin nicht in Österreich. Bitte rufen Sie im September wieder an.“ Die Unternehmerin reagiert fassungslos: „Wo kommen wir da bitte hin?“ Zudem berichtet sie von „Geister-Bewerbern“, die Termine vereinbaren, aber nicht erscheinen oder sich kurzfristig abmelden – ohne Krankmeldung.
Probleme mit AMS
Die Firmenchefin erklärt ihr Vorgehen: Sie erhält regelmäßig Kandidatenlisten vom AMS, kontaktiert die Personen und meldet nicht erreichbare Bewerber zurück. Dies führe gelegentlich zu Problemen: „Wenn ich eine Person beim AMS melde, dann bekommt das diejenige Person gesagt. Die streitet natürlich alles ab und hinterlässt mir dann im Internet auch noch eine schlechte Bewertung.“
Weitere Herausforderungen stellen Bewerber dar, die weit entfernt wohnen oder keine Deutschkenntnisse besitzen. „Wie stellen sich die das bitte vor? Wir haben Kundenkontakt – da muss man sich verständigen können“, betont die Unternehmerin. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Bewerberin mit spezifischen Anforderungen: „Ich arbeite nur mit Kopftuch und möchte mit keinen männlichen Kollegen arbeiten. Außerdem bediene ich auch keine männlichen Kunden.“
Die Geschäftsführerin stellt klar, dass sie Menschen verschiedenster Herkunft und Religionen beschäftigt und ein Kopftuch grundsätzlich kein Problem darstelle. „Aber wir haben eben auch männliche Kollegen und männliche Kunden. Das geht halt nicht.“ Ihr Fazit ist eindeutig: „So kann es einfach nicht weitergehen. Es muss sich etwas ändern!“ Auch eine AMS-Kursteilnehmerin namens Martina (Name geändert) äußert in „Heute“ Kritik am Ablauf der Seminare.
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Arbeitsmarktlage verschärft sich
Das AMS reagiert auf die Kritik mit einem Hinweis auf bestehende Beschwerdemöglichkeiten: „In jedem Bundesland sind AMS-Ombudsstellen eingerichtet, die für Beschwerden oder sonstige Anliegen von Kunden da sind. Kursteilnehmer, die mit ihrer Schulung unzufrieden sind, empfehlen wir außerdem die Rücksprache mit ihren Beratern.“
Die aktuellen Arbeitsmarktdaten zeigen Ende Juli einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 5,5 Prozent auf 289.968 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Die Register-Arbeitslosenquote liegt bei 6,7 Prozent, was einem Anstieg von 0,3 Prozentpunkten entspricht. Positiv entwickelt sich hingegen die Beschäftigung mit einem leichten Wachstum von schätzungsweise 16.000 Arbeitsverhältnissen.
Bei Frauen steigt die Arbeitslosigkeit mit 6,8 Prozent stärker als bei Männern mit 4,3 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit wächst erstmals seit Monaten unterdurchschnittlich um 3,7 Prozent, während die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden deutlich zunimmt (+7,3 Prozent oder +685). Die Arbeitslosigkeit steigt sowohl bei ausländischen Staatsbürgern (+5,3 Prozent) als auch bei Inländern (+5,5 Prozent).
Besonders besorgniserregend entwickelt sich die Langzeitarbeitslosigkeit: Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen mit mindestens einjähriger AMS-Vormerkung stieg auf rund 90.500 Personen (+8.100 oder +9,8 Prozent). Diese Entwicklung verschärft die Situation am österreichischen Arbeitsmarkt zusätzlich, da Langzeitarbeitslosigkeit oft mit einer Erosion der beruflichen Qualifikationen und sozialen Integration einhergeht.