Tiroler Forscher nehmen den RSV-Impfschutz für die Kleinsten unter die Lupe. Hinter dem Projekt steckt eine wichtige Frage zur langfristigen Wirksamkeit.
Die Medizinische Universität Innsbruck nimmt die RSV-Impfung für Säuglinge und Kleinkinder genauer unter die Lupe. Im Fokus der Untersuchung steht die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), wobei sowohl Patientenproben als auch Abwasseranalysen zum Einsatz kommen. Seit Oktober 2024 steht die passive Immunisierung mit Nirsevimab für Neugeborene und Kleinkinder kostenfrei zur Verfügung. Zulassungsstudien belegen eine Risikoreduktion von etwa 75 bis 80 Prozent durch die Antikörpergabe.
Das Forschungsprojekt der Medizinuni konzentriert sich nun darauf, ob dieser Schutz auch auf lange Sicht bestehen bleibt. Entscheidend ist dabei, ob neue Virusvarianten entstehen, die den Impfschutz umgehen können. Die Ergebnisse sollen direkt in die öffentliche Gesundheitsstrategie Tirols einfließen.
Gefahr für Kleinkinder
Das Respiratorische Synzytial-Virus zählt zu den häufigsten Auslösern schwerwiegender Atemwegsinfektionen bei Babys und Kleinkindern. Für Kinder bis vier Jahre stellen diese Viren den Hauptgrund für Klinikeinweisungen dar. In der Saison 2023/24 wurden österreichweit mehr als 2.600 Kinder deswegen stationär behandelt.
Drei Viertel der betroffenen Kinder waren jünger als sechs Monate. Die RSV-Saison erstreckt sich typischerweise von Oktober bis April, mit einem Höhepunkt in den Wintermonaten. Besonders gefährdet sind Frühgeborene und Kinder mit Grunderkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge.
Tiroler Forschungsprojekt
In der kommenden RSV-Saison 2025/2026 werden genetische Analysen von Proben infizierter Kinder in Tirol sowie von Abwasserproben durchgeführt, um mögliche Mutationen frühzeitig zu identifizieren. Neben der Suche nach resistenten Virusvarianten werden auch die tatsächlichen Wirksamkeitswerte der Antikörper überprüft.
Das Land Tirol fördert das Projekt auf Antrag der Wissenschafts- und Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele mit rund 76.500 Euro. Das Pilotprojekt ist Teil einer breiteren Initiative zur Überwachung von Virusmutationen in der Region.
„Die Kombination aus patienten- und abwasserbasierten Untersuchungen ermögliche es, das RSV-Infektionsgeschehen in Tirol noch präziser zu erfassen“, erklärt Projektleiterin Wegene Borena vom Institut für Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck.
„Die Ergebnisse fließen direkt in die öffentliche Gesundheitsstrategie ein, um rasch reagieren zu können, falls sich resistente RSV-Varianten ausbreiten“.