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Rekordzahlen

Um 24 Prozent gestiegen: Immer mehr Fälle von Geschlechtskrankheiten in Wien

Um 24 Prozent gestiegen: Immer mehr Fälle von Geschlechtskrankheiten in Wien
FOTO: iStock/Witoon Pongsit
4 Min. Lesezeit |

Wien meldet Rekordzahlen bei Geschlechtskrankheiten – und ein neues Zentrum soll die Wende bringen.

In Wien verzeichnen die Gesundheitsbehörden einen deutlichen Zuwachs bei sexuell übertragbaren Infektionen. Laut dem Wiener Gesundheitsamt wurden im laufenden Jahr 2025 in der Bundeshauptstadt knapp 2.000 Gonorrhoe-Fälle registriert – das entspricht einem Anstieg von rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Syphilis wurden rund 600 Fälle gemeldet, was einem Zuwachs von 24 Prozent entspricht. Auch auf europäischer Ebene belegen aktuelle Erhebungen einen klaren Aufwärtstrend bei sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Ein zentrales Problem bei vielen dieser Infektionen ist ihr oft unauffälliger Verlauf. Beschwerden treten nicht zwangsläufig auf – besonders Chlamydien-Infektionen bleiben häufig vollständig symptomfrei. Laut dem österreichischen Gesundheitsministerium verlaufen mindestens 70 Prozent der genitalen Chlamydien-Infektionen ohne Symptome. Trotzdem können Betroffene die Infektion weitergeben.

Typische Warnzeichen können Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz, Ausfluss, Schmerzen im Unterbauch, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr, Hautveränderungen oder Geschwüre im Genitalbereich sein. Auch Beschwerden im Analbereich oder geschwollene Lymphknoten können Hinweise auf eine sexuell übertragbare Infektion sein.

Häufige Krankheitsbilder

Gonorrhoe, umgangssprachlich Tripper genannt, wird durch Bakterien übertragen. Die Infektion kann Genitalien, Rachen oder Enddarm betreffen. Häufige Symptome sind eitriger Ausfluss, Schmerzen oder Brennen beim Urinieren. Bei Frauen sind die Beschwerden oft schwächer ausgeprägt oder fehlen ganz.

Unbehandelt kann Gonorrhoe zu Entzündungen im Beckenbereich führen. In schweren Fällen drohen langfristige Folgen wie Unfruchtbarkeit oder Komplikationen in der Schwangerschaft. Problematisch ist außerdem, dass Gonorrhoe weltweit zunehmend gegen bestimmte Antibiotika resistent wird. Die WHO bezeichnet antimikrobielle Resistenzen bei Gonorrhoe als wachsende Gefahr.

Syphilis ist ebenfalls eine bakteriell verursachte Erkrankung. Ihr erstes Anzeichen ist häufig ein kleines, meist schmerzloses Geschwür an der Eintrittsstelle der Erreger – etwa im Genital-, Anal- oder Mundbereich. Da diese Stelle nicht immer auffällt und von selbst wieder verschwinden kann, bleibt die Erkrankung oft zu lange unerkannt.

In fortgeschrittenen Stadien können Fieber, Lymphknotenschwellungen, Hautausschläge – auch an Handflächen und Fußsohlen –, Kopf- und Gelenkschmerzen auftreten. Ohne Behandlung kann Syphilis nach längerer Zeit schwere Schäden an Organen, Nerven und Herz-Kreislauf-System verursachen. Besonders gefährlich ist eine Infektion während der Schwangerschaft, weil sie auf das ungeborene Kind übertragen werden kann.

Chlamydien zählen zu den am weitesten verbreiteten sexuell übertragbaren Infektionen. Ein Großteil der Betroffenen weiß nicht, dass eine Infektion vorliegt. Wenn Symptome auftreten, können sie sich durch Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Unterbauchschmerzen, Zwischenblutungen oder Beschwerden im Analbereich zeigen.

Gerade bei jungen Menschen sind Chlamydien weit verbreitet. Unbehandelt können sie bei Frauen Entzündungen der Gebärmutter, Eileiter oder des Beckens verursachen. Mögliche Folgen sind chronische Schmerzen, Eileiterschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit. Auch Männer können Entzündungen der Harnröhre, Nebenhoden oder Prostata entwickeln.

Schutz und Prävention

Um der wachsenden Nachfrage nach Beratung, Tests und Behandlung gerecht zu werden, entsteht im Wiener Aids Hilfe Haus am Mariahilfer Gürtel in Wien ein neues Zentrum für sexuelle Gesundheit. Fachleute bewerten diesen Schritt als dringend notwendig. Als Mitursache für den Anstieg der Infektionszahlen nennen Expertinnen und Experten unter anderem den rückläufigen Kondomgebrauch sowie eine verbreitete Unterschätzung der Risiken sexuell übertragbarer Erkrankungen.

Medizinerinnen und Mediziner empfehlen, bei auftretenden Beschwerden rasch ärztliche Hilfe aufzusuchen. Darüber hinaus kann ein Test auch ohne Symptome sinnvoll sein – etwa nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, bei wechselnden Sexualpartnern oder wenn eine Partnerin beziehungsweise ein Partner positiv getestet wurde. Viele dieser Infektionen sind bei früher Diagnose gut behandelbar. Entscheidend ist jedoch, dass auch Sexualpartnerinnen und Sexualpartner informiert und gegebenenfalls mitbehandelt werden.

Kondome senken das Risiko für viele sexuell übertragbare Infektionen deutlich, bieten aber keinen hundertprozentigen Schutz gegen alle Erreger, da manche Infektionen auch über Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen werden können. Trotzdem bleiben sie eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen.

Ebenso wichtig sind regelmäßige Tests und ein offener Umgang mit sexueller Gesundheit. Wer Beschwerden ernst nimmt, sich testen lässt und früh behandelt wird, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere

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KO KOSMO-Redaktion
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