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Kroatien

Ustascha-Rufe und Fackel-Attacke auf Polizist überschatten Matura-Party (VIDEO)

Ustascha-Rufe und Fackel-Attacke auf Polizist überschatten Matura-Party (VIDEO)
FOTO: Screenshot X
6 Min. Lesezeit |

Tausende Maturanten, ein Platz, eine Stadt – und Momente, die nachdenklich stimmen. Kroatiens größtes Schulabschlussfest hält, was es verspricht.

Ort des Geschehens

Unter dem Jubel Tausender junger Menschen verwandelte sich der Ban-Josip-Jelacic-Platz im Herzen Zagrebs in einen brodelnden Treffpunkt: Die Maturanten der kroatischen Hauptstadt feierten ihren letzten Schultag – lautstark, bunt und in gewohnter Tradition. Rund 50 Ordner sicherten das Gelände rund um die eigens aufgestellte Bühne, Rettungsdienste waren ebenso vor Ort wie Sicherheitskräfte.

Die sogenannte Norijada (kroatisches Maturafest) ist in Kroatien weit mehr als ein Schulabschlussfest – sie ist ein landesweites Ritual. Mehr als 30.000 Schülerinnen und Schüler begehen damit das Ende ihrer Schulzeit, jede Region auf ihre eigene Art: Im Norden wird getanzt und in Kostümen gefeiert, in Split zieht es die Maturanten an den Strand von Bacvice, und in Zagreb gehört der Hauptplatz traditionell ihnen – bevor der große Zug zum Bundek-See aufbricht.

Die Stadt Zagreb organisiert und finanziert die Veranstaltung selbst. Den offiziellen Auftakt gestaltete Marko Petar Oreskovic, das musikalische Programm am Bundek – von 13 bis 20 Uhr – übernahmen Miach sowie die DJs TurkDJ, Go Cut, Maro & Rich, Zorden und Philip Jurkovic, dazu die Band Kings und Jaksa Jordes. Bürgermeister Tomislav Tomasevic richtete den Feiernden vorab persönlich aus: „Wir rufen alle Maturanten der Stadt Zagreb auf, sich am zentralen Ort der Feier im Park Bundek zu versammeln. Wir wollen, dass ihnen dieser Tag durch Freundschaft, Freude und den Beginn eines neuen Lebensabschnitts in Erinnerung bleibt.“

Schon in den frühen Morgenstunden füllte sich der Platz, die Stimmung stieg rasch. Gesungen und getanzt wurde von Beginn an. Allerdings kam es auch zu Momenten, die einen anderen Ton anschlugen: Einige Maturanten riefen „Za dom spremni“ (ustaschistischer Gruß), es erklangen Zeilen aus Thompsons Lied „Geni, geni kameni“, und Fackeln wurden gezündet. Dazwischen sangen dieselben Gruppen „Mi plesemo“ und „Hajde da ludujemo“ – ein Nebeneinander, das die Widersprüche des Tages widerspiegelte.

Marko Perković, bekannt unter seinem Künstlernamen Thompson, ist ein kroatischer Sänger, dem Menschenrechtsorganisationen und jüdische Verbände seit Jahren vorwerfen, in seinen Liedern und bei Konzerten Ustascha-Symbole und -Parolen zu dulden beziehungsweise zu verwenden; mehrere seiner Auftritte wurden deshalb in europäischen Ländern wie den Niederlanden, der Schweiz und Österreich verboten oder abgesagt. Das Lied „Bojna Čavoglave“, mit dem Thompson Anfang der 1990er-Jahre bekannt wurde, beginnt mit dem Ustascha-Gruß „Za dom spremni“, was in Kroatien wiederholt zu straf- und verwaltungsrechtlichen Verfahren sowie zu Verboten beziehungsweise Einschränkungen der öffentlichen Aufführung geführt hat.

Reporter vor Ort kamen mit den Jugendlichen ins Gespräch. Während viele von ihnen ein Studium planen, wollen andere den direkten Weg in die Arbeitswelt einschlagen. „Ich bin Dominik von der Technischen Schule Rudjer Boskovic. Ich werde nichts inskribieren – ich fange an zu arbeiten und kauf mir einen BMW“, erklärte einer der Maturanten mit entwaffnender Offenheit.

Zug zum Bundek

Gegen Mittag setzte sich die Kolonne in Bewegung. Begleitet von Polizei, Ordnern, Feuerwehr und Rettungsdienst zogen die Maturanten durch die Stadt – über die Praska, den Trg N. S. Zrinskog, den Strossmayerov trg, den Tomislavov trg, die Mihanoviceva, Miramarska, die Ulica grada Vukovara, die Brücke der Freiheit und schließlich bis zum Bundek. Entlang des Zrinjevac kletterten einige Unerschrockene auf die Gerüste von Gebäuden, die derzeit renoviert werden. Der öffentliche Nahverkehr wurde auf mehreren Linien umgeleitet; nach Ende des Programms wurden die Verbindungen verstärkt, um den Jugendlichen eine rasche Heimfahrt zu ermöglichen.

Nicht überall verlief der Tag so glimpflich wie in Zagreb. Aus Dubrovnik berichtete der Dubrovacki vjesnik von einem weniger friedlichen Umzug: Zwei Maturanten der dortigen Seefahrts- und Technikschule wurden festgenommen – einer wegen Störung der öffentlichen Ordnung, der andere, weil er eine Leuchtfackel auf einen Polizisten geworfen hatte, der zu diesem Zeitpunkt auf einem Motorrad saß.

Am Bundek angekommen, begrüßte Vizebürgermeisterin Danijela Dolenec die Ankommenden persönlich. Zuvor hatte sie die Einsatzkräfte besucht und sich ein Bild der Lage gemacht. „Das sind alles bereits eingespielte Teams, auch die Art der Feier selbst. Allein in Zagreb sind es fast neuntausend Maturanten, die heute ein großes Kapitel in ihrem Leben abschließen und ein neues aufschlagen. Bisher ist alles okay – hoffen wir, dass es so bleibt. Ich würde ihnen sagen: Habt Spaß, aber passt dabei auf euch auf“, sagte sie. Auf Fragen zu Vorfällen am Hauptplatz – darunter das Herausreißen von Verkehrsschildern und Rufe wie „Ajmo ustase“ – reagierte Dolenec gelassen: Solche Vorkommnisse habe es auch in früheren Jahren gegeben. „Das sind, soweit ich weiß, bislang isolierte Zwischenfälle, und alles läuft gut. Sollte es zu Verstößen kommen, ist das natürlich Sache der Polizei“, sagte sie.

Stimmen der Feiernden

Unter den Feiernden herrschte derweil ausgelassene Stimmung. Aus Lautsprechern auf einem begleitenden Lastwagen dröhnten neue und alte Hits, dazu spielten live Saxophone. „Die Stimmung ist großartig. Ich habe die Norijada kaum erwarten können“, erzählte Lara vom XVI. Gymnasium. Was die Zukunft bringt, lässt sie noch offen: „Ich gehe auf die Uni, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, was genau. Heute genießen wir einfach – den Rest regeln wir später.“

Die Mädchen einer Berufsschule für personenbezogene Dienstleistungen, künftige Kosmetikerinnen, brachten es auf den Punkt: „Das Ende einer Phase, aber der Beginn einer neuen, größeren.“ Auch die Maturantinnen der Verwaltungsschule Zagreb zeigten sich mit dem Tag zufrieden – wenngleich nicht mit allem, was sie unterwegs erlebt hatten. „Mir gefällt es nicht, dass Eier und Mehl geworfen werden und alles stinkt. Ich habe auch einen offenen Kanalschacht mitten auf der Route gesehen, und das Abmontieren von Schildern finde ich wirklich katastrophal“, sagte eine von ihnen. Polizei, Musik und Organisation hingegen seien „super“ gewesen. Ihre Mitschülerinnen haben die Zukunft bereits fest im Blick: Jus, Betriebswirtschaft und Kommunikationswissenschaft stehen auf dem Programm.

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KO KOSMO-Redaktion
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