Gleiche Forderung, verschiedene Wege: Bei den French Open offenbart der Spielerprotest eine tiefe Spaltung – auch unter den Stars selbst.
Paris. Eine kurze Umarmung, ein paar freundliche Worte, ein Geburtstagsglückwunsch – mehr brauchte es nicht, als Novak Djokovic, der am Freitag seinen 39. Geburtstag feierte, und Aryna Sabalenka sich bei ihren Pressekonferenzen kurz vor den am Sonntag startenden French Open quasi die Türklinke in die Hand gaben. Was danach auf dem Podium folgte, hätte kaum unterschiedlicher sein können.
Das beherrschende Thema der vergangenen Monate in der Spielerszene: ein größeres Stück vom Preisgeldkuchen. Zwischen zwölf und 16 Prozent schütten die Turniere derzeit aus – zu wenig, finden die Profis, die 22 Prozent fordern. Die gewählte Protestform: Mediengespräche vor Turnierbeginn auf 15 Minuten begrenzen. Dass ausgerechnet Journalisten für ein Versäumnis der Veranstalter büßen sollen, folgt einer eigentümlichen Logik. Das Gesamtpreisgeld der French Open 2025 beträgt laut Angaben der Turnierorganisatoren 53,478 Millionen Euro, was einem Anstieg um 7,8 Prozent gegenüber 2024 entspricht.
Sabalenkas Appell
Sabalenka ließ keinen Zweifel daran, worum es ihr geht: „Hier geht es gar nicht um mich. Es geht um die Spieler, die in der Rangliste weiter unten stehen, die finanziell zu kämpfen haben. Als Nummer 1 der Welt habe ich das Gefühl, dass ich für diese Spieler kämpfen muss, für die Spieler auf den hinteren Plätzen, für jene, die nach Verletzungen ihr Comeback geben, und für die nachrückende Generation.“
Gegenüber den Journalisten im Saal wurde sie deutlich: „Wir wollten die Sache anfangs auf respektvolle Weise angehen und ihr wisst, wie sehr wir euch respektieren und schätzen. Es ist nicht eure Entscheidung; es geht nicht um euch. Es geht lediglich darum, dass wir für einen fairen prozentualen Anteil kämpfen.“ Sabalenka brach ihre Pressekonferenz nach rund zehn Minuten ab und verabschiedete sich mit knappen Worten.
Djokovic hingegen blieb sitzen und redete. Der Serbe trägt das Anliegen mit – nicht aber die Protestform. Er stellte klar: „Nein, ich bin daran nicht beteiligt. Ich war nicht in den Prozess eingebunden, weder in die Gespräche noch in die Planungen oder die Entscheidungsfindung.“
Zersplitterte Gemeinschaft
Inhaltlich ist Djokovic jedoch nicht weit von Sabalenkas Position entfernt. „Wir vergessen zu oft, wie gering die Anzahl der Menschen tatsächlich ist, die von diesem Sport leben können“, sagte der Rekord-Grand-Slam-Champion mit 24 Titeln. Sein Befund zur Lage ist ernüchternd: „Es geht um uns alle als Gemeinschaft: die Grand-Slam-Turniere, die Dachverbände, die Tour-Organisationen. Wir sind derzeit stark zersplittert.“ Die Interessen der Tennisspielerinnen und Tennisspieler gegenüber den vier Grand-Slam-Turnieren werden bei Verhandlungen vor allem von der Professional Tennis Players Association (PTPA) sowie von den bestehenden Spielervertretungen innerhalb von ATP und WTA wahrgenommen.
Turnierdirektorin Amelie Mauresmo zeigte sich von den Spielerforderungen wenig bewegt. „Wir werden jetzt keine Änderungen vornehmen, wir werden aber Gespräche anstoßen“, sagte sie. Alexander Zverev, Weltranglistendritter und Deutschlands Aushängeschild im Herrentennis, plädiert für einen sachlichen Weg: „Wir sollten uns auf einem guten Weg einigen, ohne Streit, ohne irgendwelche Boykotts. Die Turniere sind nicht arm, sondern sie machen genug Geld, immer mehr.“
Eine etwas nüchternere Einschätzung zur Protestform liefert Eva Lys aus Hamburg. Die 24-Jährige stellt fest: „Außer bei den Top-Top-Spielerinnen gibt es ja ohnehin kaum Pressekonferenzen, die 15 Minuten gehen. Mit TV und Social-Media-Kanälen dauert es bis zu einer Stunde und es geht darum, das so kurz wie möglich zu halten. Es ist wichtig, dass wir Spieler gehört werden. Ich bin auch dafür, dass was geändert werden muss.“