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Ortsnamen

Von Unterstinkenbrunn bis Tucanje: Diese skurrilen Orte gibt es wirklich

Von Unterstinkenbrunn bis Tucanje: Diese skurrilen Orte gibt es wirklich
(Symbolbild FOTO: iStock)
6 Min. Lesezeit |

Von Unterstinkenbrunn bis Tucanje: Lustige Ortsnamen in Österreich und am Balkan sorgen schon auf dem Wegweiser für Gesprächsstoff. Manche klingen nach Frühstück, andere werden erst beim Sprachwechsel zweideutig. Wir zeigen zwölf reale Orte und die überraschenden Geschichten hinter ihren Namen.

Wer Deutsch und Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch spricht, hat unterwegs manchmal doppelt Grund zum Schmunzeln. Allerdings führt die erste Assoziation nicht immer zur richtigen Erklärung. Einige Namensgeschichten sind belegt, andere bleiben ungeklärt. Gerade dieser Unterschied macht die Reise durch unsere Sammlung interessant.

Tucanje in Montenegro hat zwei Lesarten

„Wohin geht’s?“ – „Nach Tucanje.“ Mit BKS-Kenntnissen kann daraus schnell ein zweideutiges Gespräch werden. Das Wort bezeichnet unter anderem das Schlagen oder Zerkleinern, wird umgangssprachlich aber auch derb für Sex verwendet. Das Dorf bei Petnjica in Montenegro ist jedenfalls real.

Dort steht die Kula Veljića, ein 1934 errichtetes Gebäude. Das staatliche Tourismusportal beschreibt es als früheren Orientierungspunkt, Treffpunkt von Handelsreisenden und Geschäft. Heute wird dort ein ländlicher Beherbergungsbetrieb vorgestellt. Hinter der schnellen Pointe steckt also ein Stück Geschichte des Bihor-Gebiets. Woher der Dorfname stammt, erklärt diese Quelle nicht.

Unterstinkenbrunn und Oberstinkenbrunn in Niederösterreich

Nein, diese Kombination hat sich niemand für einen Sketch ausgedacht. Unterstinkenbrunn ist eine Gemeinde im Weinviertel, Oberstinkenbrunn gehört zur Marktgemeinde Wullersdorf im Bezirk Hollabrunn. Die beiden Namen haben einen ziemlich bodenständigen Hintergrund: Wasser.

Unterstinkenbrunn verdankt seinen Namen einer stark eisenhaltigen Quelle. Die landeskundliche Erklärung verweist auf deren unangenehmen Schwefelgeruch. Bereits 1147 wurde der Ort als „Stichundenprunne“ erwähnt. Bei Oberstinkenbrunn nennt die Gemeinde ebenfalls eine schwefelhaltige Quelle als vermuteten Ursprung; die erste urkundliche Nennung datiert auf 1291.

Wer vorbeischaut, muss sich nicht auf die Ortstafel beschränken. In Unterstinkenbrunn liegt die Loamgrui, ein Kellerdorf mit kleinen Häusern rund um einen zentralen Platz. Der Name lockt zum Lachen, die Kellergassen zum Entdecken.

Kajgana in Kroatien klingt nach Rührei

Bei diesem Namen bekommt man eher Hunger als Fernweh. Kajgana bedeutet im heutigen BKS-Sprachgebrauch Rührei beziehungsweise eine entsprechende Eierspeise. Es ist zugleich der Name eines Dorfes im Stadtgebiet von Garešnica.

Die Stadtverwaltung führt einen eigenen Ortsausschuss Kajgana. Ob der Dorfname tatsächlich mit dem Essen zusammenhängt, ist dagegen nicht gesichert. Eine aus dem Ort stammende Bibliothekarin berichtete einem lokalen Medium, sie habe trotz Nachforschungen keine Erklärung gefunden.

Die passende Pointe lautet deshalb nicht, das Dorf sei nach dem Frühstück benannt. Sondern: Man kann tatsächlich in Kajgana wohnen, ohne dass damit das Rätsel seiner Namensherkunft gelöst wäre.

Tužno in Kroatien muss nicht traurig sein

„Tužno“ bedeutet im heutigen BKS-Sprachgebrauch „traurig“. Das Dorf liegt in der Gemeinde Vidovec im Raum Varaždin und ist in deren offizieller Siedlungsliste zu finden. Das ž klingt ungefähr wie das stimmhafte sch in „Journal“.

Wer auf der Ortstafel eine Stimmungsmeldung vermutet, liest also zu viel hinein. Über das Gemüt der Einwohner sagt der Name nichts aus. Auch hier sind die heutige Wortbedeutung und die historische Namensherkunft zwei verschiedene Fragen. Für das Reisegespräch bleibt immerhin die schöne Möglichkeit, gut gelaunt nach Tužno zu fahren.

Sisevac in Serbien führt zu einer Klostergeschichte

BKS-Sprechenden fällt in Sisevac leicht „sise“ auf, umgangssprachlich Brüste. Für deutschsprachige Mitreisende braucht der Namenswitz also eine kurze Übersetzung. Die historische Erklärung führt jedoch zu einem Mönch.

RTS beschreibt den Zusammenhang des Ortes mit dem Kloster Sisojevac und Sisoje. Sisevac liegt in der Gemeinde Paraćin an der Crnica und wird von der örtlichen Tourismusorganisation als Ausflugsziel vorgestellt. Das nahe Kloster macht aus dem vermeintlich bloß zweideutigen Namen einen Ausgangspunkt für eine Kulturgeschichte.

Edelschrott in der Steiermark ist kein vornehmes Altmetall

Edel und Schrott passen auf den ersten Blick ungefähr so gut zusammen wie Luxus und Sperrmüll. Die Marktgemeinde im Bezirk Voitsberg hat mit dieser modernen Wortkombination aber wenig zu tun.

1245 wurde der Name als „Gelenschrot“ urkundlich erwähnt. Die Gemeinde erklärt die ursprüngliche Bezeichnung mit „Hirschenschlag“. Ein goldenes Hirschhaupt im Wappen erinnert daran. Wer beim Namen nur an die nächste Entrümpelung denkt, liegt also ziemlich daneben: Hinter Edelschrott steckt eine ältere sprachliche Geschichte.

Ba in Serbien ist kurz und gesprächig

Zwei Buchstaben reichen: Ba ist ein Dorf in der Gemeinde Ljig. Dass es tatsächlich existiert, ist unter anderem durch historische Veröffentlichungen und die dortige Kirche des heiligen Ilija belegt.

Für Menschen mit Bosnien-Bezug klingt der Name zugleich wie die vertraute Gesprächspartikel „ba“. Als kleine Pointe im Reisegespräch funktioniert das bestens. Einen Beleg für die Herkunft des serbischen Ortsnamens liefert die Ähnlichkeit nicht. Praktisch ist der Name trotzdem: Beim Buchstabieren kommt man schnell ans Ziel.

Jajce in Bosnien und Herzegowina hat einen großen Auftritt

Der Name erinnert BKS-Sprechende an ein Ei beziehungsweise dessen Verkleinerungsform. Jajce selbst ist allerdings alles andere als eine kleine Randnotiz auf der Landkarte. Wer wegen des Wortspiels neugierig wird, findet eine Stadt mit einem außergewöhnlichen Naturmotiv.

Nahe dem Zentrum stürzt die Pliva als Wasserfall hinunter und mündet in den Vrbas. Dazu kommen die Festung und die Pliva-Seen. Für einen Besuch gibt es damit genügend Gründe, die nichts mit dem Ortsnamen zu tun haben. Eine bestimmte Form als gesicherte Erklärung des Namens zu präsentieren, wäre ohne passenden historischen Nachweis zu einfach.

Smrtići in Bosnien und Herzegowina klingt unheimlich

Im Raum Prnjavor in der Republika Srpska liegen Gornji und Donji Smrtići. Die Stadtverwaltung führt auch eine örtliche Verwaltungsstelle Smrtići. Wer BKS versteht, hört darin leicht „smrt“, Tod. Dieses Beispiel gehört deshalb eher in die Kategorie Gänsehaut als Schenkelklopfer.

Eine lokale Überlieferung bringt den Namen mit einer Pestepidemie in Verbindung. Sie bleibt eine Erzählung, keine gesicherte historische Herleitung. Dass ein Ortsname düster klingt, sagt ohnehin nichts darüber aus, wie es sich heute dort lebt.

Fugging in Österreich gibt es gleich zweimal

Der berühmteste Fall dieser Sammlung liegt in Oberösterreich: Die Ortschaft Fucking in der Gemeinde Tarsdorf heißt seit 1. Jänner 2021 Fugging. Das englische Schriftbild des früheren Namens hatte den kleinen Ort weltweit bekannt gemacht.

Die Aufmerksamkeit hatte Folgen. Ortstafeln wurden gestohlen, Bewohner sahen ihre Privatsphäre verletzt. Nach der Umbenennung gelangte eine alte Tafel ins Haus der Geschichte Österreich. Was für Durchreisende ein kurzer Witz war, konnte für Einheimische zur dauerhaften Belastung werden.

Der überraschende Zusatz liegt in Niederösterreich: In Obritzberg-Rust gibt es ebenfalls ein Fugging. Schon 2012 berichtete der ORF über dessen ältere Schreibweisen. Es ist also kein Ableger der späteren oberösterreichischen Namensänderung. Eine 1894 errichtete Dorfkapelle gehört zu seiner eigenen Geschichte.

Zwölf Orte, zehn Stationen und jede Menge Stoff für die nächste Fahrt: Manche Namen erklären sich, andere behalten ihr Rätsel.

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KO KOSMO-Redaktion
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