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Tourismus

Tourismus boomt in Österreich, doch beim Personal wird heftig gestritten

Tourismus boomt in Österreich, doch beim Personal wird heftig gestritten
(Foto: Pexels)
5 Min. Lesezeit |

Mehr Übernachtungen, gute Winteraussichten und Streit um Personal: Österreichs Tourismus steht vor einer entscheidenden Saison. Während Betriebe Planungssicherheit für zusätzliche Arbeitskräfte verlangen, fordert die Gewerkschaft bessere Bedingungen. Ein Blick nach Kroatien zeigt, dass die Suche nach Beschäftigten längst eine regionale Frage ist.

Hinter jeder Nächtigung stehen Menschen, die Zimmer reinigen, Frühstück vorbereiten, Gäste empfangen oder am Abend in der Küche arbeiten. Ob der touristische Erfolg auch für sie eine gute Nachricht ist, lässt sich aus der Zahl der Übernachtungen allein nicht ablesen. Ebenso wenig verrät sie, wie viel einem Betrieb nach seinen Kosten bleibt.

Mehr Gäste bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn

Die am 28. Oktober veröffentlichten vorläufigen Zahlen von Statistik Austria zeigen eine starke Nachfrage: Im September 2026 wurden 12,97 Millionen Nächtigungen registriert, 5,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von Mai bis September summieren sie sich auf 76,39 Millionen, ein Plus von drei Prozent.

Die Statistik erfasst neben Hotels auch Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze. Sie bedeutet weder, dass jedes Haus ausgebucht ist, noch dass sämtliche Betriebe mehr verdienen.

Eine am 14. Oktober veröffentlichte Befragung der Österreichischen Hoteliervereinigung verdeutlicht den Unterschied. Die 154 teilnehmenden Mitgliedsbetriebe erwarteten für den Winter durchschnittlich 1,2 Prozent mehr nominellen Umsatz, gleichzeitig aber 1,3 Prozent weniger Betriebsergebnis. Das sind Erwartungen einer Verbandsbefragung, keine geprüften Abschlüsse aller Hotels. Sie zeigen dennoch, weshalb hohe Nachfrage und wirtschaftlicher Druck zusammen auftreten können.

Rund sechs von zehn Beschäftigten haben keinen österreichischen Pass

Für die Personalfrage liefert ein AMS-Bericht vom Februar 2026 einen aufschlussreichen Hintergrund. Im Jahresdurchschnitt 2025 hatten in Beherbergung und Gastronomie rund 60 Prozent der Beschäftigten keine österreichische Staatsbürgerschaft. Seit 2008 hat sich die Zusammensetzung deutlich verändert.

Staatsangehörigkeit

2008

2025

Österreich

65,7 %

40,0 %

Andere EU-Staaten

15,9 %

35,4 %

Drittstaaten

18,2 %

24,4 %

Die Angaben von AMS und Sozialversicherung beziehen sich auf die Staatsangehörigkeit; geringfügige Rundungsdifferenzen sind möglich. Sie unterscheiden nicht danach, wie lange jemand in Österreich lebt. Ausländische Beschäftigte sind deshalb keineswegs automatisch neu angeworbene Saisonkräfte. Auch sagt ein sinkender österreichischer Anteil allein noch nichts über die Entwicklung ihrer absoluten Zahl aus.

Die Branche wird längst wesentlich von Menschen ohne österreichischen Pass getragen. Wer über zusätzliches Personal diskutiert, spricht zugleich über eine Belegschaft, die bereits heute international zusammengesetzt ist.

Was Beschäftigte vom Erfolg haben

Seit 1. Oktober gilt der neue Lohn- und Gehaltsabschluss für Hotellerie und Gastronomie. Die kollektivvertraglichen Entgelte steigen durchschnittlich um rund drei Prozent, in Gruppe 5 um 3,48 Prozent. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von bis zu 275 Euro unter den vereinbarten Voraussetzungen und mit möglichen Aliquotierungen.

Die Gewerkschaft vida kritisiert den Abschluss im Verhältnis zu einer zugrunde gelegten Inflation von 3,6 Prozent als Kaufkraftverlust und verlangt attraktivere Arbeitsbedingungen. Diese Bewertung ist von der individuellen Einkommensentwicklung zu unterscheiden: Einstufung, Überzahlung, Einmalzahlung und Arbeitsstunden verändern die persönliche Rechnung.

Ein Monatsbetrag allein reicht deshalb nicht zur Bewertung eines Saisonangebots. Entscheidend sind auch tatsächliche Arbeitszeit, Zuschläge, Unterkunft und die Frage, wie lange das Dienstverhältnis dauert. Gute Personalpolitik muss sich daran messen lassen, ob Beschäftigte bleiben wollen und können.

Warum der Westbalkan eine besondere Rolle spielt

Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner verlangte am 28. Oktober eine rasche Verordnung des Saisonkontingents. Gute Nachfrage müsse personell bewältigt werden können. Die bestehende Saisonkontingentverordnung 2026 sieht 5.500 reguläre Plätze sowie zusätzlich 2.500 für Staatsangehörige von Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien vor.

Das sind Kontingentplätze und keine Zahl tatsächlich eingestellter Personen. Die Verordnung enthält zudem eine bedingte Verlängerungsklausel über November 2026 hinaus. Aus der politischen Forderung lässt sich deshalb kein automatisches Ende aller bestehenden Beschäftigungsmöglichkeiten ableiten.

Für gewöhnliche Kontingentbewilligungen prüft das AMS grundsätzlich, ob geeignete Arbeitskräfte bereits am Arbeitsmarkt verfügbar sind. Weitere Voraussetzungen sind die Einhaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie eine ortsübliche Unterkunft. Für registrierte Stammsaisoniers bestehen besondere Regeln.

Mehr Plätze allein erklären allerdings nicht jede Personallücke. Laut AMS waren die Kontingente im österreichweiten Saisondurchschnitt im Winter 2024/25 zu 82,2 Prozent und im Sommer 2025 zu 78,7 Prozent ausgeschöpft. Das widerlegt keine Engpässe an einzelnen Orten oder zu Spitzenzeiten. Es lenkt den Blick aber auch auf Vermittlung, Unterkunft und passende Arbeitsbedingungen.

Auch Kroatien sucht Arbeitskräfte von außen

An der Adria zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung: Von Jänner bis September 2026 stellte Kroatien insgesamt 124.023 Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen aus. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 136.194. Im Tourismus und Gastgewerbe stieg die Zahl dagegen von 45.810 auf 48.156, rechnerisch um rund 5,1 Prozent.

Diese Statistik zählt Bewilligungen einschließlich Verlängerungen, nicht eindeutig einzelne Menschen. Sie ist daher nicht direkt mit Österreichs Beschäftigtenanteilen vergleichbar. Sie zeigt aber, dass auch Kroatiens Tourismus auf internationale Rekrutierung setzt.

Dass beide Länder damit nachweislich um dieselben Personen konkurrieren, lässt sich daraus noch nicht schließen. Für Beschäftigte aus der Region stellt sich dennoch eine praktische Frage: Welches Angebot passt bei Einkommen, Arbeitszeit, Unterkunft und Entfernung zur Familie?

Im November stehen Arbeitszeiten im Fokus

Die Arbeitsinspektion hat für den 26. November 2026 einen Fokustag in der Gastronomie angekündigt. Im Mittelpunkt stehen Küchen- und Servicepersonal sowie Arbeitszeitgrenzen, Pausen und Ruhezeiten. Die Behörde begründet den Schwerpunkt mit wiederholt festgestellten Schwierigkeiten in den ausgewählten Branchen. Ergebnisse dieser Kontrollen liegen noch nicht vor.

Für den kommenden Winter geht es damit um mehr als rechtzeitig besetzte Stellen. Betriebe brauchen verlässliche Teams, Beschäftigte nachvollziehbare Angebote und Perspektiven über die nächste Hochsaison hinaus. Ob Österreichs Tourismusboom trägt, entscheidet sich auch daran, wie verlässlich die Arbeit für jene ist, die ihn täglich ermöglichen.

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KO KOSMO-Redaktion
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