Geld für die Familie soll schneller und günstiger ankommen: Fünf Westbalkan-Staaten bauen ihre Sofortzahlungen mit europäischer Technik aus. In Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro läuft die Plattform bereits, drei weitere Länder sollen im November folgen. Überweisungen aus Österreich werden dadurch aber nicht automatisch sofort ausgeführt oder kostenlos.
Am Wochenende Geld für eine dringende Rechnung schicken und nicht bis zum nächsten Bankarbeitstag warten: Genau dafür sind Instantzahlungen gedacht. Für Familien zwischen Österreich und dem Balkan ist der Ausbau deshalb interessant. Entscheidend bleibt allerdings, ob eine Zahlung innerhalb eines Landes erfolgt oder von einem österreichischen Konto ins Ausland geht.
Der Start war bereits im Juli
Hinter dem Projekt steht die Plattform TIPS Clone, entwickelt von der italienischen Zentralbank auf Grundlage des europäischen Echtzeitzahlungssystems TIPS. Sie ist technisch eigenständig und soll die Zahlungsinfrastruktur in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Nordmazedonien modernisieren.
Der erste Betriebsstart erfolgte am 20. Juli 2026 mit Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro. Für Albanien, Kosovo und Nordmazedonien ist eine weitere Anschlussphase im November angekündigt. Am 23. November soll das Projekt in Rom offiziell vorgestellt werden.
Der Novembertermin bedeutet somit keinen gleichzeitigen Neustart für alle fünf Länder und sämtliche Bankkunden. Die gemeinsame Infrastruktur wird schrittweise nutzbar. Welche Funktionen im Onlinebanking tatsächlich angeboten werden, hängt auch von der jeweiligen Bank ab.
Warum Wien nach Sarajevo noch ein eigener Fall ist
Die bosnische Zentralbank beschreibt drei Entwicklungsstufen: zunächst Instantzahlungen innerhalb des Landes, anschließend die Verbindung zwischen den beteiligten Westbalkan-Staaten und schließlich die Verknüpfung mit der europäischen TIPS-Infrastruktur. Dafür müssen weitere Voraussetzungen erfüllt werden.
Eine Zahlung zwischen angeschlossenen Konten innerhalb Bosniens kann damit bereits binnen Sekunden möglich sein. Eine Überweisung von Wien nach Sarajevo ist deshalb noch nicht automatisch eine durchgehende Echtzeitüberweisung. Die heimische Infrastruktur am Zielort ersetzt die Verbindung aus Österreich nicht.
Das gilt auch, wenn auf beiden Seiten ein vertrauter Bankenname steht. Die Zugehörigkeit zum selben Konzern allein beweist weder eine bestimmte Ausführungsgeschwindigkeit noch einen günstigen Tarif.
Für den Alltag zählt deshalb die konkrete Verbindung zwischen Absender- und Empfängerbank. Eine allgemeine Ankündigung für ein Land sagt noch nicht, welche Zahlungsart bei einer bestimmten Überweisung verfügbar ist.
In Bosnien stehen neun Banken auf der Teilnehmerliste
Die am 29. Oktober abrufbare offizielle Liste des bosnischen Instantzahlungssystems enthält neun Institute: Intesa Sanpaolo, Raiffeisen, Sparkasse, Nova banka, ATOS BANK, NLB Banka Banja Luka, ZiraatBank BH, NLB Banka Sarajevo und ASA BANKA.
Damit reicht der Ausbau über die drei Banken hinaus, die zum Start genannt wurden. Er betrifft das Land insgesamt, einschließlich der Republika Srpska.
Trotzdem lohnt sich die Nachfrage beim eigenen Institut: Technischer Anschluss, Empfang von Instantzahlungen und das aktive Senden über eine bestimmte App können unterschiedlich eingeführt werden. Die Teilnehmerliste allein ersetzt keine Auskunft über verfügbare Funktionen, Betragsgrenzen und Kundenpreise.
In Montenegro kosten kleine Instantzahlungen höchstens wenige Cent
Montenegro zeigt bereits, wie konkrete Tarifregeln aussehen können. Für inländische Instantzahlungen bis 200 Euro, die über Mobil- oder Internetbanking beauftragt werden, gilt eine Obergrenze von fünf Cent für das Senden. Auch für den Empfang solcher Zahlungen dürfen höchstens fünf Cent verlangt werden. Es sind zwei getrennte Gebührenobergrenzen.
Bei Instantzahlungen über 200 Euro darf die Gebühr nicht höher sein als bei einer gewöhnlichen Kontoüberweisung. Der montenegrinische Dienst ist derzeit für inländische Transaktionen bis 3.000 Euro vorgesehen. Bestimmte Zahlungen auf staatliche Einnahmenkonten sind ausgenommen.
Diese Bedingungen gelten nicht automatisch für Zahlungen aus Österreich oder für die anderen Projektländer. Sie zeigen aber, dass schnelleres Bezahlen mit klaren Gebührenregeln auch im Alltag günstiger werden kann.
In Bosnien beträgt die veröffentlichte Zentralbankgebühr für die Verarbeitung von TIPS-Clone-Transaktionen 0,15 KM. Das ist ein Infrastrukturentgelt für Systemteilnehmer, kein verbindlicher Preis für Privatkunden. Was eine Bank ihren Kunden verrechnet, muss gesondert geprüft werden.
Bei 200 Euro zählt auch der Betrag am Ziel
Wer Angehörige unterstützt, sollte die Überweisung vom Empfänger her betrachten: Welcher Betrag steht am Ende tatsächlich zur Verfügung?
Die bosnische Konvertible Mark ist an den Euro gebunden. Der feste Kurs beträgt 1 Euro zu 1,95583 KM. Rein rechnerisch entsprechen 200 Euro damit rund 391,17 KM. Das ist jedoch keine Zusage über den Auszahlungsbetrag: Je nach Zahlungsweg und Kontowährung können Überweisungs-, Empfangs- oder Umrechnungsentgelte relevant werden.
Ein schnellerer Zahlungsweg beseitigt diese Kosten nicht zwangsläufig. Verglichen werden sollten deshalb die gesamten Entgelte und der Betrag, der dem Angehörigen gutgeschrieben wird. Wer bereits ein geeignetes Konto im Zielland besitzt, hat zudem eine andere Ausgangslage als jemand, der ausschließlich von Österreich aus überweist.
SEPA ist ein weiterer Baustein
Die neue Plattform ist nicht mit SEPA gleichzusetzen. SEPA schafft gemeinsame Regeln für bestimmte Eurozahlungen; TIPS und TIPS Clone dienen der technischen Abwicklung von Echtzeitzahlungen.
Albanien, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien gehören bereits zum veröffentlichten geografischen SEPA-Geltungsbereich. Bosnien und Herzegowina hat am 6. August 2026 den Beitritt beantragt. Bosnien und Kosovo stehen auf der derzeit veröffentlichten Länderliste noch nicht.
Auch die Aufnahme eines Landes garantiert nicht, dass jede Bank sämtliche Zahlungsarten anbietet. Und bei SEPA-Zahlungen in Länder außerhalb von EU und EWR können höhere Gebühren als für vergleichbare österreichische Inlandstransaktionen anfallen.
Serbien nimmt am hier beschriebenen Fünfländerprojekt nicht teil, betreibt aber seit 2018 das eigene Instantzahlungssystem IPS NBS. Das Fehlen in dieser Gruppe bedeutet also nicht, dass dort keine Sofortzahlungen möglich sind.
Es geht um Milliarden aus dem Ausland
Wie wichtig günstigere Zahlungswege sein können, zeigen die bosnischen Zahlen: 2025 flossen 4,46 Milliarden KM an persönlichen Transfers aus dem Ausland ins Land. Das waren rund 290 Millionen KM mehr als im Vorjahr. Die Summe betrifft Zuflüsse aus dem Ausland insgesamt, nicht nur aus Österreich.
Für eine einzelne Familie zählt davon die monatliche Überweisung. Werden Kosten geringer und Beträge früher verfügbar, kann das Unterstützung verlässlicher machen. Wann dieser Vorteil auf einer konkreten Verbindung aus Österreich ankommt, entscheiden jedoch die tatsächliche Anbindung und die angebotenen Bankprodukte.
Vor jeder Zahlung lohnt deshalb ein Blick auf verfügbare Zahlungsart, Gebühren und Empfängerdaten. Eine ausgeführte Instantzahlung lässt sich grundsätzlich nicht einfach stornieren. Bei einem Fehler muss sofort die Bank kontaktiert werden. Das neue System kann Wartezeiten verkürzen; die Prüfung vor der Freigabe nimmt es niemandem ab.