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Stellenabbau

Weniger Modelle, weniger Auswahl: VW-Sparpläne bringen Tausende auf die Straße

Weniger Modelle, weniger Auswahl: VW-Sparpläne bringen Tausende auf die Straße
FOTO: EPA/LISI NIESNER
3 Min. Lesezeit |

Tausende auf der Straße, ein Ultimatum an den Chef – bei VW spitzt sich der Machtkampf dramatisch zu.

Der Betriebsrat von Volkswagen hat dem Konzernvorstand ein klares Ultimatum gesetzt: VW-Chef Oliver Blume muss sich bis Freitag „unmissverständlich“ zu den weitreichenden Sparplänen des Unternehmens äußern. „Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten“, erklärte Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo. Es sei „unverantwortlich, die Belegschaft im Unklaren zu lassen und so in den Urlaub zu schicken“.

Sollte der Konzernchef dieser Forderung nicht nachkommen, werde es nach der Sommerpause „VW-weit und zeitgleich außerordentliche Betriebsversammlungen“ geben, „um die Vorstände dort ans Mikrofon zu zitieren“.

Massive Einschnitte

Während der VW-Aufsichtsrat am Donnerstag über die künftige Ausrichtung des Konzerns beriet, gingen bundesweit Tausende Beschäftigte an knapp 20 Standorten auf die Straße. Im Zentrum der Proteste stehen tiefe Einschnitte in die Modellpalette sowie eine deutliche Einschränkung der Ausstattungsvarianten. Das Unternehmen bestätigte, dass das weltweite Modellangebot außerhalb Chinas bis 2035 um etwa die Hälfte schrumpfen soll.

Die Variantenvielfalt – von Motorisierungen über Ausstattungslinien bis hin zu technischen Versionen – soll um bis zu 75 Prozent zurückgefahren werden. Darüber hinaus ist geplant, die konzernweite Jahresproduktion um eine Million auf neun Millionen Fahrzeuge zu senken. Vor der Corona-Pandemie hatte VW noch mit bis zu zwölf Millionen Einheiten pro Jahr kalkuliert; nach der Pandemie wurde dieses Ziel bereits auf zehn Millionen Fahrzeuge nach unten korrigiert.

An fast 20 Konzernstandorten in ganz Deutschland machten Beschäftigte am Donnerstag ihrem Unmut über die als „Brutalo-Sparpläne“ bezeichneten Vorhaben des Vorstands Luft. Konkrete Angaben zu geplantem Stellenabbau oder möglichen Werksschließungen machte das Unternehmen nicht. Berichten zufolge plant Vorstandschef Blume den Abbau von bis zu 120.000 Stellen – 70.000 mehr als bisher vereinbart.

VW setzt dabei vorrangig auf freiwillige Instrumente wie Altersteilzeit oder Abfindungsregelungen, will aber auch bestehende Beschäftigungsgarantien einer Überprüfung unterziehen.

Werke unter Druck

Vier deutsche Werke stehen besonders unter Druck. Für die Standorte Emden und Zwickau, deren aktuelle Modelle 2031 auslaufen, sowie für Hannover (2032) und das Audi-Werk in Neckarsulm (2034) kann der Konzern eine Nachfolgeproduktion nicht mehr garantieren. Entsprechende Entscheidungen wurden im Aufsichtsrat am Donnerstag noch nicht getroffen.

Wie die Süddeutsche Zeitung am späten Abend meldete, scheiterte der Vorstand mit seinen Sparplänen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der dem Aufsichtsrat angehört, stellte klar: „Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie für Volkswagen. Entscheidend ist, dass VW wieder mit wettbewerbsfähigen, innovativen Produkten überzeugt und die vorhandenen Synergien im Konzern konsequent nutzt.“

Volkswagen hält trotz des Widerstands an dem Kurs fest, Überkapazitäten abzubauen, und kündigte an, über mögliche Entscheidungen nach der Aufsichtsratssitzung zügig zu informieren.

In einer knapp vierminütigen Videobotschaft äußerte sich VW-Chef Blume vergleichsweise unkonkret zum geplanten Konzernumbau: „Deutschland ist unsere Heimat und bleibt für den VW-Konzern zentraler Industriestandort.“ Er verwies auf die Stärken des Standorts: starke industrielle Basis, erstklassige Ingenieurskunst, enge Verzahnung von Forschung, Entwicklung und Produktion.

„Im globalen Wettbewerb reicht das aber nicht mehr aus“, betonte der Manager. „Höhere Kosten können wir nur durch mehr Produktivität, Effizienz und Innovationskraft ausgleichen“, so Blume weiter. Zugleich mahnte er „bessere Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich“ an – darunter „angemessene Kostenstrukturen, wettbewerbsfähige Energiepreise, eine fokussierte Technologielandschaft und eine verlässliche Förderpolitik“.

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KO KOSMO-Redaktion
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