Papptrinkhalme gelten als umweltfreundliche Alternative – doch mehrere Studien zeichnen ein anderes Bild.
Dass Papptrinkhalme Schadstoffe enthalten können, belegen mittlerweile mehrere unabhängige Untersuchungen. Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2021 nahm 43 Trinkhalme unter die Lupe – fünf aus Kunststoff, 29 aus Papier und neun aus anderen pflanzlichen Materialien, alle über Amazon bezogen. Dabei wurden die Produkte auf das Vorhandensein bestimmter PFAS geprüft, sogenannter Perfluoralkylsubstanzen, die auch als „Ewigkeitschemikalien“ bekannt sind.
Von den 38 pflanzenbasierten Trinkhalmen gaben 36 mittelflüchtige Fluorchemikalien ab – Verbindungen, die eigentlich nicht zur Papierimprägnierung eingesetzt werden und offenbar unbeabsichtigt enthalten waren. Zudem ließ sich ein Übergang dieser Substanzen in das Wasser nachweisen.
Belastete Materialien
Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine belgische Studie aus dem Jahr 2023, in der 39 Trinkhalme aus unterschiedlichen Materialien – Pappe, Bambus, Glas, Edelstahl und Kunststoff – auf PFAS analysiert wurden. In allen Materialgruppen außer Edelstahl konnten die Ewigkeitschemikalien nachgewiesen werden, wobei pflanzenbasierte Trinkhalme besonders stark belastet waren.
Aus der Schweiz stammt ein weiterer Befund: Bei der Hälfte der dort untersuchten Trinkhalme veränderte sich der Geschmack des Getränks merklich. Acht Produkte gaben Chlorpropanole in Mengen ab, die den Richtwert der Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR, Behörde für gesundheitlichen Verbraucherschutz) überschritten. Chlorpropanole können in Papier und Pappe vorkommen, wenn bei der Herstellung Epichlorhydrin-basierte Harze zur Nassverfestigung eingesetzt wurden – Verbindungen, denen ein krebserregendes Potenzial zugeschrieben wird.
In der Gesamtbetrachtung wurden mehr als 80 Prozent der in der Schweiz geprüften Papptrinkhalme beanstandet, weil sie den Geschmack beeinträchtigten und/oder Chlorpropanole beziehungsweise Druckfarbenbestandteile an die Flüssigkeit abgaben. Auch eine Stuttgarter Untersuchung kam zu einem vergleichbaren Ergebnis: Bei 6 von 13 Trinkhalmen lagen die gemessenen Chlorpropanol-Werte oberhalb der BfR-Richtwerte. Die höchsten Übergänge wurden bei Produkten festgestellt, die in Asien hergestellt worden waren.
Zu denselben Schlussfolgerungen gelangte eine gemeinsame Studie mehrerer europäischer Verbraucherorganisationen, die ebenfalls krebserzeugende Chlorpropanole in Papptrinkhalmen oberhalb der BfR-Empfehlungen nachwies. Eine spanische Untersuchung widmete sich dem Übergang von Chemikalien aus bedruckten Papptrinkhalmen in Sprudelwasser. Dabei wurden Photoinitiatoren, ein Farbstoff, ein krebserzeugendes aromatisches Amin sowie hormonsystemschädigende Phthalatweichmacher identifiziert.
Fehlende Regulierung
Für Lebensmittelkontaktmaterialien aus Papier und Pappe existiert auf EU-Ebene – anders als für Kunststoffmaterialien – keine eigene gesetzliche Regelung. Materialspezifische Vorschriften und verbindliche Grenzwerte fehlen damit vollständig. Das Ergebnis: Papier- und Pappprodukte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, fallen bei chemischen Prüfungen regelmäßig durch Belastungen mit Chlorpropanolen, Mineralölen, Druckfarbenbestandteilen oder PFAS auf.
Das Einweg-Plastikverbot hat dazu geführt, dass Papptrinkhalme deutlich häufiger eingesetzt werden. Doch die bloße Substitution von Kunststoff durch Papier und Pappe stellt keine echte Lösung dar. Einwegprodukte sind grundsätzlich nicht ressourcenschonend – unabhängig davon, aus welchem Material sie bestehen.
Hinzu kommt die bereits erwähnte Beeinträchtigung des Getränkegeschmacks. Wer auf Trinkhalme nicht verzichten möchte, sollte auf Varianten aus dickem Glas oder Edelstahl zurückgreifen, die nach Gebrauch gründlich gespült werden. Glastrinkhalme sind aufgrund der Bruchgefahr allerdings für kleine Kinder nicht geeignet.
Im Alltag gilt: Trinkhalme sind in den meisten Situationen schlicht nicht notwendig. Wer dennoch nicht darauf verzichten will, trifft aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht mit wiederverwendbaren Glas- oder Edelstahlvarianten die bessere Wahl.
In Restaurants empfiehlt es sich, bereits bei der Bestellung darauf hinzuweisen, dass man keinen Papptrinkhalm im Getränk wünscht.