Start NEWS PANORAMA Wien: Meisten Intensivpatienten aus Balkanstaaten, Polen und Türkei
SPITALSARZT ERZÄHLT

Wien: Meisten Intensivpatienten aus Balkanstaaten, Polen und Türkei

Symbolbild (FOTO: iStockphoto)

Laut dem Intensivmediziner der Klinik Ottakring, Burkhard Gustorff, leiden Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich überdurchschnittlich oft an einer Covid-19-Erkrankung. Der Grund: Die Regierung würde sie nicht erreichen.

In der Klinik Ottakring haben 60 Prozent der Intensivpatienten Migrationshintergrund, so der Spitalsarzt Burkhard Gustorff in einem Interview mit der „Presse“. Allgemein hätte diese Gruppe in Österreich überdurchschnittlich oft Corona, so der Intensivmediziner. Unter anderem deshalb, weil die Regierung sie nicht erreiche. Er plädiert daher für eine zielgruppenorientierte Kommunikationsstrategie.

Meiste Corona-Intensivpatienten aus Balkanstaaten, Polen und Türkei
Laut Spitalsarzt Burkhard Gustorff würden die meisten Patienten in der Klinik Ottakring (ehemaliges Wilhelminenspital) vom Balkan, sowie aus Südpolen und der Türkei stammen. Dass Migranten deutlich mehr von Corona betroffen sind, führt Gustorff auf zwei Faktoren zurück:

 „Zum einen auf die Welle der Reiserückkehrer aus stark betroffenen Risikogebieten wie dem Balkan und der Türkei – Länder, in denen beispielsweise abgesagte Familienfeiern nachgeholt wurden; und zum anderen auf möglicherweise beengte Wohnverhältnisse, die eine rasche Verbreitung des Virus begünstigen“, so der Intensivmediziner im „Presse“-Interview. Daher plädiert Gustorff  für eine neue Kommunikationsstrategie.

Neue Kommunikationsstrategien
Die Regierung würde jene Menschen nicht erreichen, so Gustorff, Vorstand der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin: „Meiner Wahrnehmung nach kommen die Verordnungen der Regierung innerhalb der Gesellschaft sehr unterschiedlich an“. Er fordert daher zielgruppenorientierte Kommunikationsstrategien, „die auf bestimmte Gesellschaftsgruppen abzielen und beispielsweise Sozialarbeiter einbeziehen.“ Auf diese Weise könnten mehr Menschen mit Migrationshintergrund auf die Gefahren einer Coronavirus-Infektion aufmerksam gemacht werden. 

Der typische Intensivpatient sei übrigens zwischen 50 und 70 alt, so Gustorff. Zudem seien 60 Prozent männlich und weisen bekannte Risikofaktoren auf, die zu einem schwereren Verlauf beitragen können: Uns hat überrascht, dass die Raucherlunge, die ja als DIE typische Zivilisationskrankheit gilt, kein allzu großer Risikofaktor sein dürfte. Übergewicht, Bluthochdruck und Nierenerkrankungen sind viel bedeutendere Faktoren“, erklärte Gustorff.

Quellen und Links: