Der Ponyhof war für viele Besucher mehr als nur ein gewöhnlicher Ausgehort – er verkörperte ein zweites Zuhause. Statt strenger Einlasskontrolle, überhöhter Getränkepreise und durchgestylter Partyszenarien bot der Club Gemütlichkeit mit Sofas, Spielautomaten, authentischer Musik und einem freundlichen Umfeld.
📍 Ort des Geschehens
Seit seiner Eröffnung im Oktober 2021 in der Sechshauser Straße 4 in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus etablierte sich der Ponyhof als beliebter Treffpunkt für all jene, die dem konventionellen Clubgeschehen fernbleiben wollten.
Die Gründung inmitten der Pandemie zeugte von Wagemut. Das Konzept zielte darauf ab, weniger Club als vielmehr Bar zu sein – ein Ort ohne Inszenierungszwang. Hier konnten DJs experimentieren, Gäste entspannt an der Bar verweilen oder sich über Musikthemen austauschen. Der Ponyhof fungierte als geschützter Raum und ruhiger Gegenpol zum hektischen Nachtleben.
Die Besonderheit lag in der bedingungslosen Offenheit: Der Club bot eine Heimat für queere Communities, Nachwuchs-DJs und Menschen, die sich im typischen Clubambiente unwohl fühlten – sie alle fanden hier ihren Platz. Von Beginn an setzte das Team auf ein striktes Awarenesskonzept und verstand sich bewusst als Wohnzimmer der lokalen Szene mit familiärer Atmosphäre und fairen Preisen.
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Wirtschaftliche Herausforderungen
Doch nun ist vorerst Schluss. Das Team gab kürzlich die Schließung auf unbestimmte Zeit bekannt. Die Erklärung ist unmissverständlich: Die Besucherzahlen reichten nicht aus, während die Ausgaben stetig stiegen. Trotz aller Eigeninitiative, Anpassungen und persönlichem Engagement fehlte letztlich die wirtschaftliche Grundlage für eine Fortführung.
Die Anzeichen für die schwierige Situation waren seit Monaten erkennbar, berichtet die Heute. Die gesamte Clublandschaft kämpft seit der Corona-Pandemie mit fundamentalen Veränderungen. Die jüngere Generation geht seltener aus, konsumiert zurückhaltender – und wenn, dann nicht mit der früheren Regelmäßigkeit. Der außergewöhnlich warme Sommer 2024 verschärfte die Umsatzeinbußen zusätzlich.
Gleichzeitig stiegen die laufenden Kosten drastisch an: Energie, Personalausgaben und Mietkosten belasteten das Budget zunehmend. Obwohl das Betreiberteam das Konzept kontinuierlich weiterentwickelte, ließ sich ohne verlässliche Einnahmen kein nachhaltiger Betrieb gewährleisten. Die Verantwortlichen steckten eigene finanzielle Mittel in das Projekt und verzichteten auf Gehälter – doch irgendwann war der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weiterging.
Hoffnung auf Neustart
Dennoch bleibt ein Hoffnungsschimmer. Der Ponyhof begibt sich in eine Auszeit, nicht in die endgültige Auflösung. Im Hintergrund arbeitet das Team an einem Neustart – mit überarbeiteten Strukturen, Organisation und Konzeption. Dieser Neuanfang kann jedoch nur mit externer Unterstützung gelingen.
Aus diesem Grund wendet sich das Team nun an seine Anhängerschaft: Durch den Kauf von Solidaritäts-T-Shirts, Jahreskarten oder sogar durch stille Beteiligungen kann das Projekt unterstützt werden. Zudem ist eine finale Abschiedsveranstaltung geplant – nicht als Trauerfeier, sondern als Zeichen dafür, dass Wiens Nachtleben weiterhin existiert.
Der Ponyhof reiht sich in eine wachsende Liste von Clubs ein, die ihre Türen schließen mussten – und wird nicht der letzte sein. Die Wiener Clubszene steht unter enormem Druck. Immer mehr alternative Lokale kapitulieren vor den wirtschaftlichen Herausforderungen. Fördermaßnahmen fehlen ebenso wie politisches Engagement.
Dabei prägen gerade solche Orte das Wiener Stadtbild. Clubs wie der Ponyhof waren nie auf Gewinnmaximierung ausgerichtet – doch ihre Bedeutung als Treffpunkte, Bühnen und Freiräume ist unbestritten.
Mit dem Verschwinden dieser Kulturstätten verliert Wien nicht nur seine Vielfalt, sondern einen wesentlichen Teil seiner kulturellen Identität.