Die Wohnungsknappheit in Wien verschärft sich zusehends. Während die Nachfrage kontinuierlich steigt, geht das verfügbare Angebot zurück – ein Trend, der sich in steigenden Mietanfragen pro Wohnung und minimalen Leerständen widerspiegelt.
Für 2025 prognostiziert der Immobilienberater EHL einen Anstieg der Wohnungspreise um 2,4 Prozent, während die Mieten voraussichtlich um durchschnittlich 7,3 Prozent zulegen werden. Die Zahlen zur Fertigstellung neuer Wohnungen in der Bundeshauptstadt zeigen eine besorgniserregende Entwicklung: Im ersten Halbjahr 2025 wurden nur noch etwas mehr als 10.000 Wohnungen fertiggestellt – ein deutlicher Rückgang gegenüber den über 12.000 Einheiten im Vorjahreszeitraum und den mehr als 14.000 Wohnungen im ersten Halbjahr 2023. Besonders bei Mietobjekten schrumpft das Angebot, da Neubauprojekte vermehrt für den Einzelverkauf konzipiert werden.
Bauaktivität konzentriert
Die Bautätigkeit konzentriert sich hauptsächlich auf die nördlichen Flächenbezirke jenseits der Donau in Wien-Floridsdorf und Wien-Donaustadt sowie auf Wien-Favoriten und Wien-Liesing. In etablierten Wohngebieten sind Baulücken und ausbaufähige Dachböden mittlerweile Mangelware. Auch im Bestandssektor verringert sich das Angebot an Mietwohnungen kontinuierlich, insbesondere in Zinshäusern. Laut EHL tragen die Mietpreisbremse und Unsicherheiten bezüglich weiterer regulatorischer Eingriffe dazu bei, dass Vermieter zunehmend vom Miet- zum Eigentumsmodell wechseln.
Robuste Nachfrage
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Eigentumswohnungen robust. Kaufinteressenten entscheiden sich inzwischen schneller, da sie nicht mehr mit fallenden Preisen rechnen. EHL sieht für die kommenden Jahre eine anhaltende Diskrepanz zwischen Neubauleistung und tatsächlichem Bedarf voraus, was den Wohnungsmangel in der Hauptstadt weiter verschärfen dürfte.
Der Wiener Wohnungsmarkt steht unter Druck: Sinkende Neubauzahlen treffen auf steigende Nachfrage.
Städtische Gegenmaßnahmen
Die Stadt Wien setzt zur Bekämpfung des Wohnungsmangels verstärkt auf die Förderung von leistbarem Wohnraum und die Beschleunigung von Bauverfahren. Im Fokus stehen dabei die Ausweitung des geförderten Wohnbaus, die Aktivierung von Flächenreserven in den nördlichen Bezirken sowie die Vereinfachung von Genehmigungsprozessen. Zusätzlich werden bestehende Fördermodelle für Sanierungen und Nachverdichtungen in innerstädtischen Lagen weiterentwickelt, um auch im Bestand zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und Leerstände zu minimieren.
Mietpreise erreichen Rekordniveau
Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Nachfrage nach Mietwohnungen in Wien hoch. Die durchschnittliche Miete inklusive Betriebskosten erreichte im ersten Quartal 2025 erstmals 10 Euro pro Quadratmeter, was einem Anstieg von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders gefragt sind kleinere Wohnungen mit rund 58 Quadratmetern, wobei viele Suchende bereit sind, auf Wohnfläche zu verzichten, um die gestiegenen Mietpreise bezahlen zu können.