Drei Jahrzehnte nach dem Massaker von Srebrenica versammelte sich das österreichische Parlament zu einem bewegenden Gedenken – mit klarer Botschaft gegen Nationalismus und Hass.
Im Österreichischen Parlament fand am Dienstag eine Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag des Völkermords von Srebrenica statt. Die Veranstaltung, die von Justizministerin Alma Zadic in ihrer Funktion als Vorsitzende der Parlamentarischen Freundschaftsgruppe Bosnien-Herzegowina initiiert wurde, versammelte mehr als 120 Teilnehmer. Gemeinsam gedachten sie der über 8.000 bosniakischen (muslimischen Bosnier) Männer und Jungen, die im Juli 1995 durch Truppen der bosnisch-serbischen Armee ermordet wurden.
In ihrer Eröffnungsrede betonte Zadic die historische Verantwortung: „Das Andenken an die Opfer lebendig zu halten und uns jeder Form von Nationalismus, Hass und Geschichtsverfälschung entschieden entgegenzustellen – das ist unsere Verantwortung, die wir tragen.“ Sie unterstrich zudem die europäische Dimension des Gedenkens: „30 Jahre Völkermord in Srebrenica bedeutet Mahnung und Verantwortung für Europa. Wir müssen den kommenden Generationen klarmachen und uns immer daran erinnern, dass Frieden, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit niemals selbstverständlich sind.“
Programm der Gedenkfeier
Das Programm umfasste einen Impulsvortrag von Almasa Salihovic vom Srebrenica Memorial Center, die über die Dualität von Last und Privileg des Erinnerns sprach. Sie thematisierte die kollektive Tragödie eines Volkes, das aufgrund seiner Identität systematisch vernichtet werden sollte.
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion mit hochrangigen Teilnehmern: Zeitzeugin Selma Jahic, der ehemalige Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina (internationaler Aufseher mit weitreichenden Vollmachten) Dr. Valentin Inzko sowie die Historikerin Univ.-Prof. Dr. Heike Karge, Spezialistin für Südeuropäische Geschichte und Anthropologie.
Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier von Natasa Mirkovic (Gesang) und Pippo Corvino (Gitarre).
Österreich und internationale Gemeinschaft bekennen sich zur Erinnerungsarbeit
Die Gedenkveranstaltung im Parlament findet in einem bedeutenden historischen Kontext statt: Erst in diesem Jahr hat die UN-Generalversammlung den 11. Juli offiziell zum Internationalen Tag der Besinnung und des Gedenkens an den Völkermord in Srebrenica erklärt. Österreich unterstützt diesen Gedenktag ausdrücklich und bekennt sich damit klar zur historischen Verantwortung.
Auch drei Jahrzehnte nach dem Massaker ist die Aufarbeitung in Bosnien-Herzegowina nicht abgeschlossen. Viele Opfer konnten bislang nicht identifiziert werden, und Überlebende sowie internationale Organisationen kämpfen weiterhin gegen die Verharmlosung und Leugnung des Völkermords. Dies unterstreicht die besondere Bedeutung kontinuierlicher Gedenk- und Aufklärungsarbeit, wie sie auch im österreichischen Parlament geleistet wird.