Rund zehn Jahre nach dem Brexit rückt das Undenkbare wieder in den Bereich des Möglichen – und ein britischer Premier macht Ernst.
Rund zehn Jahre nach dem Brexit stellt der britische Premierminister Andy Burnham eine mögliche Rückkehr seines Landes in die Europäische Union zur Diskussion. In einer öffentlichen Rede erklärte er, dass „der Brexit mehr Schaden als Nutzen angerichtet“ habe, und sprach sich dafür aus, die Beziehungen zur EU ohne ideologische Vorannahmen grundlegend neu zu bewerten.
Burnahms EU-Kurs
Burnham hat damit eine weitreichende Grundsatzdebatte über die künftige Ausrichtung Großbritanniens gegenüber Europa in Gang gesetzt. Zur Debatte stehen mehrere Szenarien: die Beibehaltung des gegenwärtigen Verhältnisses, ein Beitritt zu einer Zollunion, die Rückkehr in den EU-Binnenmarkt – oder, wie Burnham auf dem Parteitag der Labour Party andeutete, eine vollständige Wiederannäherung an die Union. „Oder wir könnten den ganzen Weg gehen“, sagte er dort vor den Delegierten.
Burnham, der am 20. Juli 2026 zum Premierminister ernannt wurde, nachdem Keir Starmer zurückgetreten war und König Charles III. ihn mit der Regierungsbildung beauftragt hatte, plant, beim britisch-europäischen Gipfel im November konkrete Optionen für ein langfristiges Verhältnis zur EU vorzustellen. Er machte dabei deutlich, dass das Land sich kein weiteres Jahrzehnt der Unsicherheit in dieser Frage leisten könne – und äußerte die Erwartung, dass eine erneute Mitgliedschaft noch zu seinen Lebzeiten realisierbar sein sollte.