Ein Hubschrauber verschwindet lautlos in der Nacht und taucht Stunden später in einem anderen Land wieder auf.
In der Nacht auf Montag wurde vom Flugplatz Mauterndorf im Salzburger Lungau ein Hubschrauber des Typs Robinson R44 gestohlen – ein Fall, der in der österreichischen Kriminalgeschichte seinesgleichen sucht. Das Luftfahrzeug stand im Besitz der Firma des ehemaligen Skispringers Thomas Morgenstern und tauchte wenige Stunden nach dem Diebstahl in Kroatien auf.
Zuletzt war der Hubschrauber am Sonntagabend auf dem Flugplatz abgestellt gewesen. Robert Wieland, Obmann des Flugplatzes, wurde in der Nacht durch Rotorgeräusche aufgeschreckt und verständigte umgehend die Polizei – dass es sich dabei um einen Diebstahl gehandelt hatte, stellte sich erst am darauffolgenden Tag heraus. Neben dem Hubschrauber selbst wurde auch eine Tankstelle am Gelände aufgebrochen und rund 360 Liter Treibstoff entwendet.
Wieland zeigte sich fassungslos: „Da ist mir der Helikopter schon vor der Nase weggeflogen.“ Und weiter: „So einen Diebstahl gab es in Österreich wohl noch nie.“
Bundesheer erfasste den Flug am Radar
Eine neue Entwicklung wirft nun Fragen zur Rolle der österreichischen Luftraumüberwachung auf. Entgegen ersten Annahmen war der gestohlene Hubschrauber offenbar nicht vollständig unbemerkt geblieben: Nach Angaben des Kommandanten der österreichischen Luftstreitkräfte, Generalmajor Gerfried Promberger, wurde die Maschine vom militärischen Radar erfasst – sogar mehrfach.
Das ist möglich, obwohl der Transponder des Hubschraubers ausgeschaltet war. Während ein eingeschalteter Transponder zusätzliche Informationen wie Kennung und Flughöhe übermittelt und die Identifizierung erleichtert, können militärische Primärradarsysteme auch Flugobjekte ohne aktive Signale erfassen.
Die zentrale Frage lautet daher: Warum wurden keine weiteren Maßnahmen eingeleitet und warum stiegen keine Eurofighter auf?
Warum keine Eurofighter starteten
Dass ein unbekanntes Flugobjekt am Radar erscheint, führt nicht automatisch zu einem Einsatz von Abfangjägern. Die Luftraumüberwachung bewertet zunächst die jeweilige Situation: Handelt es sich um eine konkrete Bedrohung? Befindet sich das Fluggerät in einem sensiblen Bereich? Gibt es Hinweise auf eine Gefahr für die Sicherheit des österreichischen Luftraums?
Bei einem nicht identifizierten Fluggerät können grundsätzlich verschiedene Maßnahmen erfolgen – von der weiteren Beobachtung und Analyse der Flugbewegung bis hin zur Identifizierung durch militärische Luftfahrzeuge. Ein Eurofighter-Einsatz ist eine mögliche Maßnahme, aber nicht bei jedem unbekannten Radarkontakt automatisch vorgesehen.
Im aktuellen Fall muss nun geklärt werden, wie die Radarerfassung bewertet wurde und warum trotz der ungewöhnlichen Flugbewegung keine Abfangmaßnahme erfolgte.
Transponder ausgeschaltet
Um einer Entdeckung zu entgehen, bauten die Täter das Ortungssystem des Helikopters aus und schalteten den Transponder ab. Austro Control-Sprecher Markus Pohanka bestätigte den Sachverhalt: „Der Transponder war ausgeschaltet. Der Heli war nicht am Radar!“
Diese Aussage bezieht sich auf das zivile Radarsystem der Flugsicherung. Die nun bekannt gewordene Radarerfassung durch das Bundesheer zeigt jedoch, dass ein ausgeschalteter Transponder nicht automatisch bedeutet, dass ein Fluggerät für alle Überwachungssysteme unsichtbar ist.
Ermittlungen laufen
Die Polizei sicherte am Tatort Spuren, parallel dazu laufen Ermittlungen der Luftstreitkräfte unter Kommandant Gerfried Promberger. Der Hubschrauber, dessen Wert auf bis zu 800.000 Euro geschätzt wird, ist nach wie vor verschwunden. Eigentümer Manuel Aster stellt sich die Frage: „Wie kann es sein, dass der Heli durch halb Europa fliegen kann und das nicht auffällt?“