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Umweltskandal

Zehntausende Tonnen Giftmüll: Kroatiens Regierung unter Druck

Zehntausende Tonnen Giftmüll: Kroatiens Regierung unter Druck
Foto: epa/Olivier Matthys
4 Min. Lesezeit |

Tonnen Giftmüll, gefälschte Kontrollen, Bestechungsvorwürfe: Kroatiens Abfallskandal zieht immer weitere Kreise – bis in die Regierung.

Der Abfallskandal rund um den Standort im kroatischen Gospić weitet sich zunehmend aus und wirft eine Frage auf, die immer schwerer zu beantworten ist: Wie war es möglich, dass eine mutmaßlich illegale Entsorgungspraxis über Jahre hinweg fortgesetzt werden konnte, obwohl die zuständigen Behörden offenbar frühzeitig von Unregelmäßigkeiten wussten? Bereits ab 2022 hatten Anwohner verdächtige Lastwagenfahrten und die Anlieferung großer Abfallmengen bei den Behörden gemeldet. Der kroatische Državni inspektorat (Staatsinspektorat) führte in einem Zeitraum von etwas mehr als zwei Jahren insgesamt „21 Kontrollen“ durch, bei denen sowohl gefährliche als auch nicht gefährliche Abfälle festgestellt wurden.

Besonders heikel ist dabei der Umgang mit den behördlichen Genehmigungen. Im Mai 2024 beantragte die Umweltinspektion, dem Unternehmen Tipos Resurs die Genehmigung für den Umgang mit Abfällen zu entziehen – ein Antrag, dem im Juni desselben Jahres stattgegeben wurde. Was folgte, sorgt seither für Erklärungsbedarf: „Im Oktober 2024 erhält das Unternehmen erneut eine Genehmigung – diesmal mit einer Laufzeit bis 2027.“ Erst nach einer groß angelegten Polizeiaktion und mehreren Festnahmen im Februar 2025 wurde auch diese Genehmigung wieder außer Kraft gesetzt.

Behörden unter Verdacht

Die kroatische Antikorruptionsbehörde USKOK hat ihre Ermittlungen inzwischen auf einen ehemaligen Mitarbeiter der Gespanschaft Ličko-senjska ausgeweitet. Im Zentrum des Verdachts steht die Frage, ob bei der Ausstellung von Genehmigungen für Unternehmen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Hauptakteurs Josip Sincek bewusst gegen Vorschriften verstoßen wurde. Laut einem vorliegenden Bericht soll in einem Genehmigungsverfahren angegeben worden sein, dass sich am betreffenden Standort kein Abfall befinde – obwohl dort zu diesem Zeitpunkt bereits „mindestens 5.792 Tonnen widerrechtlich gelagerter Abfälle“ gelegen haben sollen.

Auch ein Protokoll über einen durchgeführten Lokalaugenschein steht im Fokus der Ermittler: USKOK hegt den Verdacht, dass dieser Lokalaugenschein möglicherweise überhaupt nicht stattgefunden hat. Die Vorwürfe sind Gegenstand laufender Ermittlungen und noch nicht rechtskräftig festgestellt.

Eine zusätzliche politische Dimension erhält die Affäre durch die Person des Andrija Mikulic. Der frühere Leiter des kroatischen Staatsinspektorats und einstige hochrangige HDZ-Politiker wurde im November 2025 im Zuge von Korruptionsermittlungen festgenommen und in der Folge von der Regierung abgesetzt. Josip Sincek soll gegenüber Ermittlern angegeben haben, Mikulic habe von ihm nahezu „500.000 Euro“ verlangt, damit sein Unternehmen keine Schwierigkeiten mit der Inspektion bekomme. Mikulic weist die Anschuldigungen zurück. Auch hier gilt die Unschuldsvermutung.

Ökologische Schäden

Anfang August 2026 gewinnt der Skandal eine weitere Dimension. Ein im Auftrag der Ermittler erstelltes Gutachten der Geotechnischen Fakultät der Universität Zagreb kommt zu dem Befund, dass „PFAS-Verbindungen (schwer abbaubare Chemikalien) im Grundwasser oberhalb des betroffenen Areals festgestellt wurden.“ Im Referenzmesspunkt außerhalb des belasteten Gebiets waren demnach keine PFAS nachweisbar. In zwei Messstellen unterhalb des Standorts wurden hingegen entsprechende Spuren gemessen, wobei die Grenzwerte knapp überschritten wurden.

Die Gutachter halten es daher für „sehr wahrscheinlich, dass der Abfalllager die Quelle der PFAS-Belastung des Grundwassers ist.“ Darüber hinaus wurden an beiden Messstellen erhöhte Metallbelastungen festgestellt. Auf einer Fläche von rund „18.000 Quadratmetern“ soll es laut Gutachten zu erheblichen ökologischen Schäden des Lebensraums gekommen sein.

Trotz der beunruhigenden Befunde gibt es derzeit keinen Beleg dafür, dass das Trinkwasser der Bevölkerung in Gospić kontaminiert ist. Premierminister Plenković verwies am Dienstag auf den kroatischen Gesundheitsdienst HZJZ, dessen laufende Untersuchungen zeigten, dass „das Trinkwasser in Lika weiterhin sicher und für den Konsum geeignet sei.“ Eine Belastung des Trinkwassernetzes ist nach aktuellem Stand nicht nachgewiesen.

Auch das Ausmaß der betroffenen Abfallmengen ist beträchtlich. Allein für den Standort in Gospić ist von rund „37.000 Tonnen“ die Rede, während andere Berechnungen für das gesamte Areal des früheren PPK Velebit von bis zu ungefähr „45.000 Tonnen gefährlichem und ungefährlichem Abfall“ ausgehen. Die Ermittlungen beschränken sich längst nicht mehr auf Gospić: Auch Standorte in Varaždin, Senj und Benkovac Selo tauchen im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Entsorgungsnetzwerk auf. Rechnet man die öffentlich bekannten Mengen der verschiedenen Standorte zusammen, geht es inzwischen um „Zehntausende Tonnen Abfall“.

Premierminister Andrej Plenković verteidigte am Dienstag das Vorgehen seiner Regierung und warf politischen Gegnern vor, mit dem Thema Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Die Opposition sieht das grundlegend anders: SDP und Most fordern politische Konsequenzen und stellen die Verantwortung der Regierung in den Vordergrund.

Auch Präsident Zoran Milanović drängt auf eine rasche Sanierung des betroffenen Gebiets.

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KO KOSMO-Redaktion
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