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Verstoß

Zerrissene Amtssiegel: Geschlossene Balkan-Bar trotzt Behörden – Eskalation droht

Zerrissene Amtssiegel: Geschlossene Balkan-Bar trotzt Behörden – Eskalation droht
FOTO: Gruppe Sofortmaßnahmen
4 Min. Lesezeit |

Zerrissene Amtssiegel vor dem Eingang, gegenseitige Anschuldigungen und ein Lokal mit bewegter Vergangenheit – der Konflikt um das Wiener Café „Code“ spitzt sich dramatisch zu.

Amtssiegel entfernt

Die Auseinandersetzung um das umstrittene Café „Code“ in Wien-Ottakring hat eine neue Dimension erreicht. Nachdem die Behörden das Lokal in der Ottakringer Straße in der vergangenen Woche offiziell versiegelt hatten, wurden alle vier angebrachten Amtssiegel entfernt. Die zerrissenen Überreste lagen unübersehbar vor dem Eingang des Lokals, das seit Monaten ohne gültige Ausschanklizenz betrieben wurde.

📍 Ort des Geschehens

Die Gruppe Sofortmaßnahmen der Stadt Wien bestätigte den Vorfall und wertet ihn als schwerwiegenden Verstoß. Aus dem Umfeld der Kontrollbehörde verlautet, dass nicht einmal der Versuch unternommen wurde, die Spuren zu beseitigen – die Siegelreste seien deutlich sichtbar am Boden zurückgelassen worden. Für die Stadtverwaltung stellt dies einen direkten Affront gegen die Rechtsordnung dar.

Der Lokalbetreiber zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild der Ereignisse. Im Gespräch mit einem Wiener Medium betonte er, dass die Entfernung der Siegel keineswegs eigenmächtig erfolgt sei. Vielmehr sei dies im Rahmen eines gerichtlich angeordneten Lokalaugenscheins mit Vertretern des Bezirksgerichts Wien-Hernals geschehen. Dabei sei das Inventar des Cafés dokumentiert worden – ein Vorgang, der nach Darstellung des Betreibers vollständig im Einklang mit den rechtlichen Vorgaben stand.

Behördliche Konsequenzen

Walter Hillerer, der die Gruppe Sofortmaßnahmen leitet, reagierte mit deutlichen Worten auf die Situation. Er betonte, dass in Wien klare Regeln gelten und deren Missachtung nicht folgenlos bleibe. Bei weiteren Verstößen drohen nicht nur empfindliche Verwaltungsstrafen und Schadenersatzforderungen, sondern unter Umständen auch strafrechtliche Konsequenzen.

Die Behörde kündigte bereits die nächste Eskalationsstufe an: Sollte erneut jemand unbefugt in das Lokal eindringen, werde das Türschloss amtlich ausgetauscht – eine Maßnahme, die normalerweise nur bei besonders hartnäckigen Fällen zur Anwendung kommt. Auch zur Frage des Schlosswechsels gibt es widersprüchliche Aussagen. Während die Stadt diesen als mögliche künftige Maßnahme ankündigt, behauptet der Betreiber, dass dieser Schritt bereits während des erwähnten Gerichtstermins vollzogen wurde.

Problematische Vorgeschichte

Das Café „Code“, das früher unter dem Namen „Styxx“ firmierte, war bereits vor der aktuellen Kontroverse kein unbeschriebenes Blatt. Während der Fußball-Europameisterschaft 2024 entwickelte sich das Lokal zu einem Brennpunkt für Fanausschreitungen. Bei Spielen der kroatischen Nationalmannschaft versammelten sich regelmäßig Hunderte Menschen vor dem Café und blockierten die Straße, was wiederholt Polizeieinsätze erforderlich machte.

Nach Spielende kam es häufig zu Lärmbelästigungen, dem Abbrennen von Pyrotechnik und Sachbeschädigungen in der Umgebung. Auch abseits der Fußballereignisse sorgte das Lokal für Probleme.

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Zahlreiche Anzeigen wegen Ruhestörung gingen ein, zudem soll wiederholt gegen das gesetzliche Rauchverbot verstoßen worden sein.

Im März 2025 zog die Stadt schließlich die Konsequenzen und entzog dem Betrieb die Ausschanklizenz. Dennoch wurde das Café weiterhin – nunmehr illegal – betrieben.

Insolvenzverfahren eröffnet

Die rechtlichen Probleme des Cafés erreichten am 24. Juli 2025 ihren vorläufigen Höhepunkt: Über das Lokal wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet. Seither ist das ehemals beliebte Szenelokal geschlossen. Wie es mit dem Betrieb weitergeht, ist derzeit völlig unklar. Das Insolvenzverfahren wirft zusätzliche Fragen zu den Behauptungen über den angeblichen Gerichtstermin auf, da zu diesem Zeitpunkt bereits die wirtschaftliche Schieflage des Betriebes offenkundig gewesen sein dürfte.

Das Café hatte sich über Jahre als zentraler Treffpunkt der Balkan-Community in Wien etabliert und galt besonders bei Fußball-Großereignissen als beliebte Anlaufstelle. Diese Popularität wurde dem Betrieb jedoch zunehmend zum Verhängnis, da die wiederkehrenden Probleme mit Behörden und Anrainern schließlich in die behördlichen Maßnahmen mündeten.

Die Darstellungen der jüngsten Ereignisse könnten kaum unterschiedlicher sein: Während die Stadtverwaltung von einer klaren Missachtung behördlicher Anordnungen und der unerlaubten Entfernung von Amtssiegeln ausgeht, beruft sich der Betreiber auf einen rechtmäßigen Vorgang im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens.